Mittwoch, 22. Juni 2016

"Daylight`s End" Review

Ich habe mich mal wieder aufgerafft eine Kritik zu schreiben, musste aber feststellen das ich ziemlich eingerostet bin...
6 Jahre musste man sich gedulden bis das Gespann William Kaufman und Johnny Strong - nach dem starken „Sinners and Saints“ -  ihr nächstes Projekt veröffentlichen konnten. Obwohl zunächst eine direkte Fortsetzung zum Independent-Hit geplant war, gab es dann doch den Entschluss davor Daylight´s End umzusetzen.  Zwischendurch – auch um weiteres Geld für die Finanzierung aufzubringen -  arbeitete Kaufman immer wieder als Auftragsregisseur, lieferte aber auch da schon ordentliche Arbeit ab, so dass die Freude doch sehr hoch war dieses Projekt endlich zu Gesicht zu bekommen.  
Dabei muss direkt zugeben,  dass man hier kaum irgendwelche Innovationen zu erwarten hat. Der Plot erzählt die typische Geschichte eines relativ beliebigen Zombiefilms. Irgendetwas ist passiert was die Menschen in Blutrünstige Kreaturen verwandelt hat. Genaueres wird nicht erklärt.  Diese „Dinger“, wie sie meist im Film genannt werden, scheinen eine Mischung aus Vampire und Zombies zu sein. Denn sie übertragen den Virus und verlangen nach dem Fleisch ihrer Opfer. Aber sie können sich nur in der Nacht frei bewegen, da sie durch das Sonnenlicht vernichtet werden - was den Menschen tagsüber die Möglichkeit gibt,  sich von den permanenten Angriffen zu erholen.   In dieser Welt verfolgen wir den Weg des Einzelgängers Rourke, der Jagd auf die Monster macht um Rache zu üben. Dabei trifft er auf eine Gruppe Menschen und schließt sich ihnen kurzfristig an, was nicht unbedingt gut für die Gruppe ausfällt.
Das Drehbuch ist dann auch gleich das größte Problem, welches man den Film anlasten kann. Einige Ideen wie der Angriff auf die Verseuchten in ihrem Hauptquartier wirken ziemlich bescheuert,  die Suche nach neuen Autos oder die Flucht zu einem angeblichen Camp mit Überlebenden sprühen nicht gerade vor Originalität und etliche Dialoge sind platt und verlaufen oftmals ins Leere( Ob das an der Synchro liegt kann ich nicht sagen, da ich den Film nur in Deutsch gesehen habe. Aber immerhin ist diese besser als bei „Sinners and Saints“, aber natürlich niemals so gut wie im Original.).
Drehbuchautor Chad Law hat sich dabei nicht gerade mit Ruhm bekleckert und wenn man solche Dinge nicht abschalten kann, wird einem der Film sicherlich nicht ganz so munden. Immerhin bleibt der Film seiner Linie treu, zieht mit hohem Tempo sein Ding durch und verzettelt sich nicht in nervige Erzählstränge, wie es oftmals B-Filme in den letzten Jahren tun. Auch das schmale Budget, welches dazu führt das einige Explosionen ziemlich billig wirken ( zum Glück wird aber vermieden zu lange mit der Kamera draufzuhalten, da waren den Machern ihre Schwächen bewusst was man ihnen eindeutig positiv anrechnen kann), schmecken nicht ganz so wie man es sich erhofft hat.
Zum Glück kann ich solche kleine Mängel beiseiteschieben, wenn denn der Rest passt und das tut es dann zum Glück. Bei der so wichtigen Endzeitatmosphäre punktet der Film dann erheblich. Die wenigen Orte an dem der Film spielt, wirken realistisch und schön heruntergekommen. Gerade in den ersten 20 Minuten – die mir am besten gefallen haben – kommt eine tolle Mad Max Stimmung auf und gerne hätte ich auf die Vampir-Zombies verzichtet und einen reinrassigen Actioner weiterverfolgt. Denn Johnny Strong ist der optimale Typ für den einsamen, schweigsamen Helden wie man sie heutzutage nur noch selten serviert bekommt. Da aber heutzutage Zombies eher ziehen als normale Actionfilme, darf er nach einigen Menschen nur noch gegen diese schnellen und brutalen Kreaturen antreten. Dabei kommt die Action niemals zu kurz und man darf wieder etliche Ballereien verfolgen, die William Kaufman mit gewohnt sicherer Hand und militärisch realistischen Bewegungen inszeniert.  Dabei fehlt mir zwar die kinetische Action gegeneinander, denn letztlich werden die „Dinger“ meist aus der Entfernung abgeknallt (da diese leider  nicht mit Waffen hantieren) und so ähnelt sich die Action etwas. Doch es geht immer schnell und knackig zur Sache. Dabei gefallen natürlich wieder die diversen eingesetzten Schusswaffen, wie auch der Sound der selbigen.
In einer US-Kritik wurde das Finale des Filmes mit „Aliens“ verglichen und ich verstehe was er gemeint hat: Denn die hektischen und wilden Schießereien erinnern auf engen Raum schon daran, kommen aber natürlich niemals an dessen Dramatik heran. Was auch an den Figuren liegt. Johnny Strong als Rourke ist klar der Mann des Streifens. Ein paar Nebenfiguren wie Louis Mandylor oder Ed Spila bekommen etwas Profil ab, wobei gerade Mandylor eine durchaus gute Figur macht. Lance Henriksen wird nicht wie sonst total verschenkt, sondern grummelt sich als ehemaliger und misstrauischer  Polizist durch den Plot und hat dadurch auch mehr zu tun als sonst. Am meisten Platz bekommt noch Chelsea Edmundson, doch da zum Glück für eine Beziehung keine Zeit ist, bleibt der Film eine One-Man-Show. Strong überzeugt als knallharter, Muskelbepackter Einzelgänger. Er ist ein richtiger Kerl wie man ihn in einen Actionfilm erwartet. Genau das, was so ein Film braucht und was Johnny Strong  auch schon in „Sinners and Saints“ beeindruckend dargestellt hat. Ein Archetyp der im Blockbuster-Sumpf Hollywoods kaum noch zu finden ist.  Schon deswegen muss man den Film eine Chance geben. Leider wird versäumt ihm und seinen Hauptgegner einen vernünftigen Endfight zu spendieren. Da hatte ich mehr erwartet.
Neben der - wie erhofft - guten Action wird das nur mäßige Drehbuch zum Glück noch von der knackigen Optik  - die den Film wertiger und teurer aussehen lässt -, den guten Soundeffekten (die im Trailer etwas billig wirkenden Töne und die Optik wurden natürlich überarbeitet) und dem treibenden Score ( von Strong wieder selbst komponiert, wie auch der Song im Abspann) übertrumpft.
 
An „Sinners and Saints“ kommt „Daylight`s End“ leider nicht ganz heran. Dafür hat man inzwischen zu viele Infizierten-Filme gesehen und das Drehbuch schafft es nicht den Flair zu entwickeln, den der gemeinsame Vorgänger von Strong/Kaufman (der nun auch nicht vor Originalität überbordete und dennoch ganz anders wirkte) ausstrahlte oder wirkliche Überraschungen zu präsentieren.  Die Beschränkungen,  die eine reine Independent-Produktion mit sich bringt wie mäßige CGI oder limitierte Locations, schafft der Film dennoch mit krachender Action und einen coolen Helden zu umschiffen, so das am Ende immer noch ein gut aussehender Action/Horror Hybrid steht. Schmecken sollte diese zweite Zusammenarbeit von Kaufman/Strong also und könnte sogar Platz für eine Fortsetzung bieten. Jetzt aber bitte erst einmal „Sinners and Saints 2“, aber mit echten Explosionen und vielen richtigen Blood-Squibs! 
8/10

Vielen Dank an Euro Video für die Bereitstellung des Screeners.

Kommentare:

Michael hat gesagt…

Uh uh uh! Ist der schon draußen?

Shane Schofield hat gesagt…

Nein, kommt aber am 11 August von Euro Video auf BD/DVD heraus.

Hilde Baumgartner hat gesagt…

Hört sich cool an. Aber für die Finanzierung hätte Kaufmann lieber Crowdinvesting wählen sollen :D

Anonym hat gesagt…

Schön wieder eine Kritik von dir zu lesen!

Bin schon sehr gespannt auf den Film. Gut zu lesen, dass die Synchro gut gelungen ist. Die von Sinners war wirklich schrecklich. Und noch schlimmer war, dass die BD glaube ich nicht einmal UTs drauf hatte.

LG
Doc Holliday