Mason Cross. Als bei einem Überfall auf einen Gefangenentransport der berüchtigte
„Chicago Sniper“ Caleb Wardell entkommen kann, herrscht beim FBI die
höchste Alarmstufe. Wardell, der nur zwei Wochen später hingerichtet
werden sollte, gilt als völlig unberechenbar und sucht sich seine Opfer
bevorzugt in großen Menschenmengen. Das FBI zieht den externen Berater
Carter Blake hinzu, der einst während eines Militäreinsatzes im Irak
eine äußerst verstörende Begegnung mit Wardell hatte. Wird es Carter
diesmal gelingen, den gemeingefährlichen Killer zu stoppen?
Caleb Wardell ist auf dem Weg zu seiner Hinrichtung. Mit ihm zusammen wird auch Clarence zu einer anderen Einrichtung verlegt. Doch schon bald muss der Wagen stoppen, da jemand Hilfe braucht, weil sein Wagen liegengeblieben ist. Die beiden Fahrer überlegen kurz, starten dann wieder den Motor und umkurven den liegengebliebenen Pechvogel als von der anderen Seite ein Schaufelbagger in die Seite des Transporters donnert und ihn sofort auf die Gegenspur schiebt. Dort warten Komplizen, die auch gleich die Wachen erledigen, bevor die nur zum Ziehen ihrer Waffen kommen. Bei der Gelegenheit kann sich auch Caleb befreien und nutzt die Chance: er schnappt sich einen der drei vermeintlichen Befreier, schlägt ihn nieder, nimmt dessen Waffe und legt die anderen um, bevor er endgültig kurzen Prozess mit dem macht, den er umgehauen hat. Bleibt sein Mitfahrer. Den konnte er ob seines ständigen Gequatsches es nicht leiden, also schlägt er ihm die große Fresse mit dem Gewehrkolben zu Brei. Dass der Rest der Birne dabei auch flöten geht, schert Caleb ja nun gar nicht. Als er dann unter dem Sitz des Busfahrers auch noch eine Heckler & Koch findet, ist sein Tag gerettet. Tja, für den der Bullerei sieht es da dann schon mieser aus. Spezialisten aus dem eigenen Team zusammenstellen und einen Externen holen. Der ist Carter Blake, hat schon Erfahrung aus diversen Kriegen und auch Suchaktionen in Friedenszeiten. Man kennt ihn - und seine Methoden. Blake ist teuer und stellt zudem Ansprüche. Er lässt sich nicht in seine Arbeit pfuschen, fordert schon vorab, dass er für keinen seiner Gesetzesübertritte während der Suche nach dem Mann zur Verantwortung gezogen werden kann. Sein einziger Chef ist er selbst. Sein Beliebtheitsgrad, der zuvor schon nicht gerade überwältigend war, sinkt unter den IQ des durchschnittlichen Crack-Red Necks. Mit ihm in einem Team ist Elaine Banner, die ihm skeptisch gegenübersteht. Bald werden sie zu einem Tatort gerufen. Caleb hat einen Lieferanten getötet - und dafür zwei Schüsse benötigt. Das wird in fuchsen, daher ist mit weiteren Toten zu rechnen, da er sich selbst beweisen muss, dass er noch so gut wie früher ist. In der Zwischenzeit rätseln die Experten, welchen Weg der Verbrecher einschlagen wird. Rache an dem Mann, der ihn damals festgenommen hat oder an dem, der die ganze Angelegenheit mit einem Buch ausschlachtete? Vielleicht auch in sein altes Revier Chicago? Wenn es doch nur so einfach wäre. Der Kerl ist unberechenbar, schlägt immer wieder zu und hinterlässt eine Menge Leichen. Ja, selbst der erfahrene Jäger Blake muss feststellen, dass der Killer ihm immer wieder ein Schnippchen schlagen kann.
Eigentlich hat das Buch ja einen Start gehabt, wie man ihn aus vielen Büchern und Filmen kennt. Zum Tode Verurteilter haut ab, legt einige Wachen um und muss wieder eingefangen werden. Ein Protagonist wird herausgedeutet und der regelt dann alles zum Guten, wobei es kaum weitere Opfer gibt. Tja, hier läuft so manches etwas anders. Der Held der Story, der Jäger Blake, gehört zu der Sorte, die mal jemand als Oberlehrer bezeichnete. Nein, eigentlich setzt er noch einen drauf, er ist schon sowas wie ein Professor. Kann sich in die Täter hineinversetzen, ist besser als der gemeine Staatsdiener und sagt ihnen das auch oft genug. Sucht man einen eindeutigen Sympathieträger, ist er der Falsche. Da er rund die Hälfte des Buches aus seiner Perspektive erzählt, wirkt manches noch überheblicher. Ärgerlich war auch recht früh die Fehlerquote im Buch. Kommt doch einer sich vor wie in den "Indianer-Jones-Filmen". Hä? Dem schlossen sich noch weitere an wie eine Mrs. Brass, die dann zu Mrs. Bass wurde, bevor man sie wieder "rückbenannte", dann fehlten hier und da Buchstaben oder Satzzeichen. Ich muss gestehen, der Protagonist und die "Indianer-Jones"-Sache stimmten mich schon negativ - und das recht früh im Buch. Doch das änderte sich bald. Es lief nicht ab, wie in einem dieser 20.15 TV-Krimis oder 08/15-Buchthrillern, sondern der Killer, der nur bedingt durchgeknallt ist und einfach nur Freude am Töten hat, lässt die Vefolger alt aussehen, taucht immer wieder an Orten auf, wo man nicht mit ihm rechnet und schlägt überraschend zu. Und hier kommen auch einige Härten hinzu. Schädel platzen, Kinder werden ebenfalls ohne Gnade hingerichtet, Frauen erst recht - und immer fehlt ein Motiv. Er nimmt eine im Vorbeigehen gesehene Farbe oder eine gehörte Zahl und richtet danach seine Ziele aus. Aus Sicht des Caleb Wardell ein echter Sniper-Thriller. Damit nicht genug baut Mason Cross auch noch die eine oder andere Wendung ein, lässt dafür die Emotionen nicht gerade sprudeln und nur als Randerscheinungen auftreten. Ja, entgegen meinen Erwartungen dominieren die Action und der Blutregen bald die Geschichte. "Der Rushhour-Killer" (OT: The killing season") ist flott erzählt, wechselt die Perrspektiven, wenn Blake professoral-kopflastig die Ich-Variante nutzt, während der Rest in der dritten Person beobachtet wird. Ne kurze und eigentlich überflüssige Liebeszene, kleine Portion political correctness mit der alleinerziehenden FBI-Agentin und ein kleiner Seitenhieb Richtung Russland von wegen unterdrückter Meinungsfreiheit - ein Thema, zu dem sich die Amis und ihre Vasallen besser auch nicht äußern würden, da es unter einer anderen Bezeichnung, die man für allgemein vertretbar hält, eben diese Unterdrückung auch gibt - und das war es auch schon mit Abschweifungen vom eigentlichen Inhalt - der Jagd auf den Heckenschützen. Spannend, unterhaltsam und auch mit etwas Abwechslung gesegnet, wenn plötzlich die Spuren in eine andere als die vermutete Richtugn führen. Entgegen meiner anfänglichen Befürchtungen kein Fehlkauf, sondern ein richtig guter Actioner, außer dass mir die Hauptperson eben nicht wirklich ans Herz wachsen konnte. Februar 2016 ist der Termin für ein weiteres Buch um Carter Blake.

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