Montag, 16. März 2015

Buchreview "Kill Shot" T. Wood

Tom Wood. Victor ist der perfekte Auftragsmörder. Er ist das anonyme Gesicht in der Menge, der Mann, den man nicht wahrnimmt – bis es zu spät ist. Doch nun bittet ihn ein alter Bekannter um Hilfe, und zum ersten Mal besteht Victors Auftrag nicht darin, jemanden zu töten, sondern zu beschützen: die junge Giselle, Stieftochter einer russischen Unterweltgröße. Von seinen Verfolgern gnadenlos durch ganz London gejagt, muss Victor alles riskieren. Und jeder seiner Schritte lockt die Gefahr näher an Giselle, deren Leben er um jeden Preis schützen muss.

Victor wird nach St. Petersburg gerufen, um für Aleksandr Norimov einen Auftrag zu übernehmen. Doch bevor er sich dem Mann überhaupt nähert, sichert er zuerst die Umgebung und zeigt zweien von dessen Männern, die die Hintertür des Clubs in das Meeting stattfinden soll, überwachen, was er von deren laxer Arbeitsauffassung hält. Zudem beweist deren in aller Öffentlichkeit zu erkennende Position, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um eine Falle handelt. Norimov ist ein alter Geschäftspartner, fast Freund, der ihn aber auch verraten hatte. So ist Victor skeptisch. Doch er lässt sich überzeugen. Es geht um die Stieftochter von Norimov, die Tochter von Eleanor, mit der Victor dereinst gut auskam. Und Norimov belabert Victor so lange,bis der endlich zusagt. Problem: Stieftöchterchen kann Daddy und sein Mafiageschäft überhaupt nicht ertragen und hat sich nach London abgesetzt - und ist dort für Norimov unauffindbar. Das soll Victor also auch noch für ihn erledigen. In London eingetroffen, findet er zwei Russen - Dmitri und Igor - vor, die ihn unterstüzten sollen. Gisele, so der Name der Stieftochter, ist set einer Woche nicht zur Arbeit erschienen, keiner ihrer Bekannten hat sie gesehen und die beiden Russkies konnten sie nirgends finden. Victor steigt eines nachts in ihre Wohung ein und wartet. Da kommen drei Figuren an und tun es ihm nach - sie brechen ein. Wer so eine Wohung betritt kann nur Übles im Sinn haben. Victor fängt den ersten Typen ab und drückt gegen seine Halsschlagader, bis der bewusstlos ist. Beim zweiten Kerl geht das nicht so rasch und er muss ihn nur halbbetäubt liegenlassen, um sich gegen Nummer drei zu wehren. Der greift mit dem Messer an, das er dann selbst durch Victor in den Unterleib bekommt. Solange das Messer in der Wunde ist, blutet die Verletzung kaum. Victor beginnt damit, seine Fragen an den Verletzten zu richten. Als der  nicht so richtig mit der Sprache raus will, stellt Victor seinen Fuß in das Genick des nur halbwegs außer Gefecht gesetzten Gangsters und verlagert sein Gewicht bis die Wirbel brechen. Danach zieht er das Messer aus der Wunde des Verletzten und fragt ein weiteres Mal, erklärt ihm aber vorher, dass der noch wünschen würde, dass Victor das Messer wieder in die Wunde steckt, da dann der Blutfluss aufhören würde und er noch eine Chance habe, das Ganze zu überleben. Also bittet der Typ darum, dass das Messer wieder in seinen Unterleib gesteckt wird. Und er redet. Danach bekommt er von Victor den Rat, das Messer wieder rauszuziehen, damit der Tod schneller und schmerzloser eintritt, denn sterben würde er auf jeden Fall. Victor hat ihn angelogen. Aber keiner der Kerle wusste, wo Gisele ist. Die Polizei findet nach einem Anruf durch Nachbarn dann drei Leichen in der Wohnung der Frau. Den mit der Messerwunde, der mit den durchtrennten Wirbeln und einen, dem schlicht der Kopf umgedreht wurde. Die Bewohnerin ist weiterhin nicht aufzufinden. Dafür taucht jetzt jemand vom Security Service (MI5) auf und die Frau namnes Anderton faselt von nationaler Sicherheit. Reißt die Ermittlungen an sich. Victor aber ahnt, wo sich die Gesuchte versteckt und findet sie dann auch. Sie fahren zu einem sicheren Versteck, in dem fünf Männer von Norimov - alles Russen - warten, um sich nun um Gisele zu kümmern. Einer macht sich auf den Weg, Mahlzeiten für alle zu holen. Doch in genau dieser Zeit erfolgt ein Angriff einer Söldnertruppe. Nur Gisele und Victor können entkommen und zwei Söldner lassen auch ihr Leben. Victor muss sich jetzt auf die Spuren der Auftraggeber der Killer heften, herausfinden, was die ganze Aktion soll, um festzustellen, was die von Aleksandr wollen. Und die gesamte Zeit hat er die Stieftochter an der Backe, die mit seiner Berufswahl, seinem Umgang und seinen Methoden so rein gar nicht einverstanden ist.

Tom Woods Auftragskiller Victor wird als Bodyguard angeheuert. Nicht unbedingt seine übliche Arbeit, aber auch hier beweist er seine Umsicht, seine Disziplin, seine akribische Vorsicht und eine Eiseskälte, wenn er völlg emotionslos, fast beiläufig tötet. Es ist für den Leser absolut faszinierend, schon auf den ersten Seiten gemeinsam mit Feinden von Victor dessen Vorsichtsmaßnahmen mitzuverfolgen, die grundsätzlich darauf beruhen, nie zweimal das Gleiche zu tun, immer auf der Hut zu sein und womöglich vorhandene Beschatter zu täuschen. Victor traut niemandem. Wie sich bei seiner Annäherung an den Auftraggeber in St. Petersburg zeigt. Und auch im Gespräch bleibt er fuhig, überlegen, ja, auch höflich. Victor ist ein Mann mit ausgefeilten Manieren, der das Fluchen und Schimpfworte verachtet, aber dennoch ein extrem harter Mann, einer mit gewissen Prinzipien. Nicht lange nachdem er sich dazu entschlossen hat, die Aufgabe zu übernehmen, beginnt die beinharte Action. Jetzt ist Zug in dem Buch, hohes Tempo und einige Härten bestimmen das Geschehen, wobei die Härte gar nicht einmal so sehr durch blutiges Gemetzel erzeugt wird, sondern durch die Art, wie der Protagonist, der zum Sympathieträger gewordene Profikiller so nebenbei einen am Boden liegenden wehrlosen Gegner zu Tode tritt. Das hat mehr Wirkung auf den Leser als jeder minutenlange Shoot-Out. Hatte man sich gerade daran gewöhnt, dass Victor tatsächlich wie ein Mensch denken und handeln kann, dass er zwar sein Tun nicht hinterfragt, aber sich zumindest innerlich mit seinen Gefühlen befasst, zeigt sich völlig unerwartet der bösartige Killer in ihm, dem es nichts, aber auch gar nichts ausmacht, einen Menschen einfach vom Leben zum Tode zu befördern. Tom Wood lässt es krachen in seinem gut strukturierten Thriller, der auch von Spannungselementen lebt, die sich hauptsächich aus dem "Warum?" und der Suche nach möglichen Verrätern ergeben. Gisele als Stieftochter eines russischen Mafiabosses ist mal nur Anhängsel oder mal so etwas wie ein Gewissen, das sie Victor aufdrängen will. Sie ist der Gutmensch für den Leser, der Gegenpart zum Killer, so scheint es. Doch hat sie auch ein Geheimnis, wie man uns glauben machen möchte? Obwohl die beiden Hauptfiguren so lange gemeinsam um ihr Übeleben kämpfen, bleibt für traute Zweisamkeit kein Platz. Das wäre auch  nicht Victors Art. Es geht fulminant zur Sache - bis zum Ende. Pausen, Längen, öde Seiten? Fehlanzeige. Volles Tempo, unbarmherzige und intensive Action in einem der besten Page-Turner seit langer Zeit. Höchste Weihen für dieses Buch, schier grenzenlose, überbordende Begeisterung für mittlerweile alle vier Bücher. Leser der Welt, verneigt euch vor Tom Wood. Genießt den außergewöhnlichen Helden Victor. Und fordert nach dem vierten Buch nur: Give me (number) five!!! Jeder Thrillerfreund sollte hier einen Kauf in Erwägung ziehen, das Geld ist gut angelegt. Und wer sich einen Helden abseits der üblichen Figuren aus dem Massengeschäft wünscht, für den ist diese Lektüre fast schon Pflicht. Das erste Buch "Codename Tesseract/ The killer" soll ja von Pierre Morel verfilmt werden. Der hat mit "Taken/96 hours" ja bewiesen, was er kann und scheint für "The gunman/Position: Anschlag liegend/La position de tireur couche" mit Sean Penn ebenfalls gut gerüstet. Regisseur passt also schon mal. Aber wer soll den Victor spielen? Bitte, keiner von den Jungfüchsen wie Lutz oder Lautner. Scott Adkins, rasiert und in Anzug? Statham? Daniel Craig oder Pierce Brosnan? Wer gut gepasst hätte, wäre Alain Delon zu Zeiten "Der eiskalte Engel/Le Samourai". Vorschläge gerne in der Kommentarfunktion. Bin echt neugierig, was euch so einfällt. Zum Abschluss erteile ich schlicht LESEPFLICHT!!!

Kommentare:

Michael hat gesagt…

Hmmm ... ich hatte vor wenigen Wochen erst den "Tesseract" gelesen und war überaus enttäuscht. Was mich bei solchen Büchern immer ärgert, ist dieser überhebliche Tonfall, den die Schreiber da gern draufhoben, und der zog sich hier von Anfang bis Ende durch. Mir war das alles zu geleckt, und die endlosen Diskussionen in irgendwelchen CIA-Hauptquartieren waren tatsächlich dann Pageturner, denn die hab ich überblättert. Zum x-ten Mal wurde erklärt, was das Leser ja schon wusste ... aber egal, vielleicht ist dieser Teil ja besser, wobei es so klingt, als wären die alle "gleich stark" ... ;-) ... Aber um auch noch was Konstruktives beizusteuern ... Liev Schreiber könnte ich mir gut vorstellen in der Rolle.

Harry hat gesagt…

Irgendwie wollt ihr mich heute alle ärgern. Du mit dem Buch und StS mit seiner Anmerkung zum Film "The gunman".

Zum Buch: wenn dir der erste schon nicht gefallen hat, dann der sicher auch nicht. Ich hab aber ein Faible für solche Werke. Auch diese "einsamer Superheld" rettet Amerika und somit die Welt, obwohl man da auf jeder zweiten Seite liest, wie perfekt doch die USA und alle Bürger sind und wie mies, feige oder schwach sowie ultraböse doch die anderen. Ich krieg von dem Zeugs nicht genug.

Gruß
Harry

Michael hat gesagt…

Gegen den Gunman sag ich nix, zumindest nicht, bevor ich ihn gesehen habe ... allein vom Regisseur erwarte ich mir einiges, nachdem die beiden anderen Taken-Teile keinen Bumms mehr hatten und klar wurde, dass das am Regisseur liegen musste.
Naja, ich denke, die Verfilmung von dem Buch wird ruppiger werden, das ganze BlaBla wird wegfallen, die Action noch mal derber und moderner werden, und dann merkt man sicher, wo die Schwachstellen des Buches lagen.

Harry hat gesagt…

@Michael. Wollt ich dir ja auch nicht vorwerfen. Ruppiger, her damit. Aber wenn der Einfluss der Amis zu groß wird, dann kann es auch fürchterlich werden.

Gruß
Harry