Dienstag, 13. Juni 2017

Buchreview "Der Pfad des Mörders" B. Thor

Brad Thor. Secret Service Agent Scot Harvath auf der blutigen Spur des kaltblütigsten Terroristen der Welt. Das größte Problem für Harvath: Er hat keine Ahnung, wie der Mann aussieht. Der Pfad des Mörders führt Harvath von den brennenden Wüsten Nordafrikas bis in die verwinkelten Gassen Roms.

Harvath ist wieder in der Schweiz. Nachdem seine Jagd in Macau ein plötzliches und blutiges Ende fand und er den Killer nicht erwischen konnte, ist er nach Bern zurückgekehrt, um vielleicht mit Claudia einige schöne Tage verbringen zu können. Schön und unbeschwert wurde aber nichts bei seinem Besuch. Seine Versuche zu Gerhard Miner zwecks einer Befragung vorzudringen, wurden von den Schweizern erfolgreich blockiert. Als dann ein Gefangenentransport für Miner angekündigt ist, mahnt er zur Vorsicht. Vergebens. Unterdessen werden Anschläge auf arabische und jüdische Einrichtungen verübt, die etliche Menschenleben kosten. Immer bekennen sich die jeweiligen Feinde zu den Taten. Der Nahe Osten wird zu einem Pulverfass und die Amerikaner als Schutzmacht Israels könnten aktiv in diese Auseinandersetzung hineingezogen werden. Das gilt es zu vermeiden und so macht sich Harvath auf nach Jerusalem, um sich dort mit einem Mann zu treffen, der allgemein für tot gehalten wird. Er kann sich mit ihm treffen und erhält einige brisante Informationen - und muss feststellen, dass auch hier die Terroristen zuschlagen. Am Tempelberg werden Juden, Christen und Touristen niedergemetzelt. Und in Kairo wird eine Maschine aus Amerika am Flughafen von einer Terrorgruppe besetzt, die Forderungen stellt. Aus Amerika wird eine CIA-Gruppe entsandt und bei ihnen ist Harvath, der sich aber den CIA-Leuten unterzuordnen hat. Und die ägyptische Regierung lässt zur Unterstützung eine eigene Spezialeinheit vorfahren. Und hier, in dieser Krisensituatiuon, erhält Scot Harvath nicht nur Hilfe von unerwarteter Seite, er bekommt auch die ersten Hinweise auf den Anführer der Terrorangriffe. Dennoch macht ihn etwas stutzig.

War "Die Löwen von Luzern" noch ein perfektes Beispiel wie man tatsächlich einer der wahren Nachfolger des legendären Thrillerautors Robert Ludlum werden kann, ist "Der Pfad des Mörders" noch einen Tacken stärker. Hier wird nämlich sehr gekonnt das Beste aus dem Thrillerbereich mit den Ingredenzien des America First-Krachers verquickt. Best of both worlds sozusagen. Neben den puren Actionsequenzen bekommt der Protagonist es auch mit Verrat, Hinterlist, Täuschung und unheimlichen Figuren zu tun, deren Identität lange verborgen bleibt. So konnte Brad Thor der Spannung noch eins draufsetzen. Nach und nach werden zwischen den einzelnen Attentaten und Ermittlungen auch die Charaktere vorgestellt, die manchmal wirklich einseitig sind, aber auch undurchsichtig und zwielichtig sowie wandelbar. Was hin und wieder konspirativ erscheint, lässt sich später gut erklären, während andererseits nicht jeder auf dem Weg der Gerechtigkeit wandelt, der behauptet, dass er es tun würde. Und der Held der Geschichte? Scot Harvath ist genau das - der Held in allen Belangen. Ein Mann für Amerika - hart, gerecht, smart und tough, der aber auch manchmal Anwandlungen bösen Humors sein Eigen nennen darf. So mancher bekommt das zu spüren und der Leser hat dafür vielleicht den einen oder anderen Schmunzler übrig. Aber der Retter der amerikanischen Lebensart kann auch einsichtig sein, wenn man ihn überzeugt. Zumindest deutet sich so etwas an. So ergibt sich aus der wilden Jagd um den Globus mit etlichen explosiven Einlagen der Eindruck, dass dieses Buch in besseren Zeiten von Hollywood schon längst verfilmt werden würde, aber heutzutage müssen die Hauptfiguren ja Strampler tragen und ihre Fressen vermummen, damit sich das werbegelotste Publikum auch den 100-sten reinzieht statt was Neues zu bringen. Warten wir also auf Disneys Phantomias. Zurück zum Buch. Ein überaus gelungener Actionthriller mit hoher Schlagzahl, der in unterschiedlichen Regionen spielt, bei dem aber die Orte der Handlung wie z. B. in der Schweiz gut recherchiert waren/sind und der bei 500 Seiten Umfang keine Längen aufzuweisen hat und durchgehend beste Unterhaltung mit kompromissloser Heldenaction bietet. Ein kurzweiliges, atemberaubendes Spektakel bei dem Brad Thor alle Registter seines Könnens zieht und zu Recht (meines Erachtens) einen Platz an der Spitze der Autoren für knallharte Actionthriller innehat. Also nur her mit dem Nachschub, gibt ja genug Bücher um Harvath.

Kommentare:

Sean Archer hat gesagt…

Hallo Harry,
ich bin schon seit einiger Zeit ein grosser Fan der Scot Harvath Romane.
Als Filmproduzent hätte ich mir die Rechte an den Büchern schon längst gesichert,um daraus eine Filmreihe oder neudeutsch ein Franchise zu entwickeln.Aber wie schon gesagt,hat Hollywood als auch die neue Generation von Kinobesuchern nicht mehr das große Interesse an Actionthrillern ohne kostümierte Helden.

harry hat gesagt…

Hi,

ich bin auch schon seit Beginn der deutschen Veröffentlichungen bei Randomhouse.de dabei. Nichts kann da meine Begeisterung trüben - noch nicht einmal, dass die Covermotive leider nicht von Michael Schubert gemacht werden. ABER: "Das Athena Projekt" ist zumindest schon mal "in developemant". Heißt zwar nicht viel, aber immerhin. Das Buch ist ein Ableger zu Harvath. Ist eine Frauentruppe, die dann auch in "Schwarze Liste" erwähnt wird. Bis man in der normalen Reihenfolge seiner Veröffentlichungen dahin kommt, dauert aber noch bei uns.

Dass das Publikum derzeit nur bestimmtes Material sichtet, will ich denen nicht einmal alleine vorwerfen. Der Großteil ist doch eher der reine Unterhaltungs- und/oder Gelegenheitskinogänger. Und da geht halt die Industrie nach dem Motto: Der Kunde weiß nicht, was er will, er will, was er kennt. Und daher wird er "dauerbeworben". Und bald spricht jeder über den Murks und dadurch kommen die Zahlen für die Top Ten zustande. Danach kommen dann jene, die meinen, dass der oder der Film gut sein muss, weil er ja in den Top Ten ist.
Filme abseits der derzeit gängigen Kinoware werden gar nicht bis kaum wahrgenommen. Die sind fast nur für eine Klientel wie man sie in Foren oder auf Blogs findet. Da muss man selbst etwas Überzeugungsarbeit leisten. Und wenn man erst einmal nur einen erwischt, gibt der es an andere weiter.
Bei den Büchern ist es doch genauso. Festa ging das Risiko in, einige der Actionfraktiuon haben gejubelt und dann langsam andere überzeugt, mal so ein Genre zu lesen. Und siehe da, die Bücher verkaufen sich gut. Namhafte Autoren gehen zu Festa, die Agenturen fragen jetzt schon selbstständig an und andere Verlage ziehen langsam nach. Das angebot ist derzeit fast so gut wie damals in den 80-ern als Ludlum noch das Nonplusultra war.

Und mich freut es. Jetzt müsste das nur noch bei den Filmen so funktionieren.

Gruß
Harry