Montag, 11. November 2019

Buchreview "Alte Gewohnheiten sterben langsam" B. Trebilcooke

Ben Trebilcook. Joe Brady, Police Detective im Ruhestand, erhält eine Einladung nach Tokio. Die Oshiro-Corporation, ein mittlerweile weltweit operierender Hightech-Konzern, möchte ihn für seinen dreißig Jahre zurückliegenden Heldenmut auszeichnen, als Brady spektakulär eine Gruppe von Terroristen im New Yorker Oshiro-Tower ausschaltete. Nur zögernd, und begleitet von einem alten, meist übel gelaunten Freund, nimmt Brady die Einladung an. Allerdings scheint er ein Händchen dafür zu haben, immer wieder zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein – denn es dauert nicht lange, bis man ihm einen Mord in die Schuhe schiebt, schießwütige Yakuza die in einem noch gigantischeren Wolkenkratzer stattfindende Gedenkfeier stürmen und zudem noch ein Gegenspieler auftaucht, der auf seltsame Weise mit Bradys Vergangenheit verbunden zu sein scheint.
Zusammen mit alten Bekannten, seiner großen Klappe und reichlich Feuerwaffen macht Brady ein letztes Mal das, was er am Besten kann - den Lumpen den Tag versauen.


 Wie der Klappentext verspricht erkennt man schnell, dass es hier um die "Stirb langsam"-Reihe geht, auch wenn die Namen geändert werden mussten. Und nach einer Einführung, die einige Rückblenden und den Werdegang des Helden bis zum Beginn der rasanten Handlung des Buches skizziert, setzt sich das typische "Die Hard"-Feeling auch in Buchform sofort beim Leser fest. Sprüche, knallharte Action over the top, dass beim Bodycount sogar ein John Wick neidisch werden könnte, wobei auch manche Szenen an andere Filme erinnern, die nichts mit der Reihe zu tun hatten. Zwar ein typischer Roman, der auf einem Drehbuch basiert (war ja auch als solches gedacht, wurde nur über die Jahre hinweg verwässert und dann endgültig verworfen) und im Prinzip wirklich das ist, was man sich von einer Fortsetzung der "Stirb langsam"-Reihe wünscht. Höchstes Tempo, keine Schnörkel oder Durststrecken, viele bekannte Figuren, die man trotz anderer Namen schnell wiedererkennt und wilde Fights und Action im Tower der Oshiro-Company in Tokio. Kurzweil ist angesagt - und es hätte gerne noch länger währen können. Das Cover von Michael Schubert passt hervorragend und orientiert sich auch an Actionszenen aus dem Buch bis in die oberen Stockwerke des Towers. Für Fans der schnellen und reinen, puren Action aus dem "Die Hard"-Universum eine Empfehlung. Wer hier John Le Carre oder verzwickte Thriller erwartet, ist eher im falschen Film. Ein reines Spaßbuch für die angesprochene Klientel. 9,5/10.

Kommentare:

McClane hat gesagt…

Lese ich bei Gelegenheit mal... hab noch mitbekommen, wie Trebilcook sein Script vorgestellt hat in einem Interview. Scheint ja besser geworden zu sein als der der Eindruck im Interview. Damals hatte er irgendwie nur Vergleichsfilme genannt (auch megaunpassende wie "Ichi the Killer") und einige Ideen, bei denen ich schauen musste, ob der Mann jetzt Trebilcook oder doch Debil Cook heißt.

harry hat gesagt…

Nachdem klar war, dass sein Buch nicht genommen wird, hat er es überarbeitet und die Novelle draus gemacht. Auf "Ichi, the Killer" bin ich bei der Lektüre nicht gestoßen, aber over the top ist die Action dann schon. Manches kennt man wirklich aus diversen Filmen, aber das schadet nicht. Schnell und so leicht zu lesen, wie alle Bücher mit dem Zusatz "Nach einem Drehbuch von...".

Gruß
Harry

McClane hat gesagt…

Hab gerade noch mal nach geschaut, "Ichi the Killer" war es dann doch nicht ganz, wie er meinte:

"It's not Ichi The Killer, but it is crazy and as real as you can get in these realms."

Ganzes Interview: http://whatculture.com/film/die-hardest-screenwriter-ben-trebilcook-exclusive-interview-everything-need-know-die-hard-6

Mir zog sich bei seinen Aussagen zumindest damals alles zusammen, aber vielleicht ist es als Buch ja gut geworden; gerade wenn man nicht direkt dem "Die Hard"-Erbe gerecht werden muss

harry hat gesagt…

Eigentlich ist das Buch es mehr als die letzten drei Filme. Er hat ihn altern lassen, die Knochen knacken, das Kreuz tut weh, abr was tut man nicht alles, um zu überleben. Man hört sogar mit dem Saufen auf.

Gruß
Harry