Sonntag, 21. Dezember 2014

Buchreview "Die Horde"

Stephen A. North. Nick Talaski ist ein frustrierter, knallharter Cop. Dass in seinem Provinzkaff auf einmal Tote auferstehen und mordend durch die Gegend ziehen, macht seinen Job nicht unbedingt einfacher. Auch von der überforderten Regierung hat er keine Hilfe zu erwarten - und dummerweise halten sich die Zombies nicht an die Spielregeln, wie man sie aus Filmen und Büchern kennt.

Nach einem feurigen Prolog wechselt die Perspektive zum Beginn einer höllischen Nacht. Da muss der Polizist Talaski mit seinem Partner Keller, der eher eine Art freiwilliger ist, denn noch ein richtiger Cop, da er schon vor Jahren in den Ruhestand ging, zu einem Fall häuslicher Gewalt ausrücken. Zu dem Tatort kommen weitere Bullen wie Dodd und Williams sowie einige gewalttätige Protestler und Weißenhasser wie Janicea und auch die beiden Typen Bronte und Trask, die sich aber bis dato unerfindlichen Gründen hinter dem Haus verstecken. Im Haus geht anscheinend der Punk ab. Geschrei, Gebelle durch die Hunde und die Polizisten entscheiden reinzugehen. Doch dann kommt der Herr des Hauses durch die Tür gestürzt, rempelt Dodd beiseite, der dann wie gelähmt stehenbleibt und einfach nichts tun kann. Da nimmt ihm Keller die Puste ab und legt den Angreifer um. Zusammen mit Talaski geht er in die Wohnung und findet dort die Frau am Boden kniend. Als sie näher herantreten, können sie erkennen, dass die Schnepfe gerade einen ihrer Köter schmatzend vertilgt. Da gibt es nur Feuer frei. Was sie nicht wissen, ist, dass im Haus noch der Sohn der beiden mittlerweile Toten ist - Daric. Der hat selbstverständlich Angst und haut aus dem rückwärtigen Fenster ab, wo er dann Bronte und Trask in den Weg läuft. Immer mehr Meldungen über Aufstände und Gewalttaten gehen ein, immer wieder werden sie zu Tatorten gerufen, doch die Stadt geht langsam vor die Hunde und jeder sucht seinen eigenen Weg aus dieser Hölle heraus. Talaski und Keller hingegen werden zu Chauffeuren für den Polizeichef, den Bürgermeister und deren reiche Getreuen degradiert und sollen die Typen zu einem Grundstück in der feudalen Gegend von St.Petersburg kutschieren, wo einer eine Yacht vor Anker hat, mit der sie flüchten könnten. Doch ein Konkurrent hat mit einer Meute von Anhängern die Zufahrt verbarrikadiert. Damit haben die Flüchtenden Honoratioren aber gerechnet und einige Soldaten plus einem Humvee mit M-60-Maschinengewehr in ihrem Konvoi. Und der Schütze macht kurzen Prozess mit dem Hindernis. Unterdessen müssen sich auch die Tänzerin Trish, der Feuerwehrmann Mills, der Taxifahrer Graham und auch der feige Bulle Dodd ihren Weg durch das von lebenden Toten überzogene Stadtgebiet suchen. Weitere Überlebende sind im Polizeirevier eingeschlossen, andere versuchen aus dem Chaos ihren Profit zu ziehen.

Zack, zack, zack. Fast schon stakkatoartig hämmert der Autor Stephen A. North dem Leser die kurzen, mit den jeweiligen Namen der handelnden Figuren überschriebenen Kapitel um die Ohren. Es ist schon fadt unvermeidlich, dass bei den manchmal nur eine Seite langen Kapiteln sich Cliffhanger an Cliffhanger reiht und dass man als Leser aus purer Neugier und Spannung einfach weiterlesen muss.
Zack ,zack, zack. In einer fast unheimlichen Verwandlung lernen die Städter, wie man sich seiner Haut erwehrt, wie man ohne Reue tötet. Sei es nun ein atemloser Stinker oder ein noch nicht verwandelter Gegner. Und Gegner ist bald jeder, der einem im Weg steht.
Das Tempo bleibt permanent hoch, es geht unheimlich konsequent zur Sache, ohne aber die Gewalt und die Brutalität bis ins letzte Fitzelchen zu präsentieren. Manche Szenarien sind recht bildhaft skizziert, wie z. B. der Ablauf im Leichenschauhaus, als die in ihren Fächern eingesperrten Toten plötzlich von innen gegen die Türen treten und niemand weiß., was da überhaupt abgeht. Da konnte ich mich einem Schmunzeln nicht erwehren. Die Charaktere bieten einen Querschnitt durch die geamte Welt der Spannungs-, Horror- oder Katastrophenliteratur. Da sind die Schwächlinge, die auf einmal über sich selbst hinauswachsen, die Feiglinge, die sich hinter anderen verstecken oder auch die miesen Ratten, die ihre überlegene Position dazu nutzen, das sinkende Schiff zu verlassen, während der Rest untergeht und jene, die versuchen aus der Situation ihren Vorteil zu ziehen, zu plündern und zu morden. Mit all diesen unterschiedlichen Menschen müssen sich die Protagonisten des Buches nach und nach auseinandersetzen. Besonders hervor sticht hier Talaski, der als typische Bulle mit langjähriger Erfahrung erscheint und den Eindruck macht, er käme direkt aus dem Buch/Film "Die Chorknaben". Schon so abgestumpft vom Dienst auf den Straßen und was er da zu sehen bekommt, dass er Dampf ablassen muss. Zumeist mit dämlichen Scherzen auf Kosten der Kollegen. Doch im Kampf ist er ein verlässlicher Partner. Und zu kämpfen gibt es genug. Ständig ist Action angesagt, ebenso wie es kein großes Vorgeplänkel gab, fehlen jetzt auch Wortgedrechsel oder ausführlich geschilderte Beziehungskisten. Stephen A. North konzentriert sich ausschließlich auf den Überlebenskampf der wenigen Überlebenden. Und für die tun sich auch noch diverse Rätsel auf: Was hat es it den schwarzen Kampfhubschraubern auf sich, die rücksichtslos in die Menge ballern? Von der Armee sind sie nicht. Und der Leser wartet aus unterschieldichen Gründen gebannt auf den zweiten Teil dieser "Dead Tide"-Trilogie aus dem Festa-Imprint DELTUS.DE, da die meisten Handlungsfäden offen gelassen wurden und längst nicht alle Protagonisten sich an einer Sammelstelle treffen und nur einige schon gemeinsam unterwegs sind. Und kurz vor dem Ende von Teil 1 kommt auch der Präsident zu Wort, fragt seinen Lieutenant, ob er auch die Codes dabei habe. Will er das Problem mit Atomwaffen lösen? Was wird aus den Bürgern? "Die Horde" ist ein rasanter Kracher im Zombiemilieu, der zwar auf überhartes Gematsche verzichtet, aber ansonsten ein mehr als würdiger Vertreter seiner Zunft ist, der solche schlafmittelgetränkten Sterbehilfen wie die "Walking Dead"-Romane von Kirkman und seinem Vertragsautor weit hinter sich lässt. "Die Horde" ist Horrorstoff mit Zombie-Massaker, der die Aufmerksamkeit der Leser, die reine Unterhaltung auf dem schier unsterblichen Gebiet der Unsterblichen wollen, verdient hat und für mich kein Fehleinkauf war, auch weil es schier atemlos vorangeht und es keine Pausen oder Längen gibt.  

1 Kommentar:

Fleischbrecher hat gesagt…

Das Buch war richtig übel!! Von Cliffhanger zu Cliffhanger kann doch wohl nicht die Rede sein? Da werden die Kapitel zu Miniaturen verkürzt und stoppen den Erzählfluss. Jede noch so unwichtige Figur wird über längere Distanzen vergessen und bekommt dann nach 100 Seiten nochmals die Möglichkeit auf seine Daseinsberechtigung. Ne, da kann keine Spannung aufkommen. Ebenso kommen die Zombies und der Beginn der Apokalypse kaum zum tragen. Da der Autor lieber Charakterstudien seiner Figuren betreibt, die dazu noch kaum Sympathiewerte schaffen. War für mich das Flop Buch des Jahres.