Donnerstag, 14. Juli 2016

Buchreview "Murphys Gesetz" D. McCallum

David McCallum. Er hat schon in einem Film mit Tom Cruise gespielt - nur nie in derselben Szene. Harry Murphys Karriere plätschert so vor sich hin und er wartet nun schon seit Jahren auf den Durchbruch. Dafür hat er nun Gelegenheit im wahren Leben den Helden zu spielen: Harry erfährt von einem Mordkomplott und entscheidet sich spontan, nach London zu reisen und das Opfer zu warnen. Kurz nach seiner Ankunft, muss er auch schon wieder zurück nach New York – begleitet von einem Koffer voller Geld und einer taffen Londoner Polizistin. Und als Teil eines Plans, den Drahtziehern des Mordes das Handwerk zu legen.

Harry ist mal wieder zwischen zwei Jobs, das Geld wird knapp. Also muss endlich ein Engagement her. Einen Roman als Hörbuch zu sprechen, wäre schon ganz in Ordnung. Doch vorher schlägt das Schicksal zu. Unterwegs in der City verspürt er plötzlich ein dringendes Bedürfnis und geht in eine Lokalität, um dort die Toilette zu nutzen. Pech gehabt. Zwei bullige Typen machen ihm klar, dass er sich verziehen soll. Tut er - und sucht sich ein anderes stilles Örtchen in einer Seitengasse. Leider direkt unter dem Fenster einer der Toiletten, die er soeben nicht betreten durfte. Bei der Gelegenheit hört er Pläne über ein Mordkomplott, das in London stattfinden soll. Was er nicht weiß, sind die Zusammenhänge. Ein Mafiaboss entschließt sich, seine Geschäfte zu legalisieren. Dazu müssen aber sämtliche Verbindungen zu diversen Geschäftspartnern gekappt werden. Einer davon, ein Colonel Villiers, hat seinen Hauptsitz in London. Nach einigem Hin und Her steht der Beschluss: Harry muss den Colonel warnen und so fliegt er nach London. Er trifft den Mann auch und sie können gemeinsam gerade noch so einem Attentat entgehen. Der gescheiterte Mörder wird verletzt und kommt in ein Krankenhaus, Harry und der Colonel können flüchten. Da wird Harry auch noch "Opfer" einer Verwechslung und so drückt ihm der Colonel einen Koffer mit einer Million Dollar in die Hand, die er nach Amerika bringen soll. Tut Harry auch. In der Zwischenzeit lässt Mafioso Max den verhinderten Killer in London durch einen zuverlässigen Gewährsmann entsorgen. Wenigstens das klappt. Was Harry indes nicht so ganz recht ist, ist die Tatsache, dass er von einer Polizistin begleitet wird. Aber auch das ändert sich bald und schon sind sie beste Freunde. Aber wie lange?

Nun hat man also den Erfolg der TV-Serie "Navy CIS" dazu genutzt, den Roman von David McCallum auch unters deutsche Leservolk zu bringen. Ich hab ja auch wegen des Namens erst einmal aufgehorcht. Der Schauspieler, Musiker und Autor ist ja schon lange im Geschäft. Sei es nun "Solo für O.N.K.E.L.", "Der Unsichtbare" oder "Gesprengte Ketten". Und der Verlag wollte wohl sich und auch dem Autor selbst einen Gefallen tun und hat kein aktuelles Bild zum Kurzporträt abgedruckt. An einigen Stellen very british inklusive dem Humor der Insulaner (Zitat Beginn: "Ich glaube, wir haben die British Telecom verärgert." Zitat Ende) als Harry und der Colonel von einem Überwachungswagen verfolgt werden. "Murphys Gesetz" ist ein Krimi um Mafia, Morde und einen eher abgehalfterten Schauspieler und Sprecher für Hörbücher, der so wenig zu tun, dafür aber so viele Flausen im Kopf hat, dass er mit seiner wenigen Kohle nach England fliegt, um einen Fremden zu retten. Naja, gab schon bessere Ausgangslagen für einen Thriller. Der Ton ist bewusst flapsig gehalten, die Geschehnisse wechseln zwischen spannend, mörderisch und humorvoll-unwahrscheinlich. Ich würde vorschlagen, das Buch nicht mit der totalen Ernsthaftigkeit anzugehen. Und als Schauspieler, der schon weit über 50 Jahre seinem Beruf frönt, kann David McCallum nicht einen Thriller schreiben, ohne wenigstens etwas Hollywood-Flair einzubringen und den einen oder anderen Namen zu erwähnen oder einige Film-Requisiten in die Handlung einzubauen. Das Buch ist recht flott geschrieben, der Stil alles andere als schwer zu lesen. Es geht schnell voran und durch die vielen Figuren in den USA und England sowie die gesamte Organisation um den Boss Max herum, muss man schon aufpassen, wer hier mit wem was plant und wie ausführt. Geldwäsche und Wirtschaftskriminalität gehen hier mit Mord und Drogen Hand in Hand. Harry ist nun nicht der strahlende Supermann, den man aus vielen derartigen Thrillern kennt, sondern eher ein armer Teufel, der aus reiner Gutmütigkeit in eine Rolle gedrängt wird, die er garantiert nicht auf dem Zettel hatte. Aber auch einer, der seinen Lebensmut und Humor nicht verliert. "Murphys Gesetz" ist jetzt nicht DER Überhammer und David McCallum nicht der neue Stern am Thrillerhimmel, aber für gute Unterhaltung sorgt er schon. Kann man sich ohne Reue schon mal zulegen.

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