Donnerstag, 8. Mai 2014

Buchreview "Paranoia 2 - Die Rache" T. Shane

Trevor Shane. Maria ist eine junge Frau, aber schon jetzt liegt ihr Leben in trümmern. Ihre große Liebe Joe wurde erschossen, und ihr nicht einmal einjähriger Sohn Christopher fiel einer grausamen Entführung zum Opfer. Sie ist verzweifelt, denn nicht einmal die Polizei scheint ihr helfen zu wollen: angeblich kam Joe durch einen Unfall ums Leben, und ihr Sohn hat nie existiert. Erst als sie Joes Tagebuch entdeckt, bekommt sie eine Ahnung davon, in welche Falle sie geraten ist. Und Maria wird schnell klar: Wenn sie ihren Sohn wiedersehen will, dann wird sie sich in einen erbitterten Kampf gegen übermächtige Feinde begeben müssen. Aber Maria ist bereit, alles zu tun, um Christopher wieder in ihre Arme schließen zu können, und wenn sie dafür töten muss.  

Unbemerkt von der Öffentichkeit tobt eine gewalttätiger Krieg zwischen zwei Parteien, die man nur als die Einen und die Anderen kennt. Es gibt feste Regeln. Zu denen gehört, dass keine Unschuldigen und Unbeteiligten in die Sache hineingezogen werden und auch nichts über die Aktivitäten der beiden Gruppierungen wissen dürfen. Ehe und Kinder sind verboten, unter 18-jährige sind tabu, Aussteigen selbstverständlich auch. Doch Joe hält sich nicht daran und heiratet die junge Maria, die mit siebzehn Jahren ihren Sohn Christopher zur Welt bringt. Die Strafe folgt prompt: Joe wird getötet, den kleinen Christopher nehmen sie mit. Doch Maria gibt nicht klein bei. Sie meldet den Vorfall den Behörden, doch die unternehmen nada, niente, rien, nichts. Im Gegenteil: Von den Polizisten vor Ort bekommt sie noch den Rat, sich nicht weiter um die Angelegenheit zu kümmern. Die beiden verfeindeten Parteien haben ihre Leute überall. Doch aufgeben will Maria nicht. Sie reist nach St. Martin, wo sie Michael weiß. Der ist auf eigenes Risiko ausgestiegen und wird nun von den Schergen der eigenen Truppe gejagt. Die andere würde ihn eh umlegen. Sie findet ihn und kann sich gemeinsam mit ihm gerade noch zwei Killern erwehren. Er willigt unter Bedingungen ein: Sie soll auf seine Ratschläge und Befehle hören und mit ihren nun achtzehn Jahren trainieren, um ihre Gegner auch ohne Waffen töten zu können. Michael hat den Plan, sich bei der Truppe, von der er desertiert ist, wieder zurückzumelden und alle Tests, die seine Loyalität beweisen sollen, wieder über sich ergehen zu lassen, um Informationen zu sammeln, wo Christopher versteckt sein könnte. So können die beiden Verbündeten eine Spur zu Christopher finden. Man hat ihn bei einem Paar der anderen Seite abgeliefert. Die ultimative Strafe. In den Organisationen der beiden Feindeslager gibt es die Kämpfer und die Verzehnten, die vom Lohn ihrer Arbeit einen Prozentsatz an die Organisation abdrücken müssen und dafür nicht zur Kampftruppe gehören. Bei so einer Familie ist Marias Sohn untergebracht. Bei einem Einbruch ins Logistikzentrum, bei dem es etliche Tote gibt, erfährt Maria die Adresse und holt ihren Sohn zurück. Doch sie muss erkennen, dass er bei ihr nicht sicher ist. Bis dies der Fall ist, lässt sie den Jungen bei einem befreundeten Pärchen.

Wie schon in Buch eins "Paranoia - Der Hinterhalt" lässt Trevor Shane den Leser über die Ziele, Gründe und Motive der beiden Killertruppen im Unklaren. Beide halten sich für die Guten, beide wollen Zivilisten nicht in die Killerorgie miteinbeziehen. Das war es an Info. Hält den Leser zwar bei Laune und weckt Interesse, wie denn nun was zusammenhängt und warum überhaupt, doch nach zwei Büchern (von dreien) könnte wenigstens mit einigen Andeutungen gearbeitet werden. Stilistisch ist Trevor Shane kein großer Literat. Schlicht, simpel und recht schnell treibt er die Story voran, die ihre Figuren mit einer eher oberflächlichen Charakterzeichnung versieht. Einzig Marias Verzweiflung wegen ihrem Sohn scheint durch. Wie die Geschichte von Joe wird auch die von Maria in der Ich-Form erzählt und als Tagebucheinträge für den Sohn begründet. Und um den endgültigen Kampf zwischen Gut und Böse zu verdeutlichen, dem die beiden Parteien, die man bisher kennenlernte, nicht angehrten, da wohl beide nach bisheriger Kenntnis nicht zu den guten gehören, lässt Trevor Shane in eingeschobenen Ausblicken Richtung Zukunft noch die Rebellen und den Untergrund, die beide das sinnlose Töten beenden wollen, in den Kampf eingreifen. Und gerade beim sinnlosen Töten zeigt das Buch auch einige Härten und eine gewisse Kälte auf, die man eigentlich ob der hehren Ziele der Protagonisten nicht erwartet hatte. Doch es zeigt sich, dass die Ausbildung Wirkung zeigt. Wer nicht spurt, wird erledigt. Und manchmal auch derjenige, der schlicht zuviel weiß oder zuviel gesehen hat. Gehört er der Gegenseite an, ist er Freiwild. Auch Maria macht eine Wandlung durch und für ihren Sohn tut sie alles - auch töten. Die "Paranoia"- Reihe (Buch drei wird im nächsten Jahr folgen) ist jetzt nicht gerade das Innovativste Werk auf dem umkämpften Buchmarkt, weiß aber zu unterhalten und wenn man sich ein bisschen auf die Religion beschränkt, könnte dies auch als Gleichnis zu werten sein. Neuer Ansatz, Tempo, kleinere Härten, Action und leicht konsumierbarer Schreibstil mit noch einigen nicht erklärten Elementen machen die Bücher von Trevor Shane interessant und spannend, ohne jetzt als die großen Renner oder Reißer daherzukommen. Recht ordentlich und ganz gut, aber absolut keine Pflichtlektüre.

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