Sonntag, 9. Februar 2014

Buchreview "Schänderblut" W.J.White

Wrath James White. Vor 15 Jahren wurde Joseph Miles von einem Kinderschänder entführt, im Keller eingesperrt und tagelang brutal gefoltert. Er ist das einzige Opfer des wahnsinnigen Mörders, das die Torturen überlebt  hat. Nun verspürt Joseph ein brennendes Verlangen, einen irren Drang nach Blut und Gewalt. Er verwandelt sich langsam selbst in ein Monster mit Appetit auf Menschenfleisch. Und es fällt ihm schwerer und schwerer, dieser Mordlust zu widerstehen. Verzweifelt sucht Joseph nach einer Heilung - bevor er die einzige Frau, die er jemals geliebt hat, töten wird. Und macht Jagd auf den Mann, der sein Leben ruinierte.

Im Alter von 10 Jahren wird Joey (Joe, Joseph) von dem 17-jährigen Schulabbrecher Damon, ein fettes, kleines Nichts mit einem Billigjob, von der Straße weg entführt. Der Typ lässt ihm Blut ab, das er dann trinkt, schneidet ihm Fleisch aus dem Körper, um es zu verschlingen. Als Joey an keine Rettung mehr glaubt, lässt ihn sein Peiniger im Park frei (Glück für Joey, da er das erste Opfer war und die folgenden ihr Kidnapping nicht überlebten. Pech für seinen Freund Mikey, da der irgendwann die beiden abgerichteten Hunde auf ihn hetzt, die Joeys Eltern zu dessen Schutz anschafften und die Mikey dann zerfleischten.) 15 Jahre später studiert Joey weit weg von sienem Zuhause Seattle in Kalifornien, hat mit seiner Familie gebrochen und ist selbst zu einem Ebenbild des Comichelden Superman herangewachsen. Doch er fühlt auch immer mehr, dass er abnorme Gelüste in sich hat. Er treibt sich im Internet auf Kannibalenseiten rum, rubbelt sich ob den Angeboten einen ab, besucht Swingerclubs, die die etwas anderen Interessen bedienen, wo es derb und brutal zugeht, Vorhäute abkauen zum täglichen Mahl gehört. Doch auch das genügt ihm nicht mehr. Er will Fleisch, Menschenfleisch. Sein erstes Opfer wird die Bibliothekarin, die er in Gegenwart seiner Liebe Alicia, die er gefesselt in einer angemieteten Wohnung festhält, teilweise verspeist, um damit dem Drang zuvorzukommen, sich an Alicia zu laben. Er brennt die Wohnung nieder und flüchtet mit ihr. Er vermutet hinter seinem Drang einen Virus, den man heilen kann, indem man den Verursacher tötet. Also macht er sich auf die Suche nach Damon, der ihn vor Jahren gequält und gebissen hatte. Während er unterwegs zu seinem ehemaligen Folterer ist, macht er in einem Park halt, um sich Frank, den er in dem Kanniblenforum kennengelernt hat und der sich ihm anschloß, um von Joe verspeist zu werden, weil ihn das anmacht, dann gemüßlich bei lebendigem Leib am Spieß zu braten und zu futtern. Indes ist auch die Polizei auf den wirren Studenten aufmerksam geworden und jagt ebenso hinter ihm her wie zwei Professoren, die sich einbilden, den Nobelpreis zu erhaschen, wenn sie den Serienkiller mit ihren Theorien heilen könnten. Doch Joes Drang wird immer stärker und es bricht voller Blut und Gewalt aus ihm hervor, als er seinen alten Feind in eine Klapse trifft, wo der wegen Unzurechnungsfähigkeit seinen Lebensabend ohne Menschenfleisch genießen kann.

Wo Festa draufsteht ist auch Festa drin und wer von Wrath James White schon "Sein Schmerz"
gelesen hat, kann erahnen, dass auch in der "normalen" Horrorreihe des Verlages einiges auf ihn zukommt. Blut, Gewalt und Sex werden zwar nicht zelebriert, aber schonungslos und stellenweise widerlich dargestellt. Es ist aber auch eine Geschichte von Sucht, Hoffnung und Verzweiflung wenn Joe nach einer Lösung sucht, um sich von seinem Drang zu befreien. Wobei nicht immer klar ist, ob er das auch wirklich will oder es nur als Rechtfertigung für seine Taten sieht. "Schänderblut" ist eine harte Lektüre, die einen Konflikt aufgreift und um diesen herum einiges an widerlichen Akten in punkto Brutalität und Sex ausbreitet. Eine gewisse Spannung kann man dem Buch auch nicht absprechen - die tritt aber erst ab Teil Zwei des Buches langsam in den Vordergrund. Der Leser kann nicht erahnen, wie es mit dem Ergebnis hinsichtlich Sucht und Verursacher wirklich aussehen wird, ob es überhaupt eine halbwegs logische Erklärung geben kann. Was die Figuren betrifft, sind gerade die Polizisten und die Professoren eher Witzabziehbilder denn ausgefeilte Charaktere. Höchstens Joe mit seiner Suche und der auftretenden Verzweiflung bekommt etwas Tiefe, verliert aber gegen Ende auch einiges an Glaubwürdigkeit. Hohes Gewaltniveau trifft auf einigermaßen brauchbare Story. Wer ähnlich gelagerte Werke wie z. B. von Edward Lee oder gar John Aysa zu schätzen weiß, kann hier nichts falsch machen. Wer aber bei "Sein Schmerz" oder "Das Schwein" Abstriche gemacht oder selbst Schmerz oder Übelkeit empfunden hat und derartige Kost nicht sonderlich mag, sollte die Finger davon lassen. Aber der Festa-Verlag hat ja auch Autoren wie Brian Keene usw. im Angebot, das Programm ist schon etwas weiter gefächert als vielfach propagiert.

Kommentare:

Mira Bluhm hat gesagt…

Das hört sich super interessant an, danke für die Rezi :)

Harry hat gesagt…

Falls dieses dann gefällt, durchaus auch mal einen Blick auf "Sein Schmerz" riskieren. Gibt es entweder als ebook oder in Papierform nur direkt vom Verlag, da zu der Extrem-Reihe gehörend.

Mira Bluhm hat gesagt…

Uhhhh... Eine Extremreihe... :D

Danke für den Tipp, dann zieh ich doch lieber "Sein Schmerz" vor. Seit ich "Evil" von Jack Ketchum gelesen habe, kann ich gar nicht genug von diesen extraschlimmen Büchern kriegen :)

Harry hat gesagt…

"Schänderblut" selbst wäre für jeden anderen Verlag (ausgenommen vielleicht -mkrug, denn wer John Aysas "Prinzessin" gelesen hat, weiß, dass auch dort äußerst extreme Literatur ihren Platz findet) schon zu extrem.

Die Bücher der Extrem-Reihe kommen so alle 2 Monate und da ich die Reihe abonniert habe, auch einigermaßen regelmäßig die Rezis dazu. Als nächstes kommt gegen Monatsende "Buk undJimmy reisen gen Westen" raus.

Gruß
Harry