Sonntag, 19. Oktober 2014

Buchreview "Rag Men" R. Alexander

Rocky Alexander. Sie nennen es das Qilu-Virus. Es kam aus dem Osten, von irgendwo entlang des Gelben Flusses in China. Es fegte innerhalb weniger Wochen über die ganze Welt und verwandelte normale Menschen in wilde Verrückte. Es gibt nichts, was es stoppen kann. Der ehemalige Boxer Colin Ross ist entschlossen, aus der kleinen Stadt Wenatchee zu fliehen, bevor sie durch das Virus überrannt wird.Dabei muss er überforderte und schiesswütige Polizisten, Horden von Infizierten und den brutalen Wintereinbruch überleben. Im verseuchten Seattle hinterlässt ein Mann namens Rooster einen Pfad sadistischer Gewalt und Mord auf dem Rachefeldzug gegen einen Feind, der noch gefährlicher als das Virus zu sein scheint.

Colin sitzt auf seinem Bett und will sich die Rübe wegblasen, doch bald kommen ihm Bedenken. Was, wenn er nicht richtig trifft? Liegt er dann völlig verblödet und kaum bewegungsfähig rum und wartet auf die Seuche oder wird das Virus besiegt und er muss sein Dasein als Pflegefall fristen, der sich nicht mal den Arsch abwischen kann? Nein, so will er nicht enden. Auch wenn er den Tod seiner Frau noch so sehr betrauert und ohne sie anscheinend nicht leben kann - die Alternative ist schlimmer. Also macht der Boxlehrer sich auf den Weg zu seinem Studio, um die restlichen Vorräte zu holen, die er dort gebunkert hatte. Kaum dort angekommen, schneit auch einer der Schüler, Andre, genannt Dre, herein. Völlig überzogen mit dem frischen Schnee, der draußen die Situation noch verschlimmert. Ross will sich nach Norden aufmachen, wo er einen Unterschlupf kennt und nach einigen mehr oder wenigen Disputen nimmt er Dre mit, fordert von dem aber, dass auch er seinen Teil beitragen muss. Und bald müssen sie sehen, dass die Angelegenheit nicht so einfach ist. Man kann keinem trauen, jeder kann infiziert sein, die Seuche und Mordgier vor dem Ausbruch stehen. Gegenseitige Hilfe gibt es kaum noch und so sind die zwei bald dazu gezwungen, von ihrem Rechtsempfinden Abstand zu nehmen und sich Transportmittel zu klauen. Während sie also im Freien ums Überleben kämpfen hat sich in Seattle ein gerade aus dem Bau entlassener Sträfling bei ehemaligen Kollegen eingenistet. Doch was zu Beginn wie eine fröhliche Feier startet, entpuppt sich durch den Ex-sträfling Rooster bald zu einem Gemetzel. Ohne Skrupel legt er alle seine Freunde um, nachdem er von einem erfahren hat, was er wissen will. Und auf dem Weg zu diesem Ziel hinterlässt er eine Blutspur, weil er jeden umnietet, der ihm begegnet - und zwar nicht nur Infzierte. Diese Wüteriche sind nur nettes Rahmenprogramm. Bald erreicht er eine Kirche und sucht einen Pfarrer namens Gene. Seine Befragung der Kirchenbediensteten oder der Kirchgänger ist für diese schlimmer, als wären sie dem Virus anheim gefallen. Rooter kennt keine Rücksicht, Leben bedeutet ihm nichts. Wer weiß, ob ihn nur die harte Zeit im Knast dazu gemacht. Bald findet er Pfarrer Gene und nachdem der sich erst vehement geweigert hatte, greift Rooster ihn und schleppt ihn gefesselt mit zu seinem unbekannten Ziel.

"Rag Men" ist ein Buch, das von den Gegensätzen der beiden Hauptfiguren und der ständigen Virusbedrohung im Hintergrund lebt. Ein Kampf Gut gegen Böse scheint hier oberflächlich das Geschehen zu beherrschen, aber je weiter man mit der Geschichte vordringt, bekommt das Buch eine unerwartete Tiefe, weil man erkennt, dass nicht jeder Mensch von Natur aus Böse ist. Viele werden durch die Umstände - die Nichts mit dem Virus zu tun haben - erst dazu gemacht. Wir reden hier von Kindesmisshandlung, Gewalt in der Ehe bzw. Beziehung und Alkoholmissbrauch sowie Mord. Ross ist jemand, der sich seinen Glauben ans Leben und das gute im Menschen bewahrt hatte, aber nach einem Schicksalsschlag nicht mehr weiterleben will in diesem Sumpf der Gewalt und des weltweiten sinnlosen Sterbens durch den neuen Virus, den keiner in den Griff bekommt. Natürlich behaupten die Behörden immer noch, alles im Griff zu haben, obwohl sie Infizierte vergasen, ganze Städte abschotten und isolieren (Klingt alles wie heute bei Ebola, wenn einer gebetsmühlenartig runterrattert in Deutshland kann nix passieren, wir sind ja so gut geschützt). Doch statt sich seinem Schicksal zu ergeben, findet Ross wieder einen Sinn im Leben - einen jungen, eher schwächlichen Schwarzen ohne großen Plan. Den will er retten. Rooster ist das genaue Gegenteil. Er ist auf tödliche Rache aus und mordet schon aus reinem Vergnügen. Dennoch haben beide Protagonisten ein Ziel. Und bald treffen sie dort aufeinander. Der Virus und die dadurch ausgelöste Pandemie spielen im Grunde nur den Aufhänger für eine Geschichte, die ihre Emotionen, die sich aus Vergangenem und einem unschönen Leben ergeben, ihre Energie beziehen. Unterbrochen von einzelnen Attacken der tollwütigen Beisser zieht es beide Protagonisten an den gleichen Ort, wo sich das Schicksal mehrerer Personen entscheiden soll. "Rag Men" ist kein obeflächlicher Zombiekracher, auch wenn er es an flotten Szenen nicht mangeln lässt und ordentlich Action bietet. Der Ton ist rau und dennoch menschelt es in allen Ecken, auch wenn es jetzt nicht das tränentriefende Drama aus deutschen Schicksalsromanen ist. Hinter all der reißerisch-gelungenen Action lauert neben dem Virus auch mehr als nur ein Funke Verständnis - für beide Protagonisten. Und der junge Dre - dem drückt man ständig die Daumen, da er allein in dieser neuen, bösen Welt völlig lebensunfähig wäre. Hab ich mich bei "Jet" oder "Mega" noch vor Freunde überschlagen, ist "Rag Men" etwas darunter einzustufen. Action, keine Spur Langeweile und TROTZ dieser gefühlsbeladenen Momente keine Sekunde im Lesefluss gehemmt. Ein gutes Buch in jedem Fall mit einer knappen 8 von 10 also durchaus eine Empfehlung. 

Nachdem ich den Papst für fleischliche Kost ja schon öfter gewürdigt, nun ein weiterer Verlag, der etwas mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Der Luzifer-Verlag hat sich aus einem ursprünglichen Hobby mittlerweile zu einem ernstzunehmenden Projekt auf dem Literatursektor entwickelt, der nicht die Masse bedient, die ja eigentlich der immensen Werbung und dann aufgrund der sogenannten Bestenlisten wiederum sich selbst folgt. Hier gilt im Massenverkauf auch: Der Kunde weiß nicht, was er will, er will, was er kennt. Also wird er mit Werbung und Informationen zu den preislich teuersten, aber inhaltlich oder vom Anspruch her einem intelligenzlimboähnlichen Literatursegment der Großverlage am Gängelband geführt, wie ein oller doofer Esel zur Schlachtbank. Und selbstverständlich werden auch viele der Werke, die bei Luzifer erscheinen, von den eben erwähnten Großverlagen ignoriert. So gehört der Luzifer-Verlag zu der Gruppe Anbieter, die den geneigten Kunden von denen es viele gibt, mit Kost versorgen, die er sonst vergeblich sucht. Wer wagt es schon, einen reinen Spaßroman wie "Mega" von Jake Bible zu veröffentlichen - und das nicht ohne eine gewisse Erfolgsgeschichte. Von der Sorte gibt es wie z. B. "Jet" noch mehr. Auch dieser "Rag Men" schlägt etliche Massenware um Längen (Hier meine ich die läppischen Taschenbücher zu "The walking dead", die sind sowas von fad.) Und dann kann auch dieser Verlag es sich leisten, ein Abonnement anzubieten, das seinesgleichen sucht: Das Abo ist keine Grundlage für eine Pflichtabnahme. Der Kunde, der sich für das Abo angemeldet hat, bekommt einige Wochen vor Auslieferung eine Mail zugesandt, anhand der er sich in Ruhe überlegen kann, ob er das Buch denn will. Falls nicht, setzt er eben mal kurz aus, ohne dass er das Abo erst kündigen und später wieder aufleben lassen muss. Also völlig ohne Umstände. Und wer sich für das Abo entscheidet, bekommt die Bücher zu einem Vorzugspreis (derzeit 9,95 Euro).
Also ich hab es gemacht, sonst würd ich nicht so hier vor mich hinblubbern. Aber nicht nur Steffen Janssen widmet sein Herzblut den Wünschen der Kunden und dem Ziel, richtig feine actionreiche Spaßbücher auf den Markt zu bringen, denn auch mit seinem Cover-Illustrator Michael Schubert hat er jemanden an der Hand (Oder vielleicht auch "in der Hand?", hehe), der Titelbilder zustande bringt, wegen denen allein ich schon bei diversen Werken zugegriffen hätte. Und er muss ja auch passende Bilder zu Romanen von Jake Bible, Tim Curran, Greg F. Gifune oder anderen so aussehen lassen, dass der Kunde aufmerksam wird. Gelingt, der Herr. Und um mal einen Spruch zu nehmen und zu zitieren, den mir Herr Janssen auf ne blöde Frage meinerseits unter die Nase rieb: Zitat - Meine Bücher sind gehobene Fachliteratur für den Fall was wäre, wenn...Zitat Ende. Die hatte ich mir ob der gestellten Frage echt verdient. Insgesamt ist auch der Luzifer-Verlag einer, dem ich Treue schwöre und den ich auch völlig bedenkenlos an die illustre Bande um Scarcrows Area und den treuen Lesern als Einkaufshort für gute Endzeitliteratur und Action mit Viecherhorror empfehlen kann.

Dieses Review wurde musikalisch unterstützt von Social distortion und "Hard times an nursery rhymes". Full Album:

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich danke für die Blumen ... lese aber auch ohne die Lubhudelei seit einigen Jahren fleissig diesen Blog. So manche Perle wäre ohne diese Seite spurlos an mir vorüber gegangen.
Und für die Zukunft gebe ich mir weiterhin Mühe ... ;-)

Shane Schofield hat gesagt…

Das hört man doch gerne!

Harry hat gesagt…

Naja, ich zumindest habs gelesen. Aber vielleicht hast du dir ja vorlesen lassen?

Gruß
Harry