Dominique Manotti. An einem schönen Pariser Maimorgen fallen plötzlich Schüsse. Vor einer
Einkaufspassage strecken MP-Garben zwei Personen nieder. Ein Motorrad
rast davon. Commissaire Daquin und sein Team sind geschockt: Einer der
Ihren ist tot, niedergeschossen an der Seite einer Unbekannten. Warum
war Romero ohne Wissen der Kollegen unterwegs? Hat er sich in
zwielichtige Machenschaften verstrickt? Eine Fährte gibt es, und die
führt ins Fußballstadion des FC Lisle-sur-Seine, der momentan um die
Meisterschaft kämpft. Nicht gerade Daquins bevorzugtes Terrain. Doch der
Commissaire ist nicht der Typ, der den Ball flach hält.
Auf offener Straße wird der Polizist Romero mit seiner Begleiterin von zwei Jugendlichen auf einem Motorrad niedergestreckt. Die drücken danach sofort aufs Gaspedal und sind recht bald verschwunden. Doch sie sind unvorsichtig, fahren prahlerisch in der Gegend rum und ballern wild in die Luft. Sie sind schnell gefasst und werden trickreich zuum Reden gebracht. Viel kommt dabei aber nicht heraus. Sie kennen ihren Auftraggeber nicht. Daquin versucht nun, über die Begleiterin etwas herauszufinden. Deren Bruder arbeitet als eine Art Mädchen für alles beim Fußballclub FS Lisle-sur-Seine, der gerade erst in die erste Liga aufgestiegen ist und sich tatsächlich anschickt, sofort die Meisterschaft zu gewinnen. Präsident und Mäzen der Fußballer ist Reynaud. Er ist Unternehmer und auch Bürgermeister des Banlieus, in dem der Club beheimatet ist. Er wird von Daquin, dem homosexuellen Kommissar mit Neigung zu machohaften Methoden und Gesten, in die Mangel genommen, mauert aber besser als die Abwehr der Gegner seiner Fußballmannschaft. Doch der Kommissar lässt sich nicht abschütteln. Nach und nach deckt er einen kriminellen Sumpf auf, der viel weiter reicht, als man glauben mochte. Und dann passiert ein weiteres, unglaubliches Ding: Der Verein verliert ein Spiel gegen einen Abstiegskandidaten - verliert es zu Hause im eigenen Stadion. Die Fans sind wütend und Reynaud ohrfeigt einen Reporter, von dem er eine seiner Meinung nach unfaire Berichterstattung bekam. Dass dieser Reporter der Geliebte des Kommissars ist, stimmt Daquin mit Sicherheit nicht milder. Und dann wird der Torwart des Vereins zusammengeschlagen, einer der Abwehrspieler als Kokser enttarnt und prompt vom Vereinschef zum Transfer freigegeben. Aber damit gibt er dem Kommissar auch einen Ansatz, den der rigoros verfolgt.
"Abpfiff" ist ein Hard-boiled Noir, vollgepackt mit teilweise ätzender Gesellschaftskritik. Netter Zufall, dass dieses Buch gerade als deutsche Übersetzung kam, als sich die FIFA und deren Angehörigen Verbände und Mitglieder bis auf die Knochen blamierten und ihr Alleinherrscher an der Spitze ganz schwer in die Bredouille gerät. Fußball ist ein sauberer Sport? Ja, mit Geld reingewaschen. Und wo das Geld vorher gewaschen wurde, weiß keiner. Und so findet man es auch in diesem Buch. Doping, Spielabsprachen, Bestechung, Erpressung, Politk und Wirtschaft involviert - all das findet man nach und nach in "Abpfiff". Sehr entfernt von der Realität ist das wohl nicht. Und jeder hält seine gierigen Krallen auf oder nutzt seine Position, um das Geschäft weiter am leben zu erhalten. Sei es nun die Politk oder die mächtigen Konzerne, die die Politiker eh schon in der Tasche haben, weil die ihren jeweiligen Amtseid nicht für das Volk oder die Nation, sondern für ihren eigenen Geldbeutel geschworen haben.Weltweit akzeptierte Praxis, wie in der FIFA eben. In kurzen und knappen Sätzen, ohne großes Blabla erzählt Manotti auf rund 230 Seiten über Korruption, Schwarzarbeit, Banken oder Prostitution, bringt all diese illegalen Geschäfte in Verbindung, schaut hinter die Kulissen dieser Blender, die sich nach außen hin als Menschenfreunde dartellen und nichts anderes als kriminelle Elemente sind. Ihr verknappter Stil macht das Buch schnell, hält den Leser in Atem, bringt in immer kürzeren Abständen immer wieder neue Wendungen und Indizien, reißt dem Fußball die schöne Maske vom Gesicht, entlarvt die Melange zwischen Politik, Fußball und Kapitalismus. Klare Worte, harte Kritik und ein desillusionierender Schluss. Anpsruchsvolle Literatur, manchmal anklagend, sich aber immer bewusst, dass der Zug der Gleichheit und Gerechtigkeit längst abgefahren ist. Spannungsroman als Gesellschaftskritik verpackt und stilistisch nahe an dem Landsmann Manchette oder gar Ellory oder auch noch Winslow. Etwas gehobenere Thrillerkost als von mir sonst gewohnt, aber dennoch - oder gerade deswegen - gut.

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