Dienstag, 4. April 2017

Buchreview "400 Tage der Erniedrigung" W.J. White

Wrath James White. Natasha hat den Mann ihrer Träume gefunden. Kenyatta führt Natasha in völlig neue Welten der sexuellen Lust und er gibt ihr ein Gefühl der Sicherheit, das sie nie zuvor erlebt hat. Natasha würde alles tun, um ihm zu gefallen. Aber Kenyatta, dessen Vorfahren aus Afrika stammen, glaubt nicht an eine gemeinsame Zukunft mit einer Weißen. Dennoch fordert er Natasha zu einem Wagnis heraus: Damit sie ihn und sein schwarzes Erbe wirklich versteht, soll Natasha sich ihm ausliefern. Bedingungslos. Sie muss für 400 Tage seine Sklavin sein! Natasha ahnt nicht, zu was Kenyatta fähig ist.

Natasha ist mit einer Bekannten unterwegs zum üblichen Abend mit Herr(en) als ihr Kenyatta über den Weg läuft. Er hat sie sofort für sich eingenommen und sie ist von ihm immens begeistert. Sie kommen immer intensiver ins Gespräch und bald wird es in Richtung Sklaverei gelenkt. Kenyatta hat da so seine Lehren und auch das Wissen um viele Aspekte der Entführung der Schwarzen aus ihrer angestammten Heimat. Natasha, Mauerblümchen und immer nur die Begleiterin der schöneren Mädchen, ist hin und weg, verliebt bis zum Anschlag, nass bis zum Wassersturz. Das eigentliche Thema und die wahren Absichten des Kolosses in "Starkpigment" entgehen ihr völlig, würden ihr aber genauso völlig am fülligen Arsch vorbeigehen. Sie lässt sich nur allzu gerne abschleppen. Und bald kommt von ihm der Vorschlag - nicht zu bald, denn zuvor muss Mädi ja noch richtig deftig-derb kriegen, wonach es giert -, dass sie einmal nachempfinden soll, was seine Vorfahren damals erleiden mussten. Er zeigt ihr das Buch 400 Jahre der Erniedrigung, die deren Torturen schildern - und er will, dass sie sich für nur 400 Tage demselben Grauen unterzieht. Danach würde er sie heiraten, für immer der ihre sein. Trotz leicht aufkeimender Bedenken stimmt sie zu und muss bald erfahren, dass es nicht gerade ein einfaches Los ist, das sie sich da ausgesucht hat. Man hat ein Safeword vereinbart, mit dem sie abbrechen kann, aber er würde dann nie ihr Mann sein, sie würde ihn verlieren. So bleibt sie bei allen Leiden und schrecklichen Aufgaben standhaft. 

Ich beginne jetzt zuerst einmal mit den Figuren. Eigentlich reicht es eh, nur auf die beiden Hauptcharaktere einzugehen, die restlichen Beteiligten, sind nur Staffage. Es ist ja nun nicht wirklich neu, dass Wrath James White mit Sympathieträgern und netten Mitmenschen irgendwie wenig anfangen kann. Sein Personal ist meist mehr oder weniger abstoßend. Um als Beispiel mal "Krank" heranzuziehen: die waren eigentlich alle Kandidaten für den Abdecker. "Yaccubus Fluch" strotzte auch nicht vor Mitmenschen, zu denen man sich hingezogen fühlen würde. Und auch hier kann man sich nur sehr schwer mit den Handelnden anfreunden. Kenyatta liebte als Vierzehnjähriger ein weißes Mädchen, die Zuneigung war gegenseitig, doch deren Eltern waren strikt dagegen. Liebeskummer beim Burschen. Danach taucht er erst wieder als Erwachsener auf, der etwas aus sich gemacht hat. Gut aussehend, kräftig, perfekt gebaut, intelligent, eloquent und mit einigen Dollars ausgestattet, die ihm viel ermöglichen. Und er nutzt das auch aus. Was er da so als Begründung heranzieht, um seine bösartigen Spielchen zu inszenieren, ist lächerlich hoch zehn. Er hasst einfach alle Menschen, aber speziell Weiße. Der Typ entpuppt sich als reinrassig - als reinrassiger Psycho mit Hang zu S/M, der aus den Fugen gerät. "Dominance and submission" intonierten dereinst Blue Öyster Cult - und das ist hier Programm und Kenyatta lebt es auf Kosten anderer nur zu gerne aus. Der Typ hat einfach einen an der Klatsche. Sehr viel besser sieht es mit dem Geisteszustand der Natasha auch nicht aus. Angeblich früher einmal von ihrem Cousin belästigt, auch eine Andeutung, dass Papa ein bisserl von dem hatte, was er unter Spaß verstand, ein bisserl pummelig, um zu jeder Jahreszeit etwas zu bieten zu haben - im Sommer spendet sie Schatten und Winter ist sie ne gute Wärmflasche - und mit Sicherheit komplexbehaftet und in ihren eigenen Augen minderwertig. Dafür aber als Pädagogin ständig unterwegs, um den Wanderpokal zu geben, zu kiffen und sich die Birne zuzurußen. Perfekt für eine Lehrerin von siebten und achten Klassen und dann zu feige, im Unterricht die Zeiten der Skalverei anzusprechen (Anscheinend gibt es zumindest im Romanuniversum einen Unterrichtsteil der als Sklavereimonat bekannt ist). Als treffen die beiden Unsympathen aufeinander und aus dem familientauglichen "Fifty shades of grey" wird "400 (Tage der Erniedrigung) shades of black and white" für die ältere Generation. Und dazu kommt, wie bei Herrn White oft, das Thema Rassismus. Dass der hier mal wieder umgedreht wird, mag niemanden mehr überraschen. Das Buch hat seine Härten, der Sex hat wenig mit Blümchen zu tun, die Torturen pendeln zwischen grausam und real. Natasha wird nicht nur gefickt, sie muss auch schuften, putzen, Reste fressen, wird verkauft und zu allerlei sexuellen Handlungen genötigt. Kommt sie auf die Idee, das Safeword zu nutzen? Ja, aber immer nur kurz, ein kaum Spürbares aufblitzen, dann suhlt sie sich wieder in ihrer Hörigkeit dem Traummann gegenüber. Die Gesellschaftskritik, die auch hier nicht fehlen darf, denn Mr. White legt gerne den Finger in vorhandene Wunden (während seine Protagonisten die Ffingerchen anderweitig unterbringen😈), wird durch die Geschichte der Skalverei von der Gefangenschaft in Afrika, der Überfahrt ins neue Land, der Arbeit und den Schrecken auf den Plantagen der Gutsbesitzer bis hin zum Bürgerkrieg und den nachfolgenden neuen Gesetzen, die durch spätere doch wieder zur Rassentrennung führten. Alles stimmig, alles so gelent. Auch dass die befreiten Sklaven von ihrer feiheit nicht vielhatten. Für sich selbst sorgen, waren sie eh nicht gewohnt, aber es wollte ihnen auch keiner Arbeit geben und so gingen viele wieder auf die alten Plantagen zurück. Später kamen dann ja noch die Klansmen, die getrennten Räume und Toiletten, Zeiten in denen Schwarze nicht mit Weißen zusammen in einem Raum sein durften, bis sich endlich Besserung einstellte. Was aber fehlt, ist die Tatsache, dass dieser Bürgerkrieg nur ein verlogener war unter dem Vorwand, die armen Sklaven befreien zu wollen. Es ging nur um wirtschaftliche Interessen. Durch ihre Sklaven konnten die Südstaaten einfach viel billiger produzieren und ihre Waren mit riesigen Gewinnen nach Europa verkaufen. DAS musste unterbunden werden, nichts sonst. Wie auch heute ging/geht es nicht um die Menschen, sondern um die große Kohle. Gegen Ende kommt sogar etwas Thrill rein, nur eine kleine Prise, aber ein Pluspunkt. Da werden dann auch einmal die Richtigen richtig bestraft. Apropos Strafe: Es gibt - in meinen Augen - auch ein Plädoyer dafür, gewisse Individuen nie wieder unter Menschen zu lassen. Hier sind die Gesetzgeber viel zu milde. Extrem schwere Straftaten gehören extrem schwer bestraft und basta. Wegsperren und vergessen - natürlich auch die Fütterungszeiten. Insgesamt ein recht ordentlicher Roman von Wrath James White, aber hier ist es sein Problem, dass er schon einige bessere geschrieben hat. Es ist eigentlich alles drin, was man von ihm erwartet, sämtliche Zutaten wie Rassismus, Sex, Folter, Mord, Gewalt, aber irgendwie hat der Mix nicht so gepasst wie bei den zuvor erwähnten anderen seiner Werke. Dennoch ist das jetzt kein knapp 270 Seiten langer Flop. Statt ein 1 A-Buch ist es eben nur, aber immer noch 1B. Oder eben 7/10.

Kommentare:

Succubus hat gesagt…

Ich bin ja kein Fan von diesem SM kram, aber seine Bücher gehen eigentlich immer. Werde ich mir wohl auch zulegen müssen.

harry hat gesagt…

Es ist nicht nur SM. Sie darf auch mal ein bisschen Feldarbeit leisten, wird verkauft, muss sich (mit Henna) das Gesicht tätowieren lassen und dann versuchen, einen Job zu finden und und und.

Gruß
Harry

Succubus hat gesagt…

Klingt jetzt nicht gerade spannend, aber okay. Ich mag seine sehr nüchterne und depressive Dinge auf die Menschheit. Vor allem, sie nicht wirklich so weit hergeholt ist. Leider.

harry hat gesagt…

Spannung ist da nicht gerade drin, man schaut halt, was der sich als nächstes einfallen lässt und wie weit die Trulla es mitmacht. Gegen Ende gibt es etwas Thrill. Aber insgesamt geht es nur um ihn und seine Methode, seinen eigenen Rassismus auszuleben. Was ich jetzt im Text nicht geschrieben hab, ist die Tatsache, dass der Typ wohl noch nicht einen von den "Mandingo"-Filmen gesehen hat. Da wär sie dann durch die Hölle gegangen. "Roots" wird öfter angesprochen, aber das war ja auch Sklaverei auf Familiensendung-Niveau.

Gruß
Harry