Montag, 15. Oktober 2018

Buchreview "The hunter" R. Stark

Richard Stark. Er ist ein kühler Planer und Perfektionist. Doch dann wird er von seiner Frau und Mal Resnick, dem Großmaul aus dem Syndikat, hereingelegt. Parker überlebt nur knapp und geht in New York auf die Suche - ein einsamer Jäger, der nach allen Regeln der Kunst abrechnen will. 
Zugeschrieben wird Quentin Tarantino dies: "'The Hunter'" ist ein Klassiker und hat mich stark beeinflusst."

Nach meinen Erfahrungen wäre es besser, wenn Verlage und Filmlabels mal damit aufhören würden, überall Tarantino zu sehen oder zu spüren. Und zu der hiesigen "Beeinflussung" die Tarantino geäußert haben soll, meine ich nur, dass er sich da gerne an der Kürze der Dialoge hätte orientieren dürfen. Das trägt hin und wieder - bei Stark/Parker irgendwie immer - dazu bei, dass der Leser (Oder bei Tarantino der Zuschauer) sich nicht zu langweilen beginnt. Richard Stark schreibt knapp und schnell, die Dialoge sind gerade bei einem kurz angebundenen Typen wie dem Verbrecher, den man trotzdem mag, relativ "umfangbefreit", schweifen garantiert nicht ab und kommen direkt auf den Punkt. Das hat Richard Stark aka Donald E. Westlake aufs Beste bei der Figur seines Parker bewiesen. Vorname? Wieso? Hintergrund oder Familiengeschichte? Warum? Hält alles nur auf. Irgendwelche Nebengeräusche würden die knallharte und eiskalte Rachegeschichte doch nur aus dem Fluss bringen. Die Hauptfigur des Romans ist ein harter Hund, neigt nicht wie soviele der heutigen "Helden" dazu, sich weinerlich und emotional aufgewühlt für den diplomatischen Dienst zu bewerben oder gar zur Beichte zu gehen (außer er will den Beichtvater, ausquetschen bedrohen oder gleich umnieten). Unnahbar, frei von Skrupeln und sozial eher mehr im Abseits als früher der Fußballer und Stürmer Gerd Müller in den Spielen seiner jeweiligen Mannschaften. Ein Typ, mit dem man sich eigentlich nicht anlegen will, dem man nicht einmal begegnen möchte und der seine Mitmenschen nur schätzt, wenn sie ihm als Mittel zum Zweck dienen. Er besitzt zwar eine gewisse Ganovenehre, aber man sollte diesen Wesenszug nicht überschätzen oder gar davon ausgehen, dass dieser Kerl dem immer Freigang lässt. Er ist arrogant und ab und zu kommt ihm seine Wut in die Quere und er tut Dinge, die er im Endeffekt mit weiteren Untaten wieder vertuschen muss. Man sollte ihn eigentlich verachten, aber eine derart von der Norm abweichende Romanfigur tut in einer Welt, die eh immer verrückter wird, immer mehr der Gleichschalterei frönt, einfach gut. Dies war der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Büchern und dieser Parker IST auch Lee Marvin, der ihn in der ersten Verfilmung "Point blank" portätierte, dieser knurrige Kerl, der nur das Nötigste zu sagen hatte und seine Kontrahenten schon mit seinen eisigen Blicken um die Ecke bringen konnte (sieht man einmal von Sachen wie "Cat Ballou" und "Zwei wie Hund und Katz aka Brüll den Teufel an" ab). Mel Gibson oder Jason Statham kamen nie an die Leistung von Lee Marvin oder an die Figur des Parker wirklich heran. Was zumindest mir jetzt noch fehlt, sind die Übersetzungen der Bücher, die direkt nach dem ersten folgten, denn die ab Buch 17 -  24 habe ich und einige Worte dazu finden isch auch hier auf dem Blog.  Für Freunde cooler Gangsterthriller mit einem moralisch etwas zweifelhaften Helden und die auf ellenlange Dialoge und Gefühlsdebatten sowie umfangreiches Füllmaterial verzichten können, genau der richtige Lesestoff. Meine ich. 9,5/10.

Kommentare:

Michael hat gesagt…

Hab ein paar Bände mal als Wühltischexemplare abstauben können. Optisch eher trist, aber inhaltlich sehr sehr gut, und trotz des Alters noch erstaunlich cool, schnell und ruppig. Gefiel mir sehr.

harry hat gesagt…

Gerade mal nachgeschaut - bisher sieht es nicht so aus, als würde zügig der zweite Band der Reihe kommen.

Gruß
Harry