Dienstag, 27. Juni 2017

Buchreview "Das Vigilante-Prinzip" M. Kay

Martin Kay. Sein Name ist Mark Jedediah Vigilante. Er war Agent beim United States Secret Service, bis er nach einem Komplott gegen die amerikanische Regierung als Sündenbock auf die Straße gesetzt wurde. Jetzt verdient er sein Geld als Troubleshooter, privater Ermittler und Schlichter. Wenn diplomatische Lösungen versagen, Krisen unausweichlich sind und militärische Konflikte die einzigen Alternativen zu sein scheinen, ruft man Vigilante. Sein erster Auftrag führt ihn direkt ins Weiße Haus, als der Stabschef ihn bittet, den Programmierer Dr. Judas Kane ausfindig zu machen, der Mikrochips mit höchst brisantem Inhalt gestohlen hat, bevor er diese auf dem Waffenschwarzmarkt verkaufen kann. Doch schon bald erkennt Vigilante, dass weit mehr hinter diesem Diebstahl steckt. Auftragsmörder, Bundesagenten und Spezialeinheiten jagen nicht nur Dr. Kane und die Chips, sondern setzen bald auch Vigilante auf ihre Zielliste. Seine einzigen Verbündeten sind ein junger Hacker und die zwielichtige Bordellchefin Madame Dunoire, die in höchsten Regierungskreisen verkehrt.

Judas Kane hat sich seinen Lohn abgeholt. Doch statt der dreissig Silberlinge sind es nur 29. Er versucht die Mittelsmänner zu kontaktieren, doch das bleibt ihm verwehrt. Er kann niemanden mehr erreichen und die Rufnummern, die man ihm gab, existieren nicht mehr. Also direkt zum Stabschef des Präsidenten und Korrektur gefordert. Da erwischt er zwar auch nur die Sekretärin, kann aber immerhin eine Nachricht hinterlassen. Unterdessen hat sich Jed Vigilante mit einer Hübschen, die ihm aber nur als Tarnung dient, bis er einen neuen Job angedient bekommt. Dies passiert schneller als er sich gewünscht hat. Madame Dunoire überbringt ihm telefonisch eine Nachricht und übermittelt einen Treffpunkt. Dort wird er von Coolridge, dem Stabschef angeheuert, Judas Kane zu stellen. Der war inzwischen fleissig und hat dafür gesorgt, dass sein Name in rauen Mengen im Internet unter den verschiedensten Standorten auftaucht, sodass kaum zu ermitteln ist, wo er sich wirklich befindet. Das merken die Amis bald: Vier Agenten in Nordkorea fliegen auf. Nun braucht Vigilante Hilfe. Er lässt sich von Madame einen Hacker vermittlen, der sich Wolverine nennt und gerade mal 18 Jahre alt ist. Während diverse Geheimdienste und Killer hinter Dr. Kane her sind, um ihm die Chips abzunehmen, geraten auch Vigilante und Wolverine immer mehr ins Fadenkreuz. Im Prinzip ist eigentlich jeder hinter ihnen her und bald weiß Vigilante nicht mehr, wem er überhaupt trauen kann. 

Martin Kay bedankt sich im Nachwort beim Lektor Andre Piotrowski und dem Verleger Guido Latz, dass sie seinen Jed Vigilante nun auch als Printversion auf die Leserschaft loslassen. Ich nutze die Gelegenheit, mich dem anzuschließen. 
"Das Vigilante-Prinzip" ist ein Werk, das als E-Book-Version schon etwas länger auf dem Markt ist und auch nicht anders gedacht war, als den geneigten Kunden einige Actionhäppchen zu gönnen. Ist ja derzeit in Mode, dass viele Autoren ihren Reihen noch die eine oder andere Kurzgeschichte in elektronischer Form zufügen. 
Nun ja, Martin Kay jedenfalls bleibt seiner mit Eileen Hannigan begonnenen Linie ziemlich treu, auch wenn er selbst meint, Jed Vigilante käme ohne größere Spinnereien aus. Könnte man so sehen - wenn man will. Auf jeden Fall aber lässt er sich nicht lange bitten, um das Buch mit Action zu garnieren und einen Actionthriller zu kredenzen, der es wahrlich in sich hat. Ich bin ja bekanntermaßen ein großer Freund der America First-Romane aus Trump-Land. Märchen für Erwachsene (Amerikaner) halt. In Deutschland hält man sich mit derartiger Lektüre spürbar zurück und schreibt lieber zum 100.000-sten mal über die deutsche Schuld aus des Landes düstersten Kapitels. Ich kann es nicht mehr hören,sehen oder lesen - es nervt. Wenigstens Martin Kay lässt den ollen Quark mal außen vor, zwängt sich nicht in die wahrlich fesselnde Gutmensch-Jacke und schreibt rasant drauf los. Und mit der Zeit kommt er meines Erachtens den frühen Romanen eine Jon Land recht nahe. Da passt alles. Verräter hier, Geheimdienste dort, krachende Action mit Hellfire-Raketen und brennenden Tunneln. Dabei werden die Anspielungen auf die "Stirb Langsam"-Reihe munter genutzt, der Humor blitzt an der einen oder anderen Stelle auch auf und die Namenskreation mit den Farben ließ mal kurz einen Gedanken an Tarantino aufkommen, mit dem das Buch aber sonst nicht einmal eine weit entfernte Vetternschaft hat - zum Glück. Martin Kay setzt dann doch lieber auf Drohnenattacken statt aufs Kopieren alter Filme. Diverse Wendungen, atemlose Hetzjagden, rasante Szenenfolgen, mano a mano-fights und wilde Shoot-outs sowie verzwickte und komplexe Zusammenhänge unter den Protagonisten zwingen den Leser fast, die Lektüre NICHT aus der Hand zu legen. Ein höllischer Adrenalin-Punsch, der die Herzschlagfrequenz in gefährliche Höhen treibt. So hat Martin Kay seinen - meiner Meinung nach - berechtigten Platz auf dem Olymp deutscher Actionautoren locker mit Kugeln und Raketen verteidigt. Und am Ende bleiben noch einige Fäden offen, die in einem schon angekündigten zweiten Buch wohl fortgeführt werden. 190 Seiten Hochgeschwindigkeitsaction. Und weil es aus deutschen Landen kommt, gibt es als Bonus noch den 10. von 10 Punkten.

Kommentare:

Michael Gierse hat gesagt…

Was zum Teufel sollen in der Rezension diese Gutmenschen-Sprüche?
Mit diesem queren Geschwurbsel ist der Text so einfach nur daneben und bekommt eine durchaus unangenehme Tendenz.

harry hat gesagt…

Für genau solche Schwaller gedacht.

Ich lass mir doch von so einem nicht vorschreiben, was ich schreibe oder denke. Sehr unangenehme Bevormundungstendez, Herr Gierse.

Waren sie vielleicht auch in Hamburg anwesend? Würde jedenfalls passen.

Michael Gierse hat gesagt…

Hey, sowas liebe ich.
Mist schreiben und keinen Gegenwind von denen aushalten, die man als "Gutmenschen" tituliert.
Hast Du dafür jetzt eine Woche überlegen müssen, um schlagfertig die Verbindung nach Hamburg zu ziehen? Großes Kino, "Harry".
Außerdem:
Ich habe Dir nicht vorgeschrieben, was Du zu schreiben oder zu denken hast. Ich habe das, was Du geschrieben hast, bewertet. Da musst Du wohl auch noch lernen, was "bloggen" bedeutet und was eine "Kommentarfunktion" ausmacht.

harry hat gesagt…

Immer schön ruhig bleiben.

harry hat gesagt…

Na, von den Kollegen eine auf die Fresse gekriegt, weil plötzlich so still? Würde zueuch passen, da ihr ja nie eine andere Meinug als euere gelten lasst, da muss dann mit Gewalt für Linientreue gesorgt werden.

Bewertet und gleich mit Denunzierung bedroht und das lasse ich mir von keinem aus irgendeiner Ecke bieten. Weder schwarzvermummt noch braunkapuziert. Daher rate ich zur Zurückhaltung geschätzter "Gierse". Das "gier" ist darin ja schon vorhanden - wohl nach Macht, Aufmerksamkeit und Geld?

Anderen die Meinung aufzwingen und sie manipulieren - nix großes Kino, eher C-Film der übelsten Art.

Und wie ich meine zeit einteile und wann auf welchen Quark antworte,ist grundsätzlich und nur MEINE Angelegenheit. Noch so ein Kommentar in dieser Richtung und es folgt die verdiente Antwort, die wirklich wohl verdiente.