Dienstag, 20. Juni 2017

Buchreview "Auf zum Angriff" D. Fury

Dalton Fury. In den USA gibt es 64 Kernkraftwerke. In eines davon wollen die Terrormilizen der Al-Qaida eine Bombe einschleusen. Nur in welches? Kolt "Racer" Raynor ist der Mann, der den feigen Angriff auf das Herz Amerikas und den Tod Hunderttausender Unschuldiger verhindern soll. Doch als ihn ein Vorgesetzter wegen seiner Alleingänge im Visier hat und seine Delta-Force-Kollegin Cindy entführt wird, stößt der erfahrene Kämpfer gegen den Terror an seine Grenzen.

Kolt und sein Team sind in Pakistan am Werk. Geheim und mit einigen Minensuchfahrzeugen und bewaffneten Angriffsvehikeln in den Bergen, wo sich nach Bin Ladens unfreiwilligem Abgang von der internationalen Bühne des Terrorismus der nächste Drecksack mit Hass auf Amerika und den restlichen Westen irgendwo in einem Dreckloch verbuddelt hat. Dass es nicht einfach werden würde, war allen klar, aber was sich aus der Situation entwickelte, war noch ne Ecke deftiger als erwartet. Während die Truppe um die Fahrzeuge nach einer Explosion und der Begegnung mit drei mit Sprengstoff beladenen Eseln im Kampf gegen die unter heftigem Feuer Verluste erleidet, ziehen Kolt und das Team mit einem Blackhawk in ihren Kampf hinter den Linien. Als es dort Schwierigkeiten gibt, sogar ein zweiter Blackhawk runtergeht, spielt Raynor seine gewohnte Karte aus: Alleingang entgegen jeglichem erhalten Befehl. Sein Ruf ist bekannt und Admiral Mason absolut kein Freund von solchen Aktionen. Er gehört eher zur vorsichtigen Sorte und will sich von so einem Abweichler nicht die Karriere versauen lassen. Doch Raynor hat beim Präsidenten aufgrund seines Einsatzes bei der Rettung des Staatsoberhauptes gute Karten. Er wird umgetopft und einer neuen Truppe zugeteilt. Ein Einsatz führt ihn dann wieder ins karge Gebirge der Grenzregion zwischen Afghanistan und Pakistan. Er begegnet sogar seinem Primärziel, kann es aber inmitten von Feinden, in deren Organisation er sich eingeschlichen hat, nicht ausschalten. Der eigentliche Plan der Terroristen ist es, mithilfe von Timothy, einem Wachmann in einem amerikanischen Atomkraftwerk, ebendieses zu zerstören und die Strahlung freizusetzen. Dabei weiß Timothy noch nicht einmal, dass er benutzt wird. Via Online-Actionspielen haben ihm die Mörder Daten entlockt. Dann hat Kolt die Rolle des Timothy übernommen und sich mit den Gangstern nach Sandland abgesetzt. Als er dort Näheres über die Anschlagsziele und Vorbereitungen dazu erfährt, verschwindet er von da und kehrt in die Staaten zurück, um den Massenmord zu verhindern.

Dalton Fury kennt keine langen Einleitungen. Schnell wird der Leser in die Ödland-Action in der Stan-Gegend geworfen, erlebt die Kämpfe der regulären Truppen und verfolgt die Action der Spezialisten. Das Tempo erhöht sich von Seite zu Seite, nur unterbrochen von den Tiraden des erbittertsten Gegners von Kolt Raynor in den eigenen Reihen, der ihn am liebsten aussortiert sähe. Ist jetzt nicht unbedingt eine Rarität im Genre, dass der Held seine eigenen Wege geht, mindestens einen Feind in den eigenen Reihen hat, aber von allen weiteren Entscheidungsträgern mehr oder weniger offen Rückendeckung erhält und die auch weidlich ausnutzt. Nimmt man als Leser so hin, schadet ja der knalligen Action nicht. Ebenso erträgt man manche Auswüchse der stilistischen Unterscheidungen zwischen Freund und Feind. nicht nur, dass die "richtige" Seite unheimlich clever ist, Morde durch den Feind als unmenschlich verurteilt und dennoch selbst zu genau den gleichen Mitteln greift, man setzt die Bösewichte auch noch anderweitig ins schlechtere Licht. Wenn Cindy mit "perfekten, strahlend weißen Zähnen" beschrieben wird, dann dient diese Formulierung nur zwei Dingen: Der Protagonist darf ihr hinterhersabbern und es wird auch mit Hingabe erwidert und dazu noch, dass niemals jemand der Gegenseite derart perfekt sein darf oder ist. Und dennoch - trotz dem Hang zur US-Überheblichkeit, dem Drang nach Selbstjustiz und einem Mann, der ein ausgebildeter Killer ist,  aber eben auf der erwünschten Seite -, gibt es etliche Werke, die es richtig übertreiben. Daher ist "Auf zum Angriff" zwar ein einseitiger Roman, ein wildes Märchen, das man sich zum Happy Reading nach eigenem, amerikanischen Gutdünken gebastelt hat, aber es ist auch ein verflucht unterhaltsamer Actioner, der es an nichts missen lässt, was man als Konsument für sein Geld erwartet. Schnell, manchmal rabiat, voller Action und schwer unterhaltsam - und selbstverständlich wieder ein Buch mit einer Story, die ich und viele andere Leser schon viel zu lange missen mussten, weil sie nicht in die Kalkulation der Großverlage passten. Da haben sich halt kleinere Verlage der Sache angenommen und viele Kunden sind es zufrieden. Ich auch.                     

Kommentare:

Sean Archer hat gesagt…

Hallo,Harry!
Ich habe vor kurzem das dritte Kolt Raynor-Abenteuer ebenfalls gelesen und war auch von dieser Geschichte wieder mehr als begeistert.Klar werden auch hier wieder alle Klischees genüsslich ausgeweidet, aber das gehört zu diesen Militarythrillern Made in USA einfach dazu.Aufgrund einer deiner letzten Reviews lese ich gerade Overwatch-Jagd auf Logan West und stelle nach den ersten Kapiteln mal wieder fest,dass man als Actionfan zur Zeit auf dem Büchermarkt besser aufgehoben ist als im Kinosaal.

harry hat gesagt…

Hi Sean Archer.

Danke fürs Lob. Ist aber nun einmal auch "mein" Genre. Wie geschrieben, kann ich mit diversen Klischees leben, aber wenn es zu schlimm wird, vermerke ich das dann auch sehr deutlich. Patrick Robinson war da so ein Kandidat. Hat er früher einige sehr feine U-Boot-Thriller geschrieben, wandelte er sich bald vom Iren zum Amerikaner übelster Prägung. Da wurden die Völkergruppen, an denen ihm nichts lag oder die er als Feinde verortete in ihrer Gesamtheit oft sehr verunglimpft. Als es schon irgendwie zur Hetze wurde, bin ich dann abgesprungen und habe seine Bücher gemieden.

Von Festa kommen aber bald wieder feine Sachen wie Joshua Hood und John Gilstrap. Und die Extinction-Cycle-Reihe hat es in sich. Fette Militär-Action, nur halt gegen Zombies. Nicht gerade eine Neuerung im Genre, aber extrem bleihaltig.

Und in Deutschland gibt es den Herrn Martin Kay. Seine Reihe um Eileen Hannigan ist Action pur, fast wie ein Ami-Buch. Hubschrauberjagden in Dortmund (mit erhöhtem Munitionsverbrauch). Jetzt kommt sein "Vigilante" auch zu Print-Ehren. Sollte die Tage eintreffen. Seine SciFi-Reihe "Dust" lässt Erinnerungen an die Filme aus den 80-ern wahr werden. Die ersten drei Bücher sind ja auch Neuauflagen, die er damals "verbrochen" hat, aber nun wird die Reihe weitergeführt. Schön, dass es auch mal diesen Weg gibt, statt immer nur die Reihen einzustellen.

Das war es für heute.

Gruß
Harry