Dienstag, 12. Juli 2016

Buchreview "Miasma" W. Diociaiuti

Walter Diociaiuti. Renè Del Conte, ein Horrorautor, der seit Jahren in England lebt, muss wegen der Scheidung von seiner Ehefrau nach Italien zurückfliegen. Dort erwarten ihn nicht nur seine Eltern, Verwandte und Freunde, sondern auch der wahre Horror. In einem kleinen Dorf in der Nähe seiner Geburtsstadt, in dem auch sein Freund Eros Mancini wohnt, bricht die Hölle los: Babys, die plötzlich und ohne plausible Erklärung sterben, Kühe, die keine Milch mehr haben, und dazu noch brutale Morde. Die Polizei tappt im Dunkeln. Eros, der eines Nachts eine Beobachtung macht, hat eine eigene Theorie.

Eine Mutter kann ihr Baby nicht stillen, weil sie keine Milch mehr hat. Ein Bauer muss bei seinen Kühen ebenfalls festsstellen, dass die Euter trocken sind. Und es geschehen weitere unheimliche Dinge in Toricella. Und dies passt irgendwie recht gut mit dem Besuch des Horrorautors Rene, der eigentlich seit langer Zeit sein Dasein in England fristet, in seinem Heimatort zusammen, bei dem Rene sofort seinen alten Kumpel Eros besucht, mit dem er früher die Gegend unsicher gemacht hat. Natürlich stoßen noch weitere Bekannte hinzu und der Alkohol fließt in Strömen. Es werden Sprüche geklopft, dass die Schwarte kracht, Blödsinn verzapft und uralte "Abenteuer" aus der Erinnerung gekramt. Doch das ist bald vorbei. Weitere unheimliche Ereignisse tragen sich zu - und diese werden immer blutiger und brutaler. Niemand kann sich vorstellen, was sich hier überhaupt abspielt. Die Polizei hegt zwar gewisse Vermutungen, die sich dann aber durch die Erkenntnisse der Leichenbeschauer widerlegen lassen. Leider aber nur, um schlimmeren Gedanken Platz zu machen. Die ganze Sache ist zu mysteriös. Bis eines Tages Opa Paolo eine Story zum Besten gibt, die eher an eine alte Sage erinnert. Natürlich glaubt ihm keiner, wird er als oller Spinner abqualifiziert - bis etwas so Grauenvolles und Unvorstellbares passiert, dass seine Erzählung plötzlich einen ziemlich glaubwürdigen Hintergrund bekommt, aber dennoch eine überaus gruselige Angelegenheit über die menschliche Vorstellungskraft hinaus beschreibt. DAS kann es in dieser Welt nicht geben. 

Ich gebe es zu, ich habe lange, sehr lange gezögert, ob ich mir dieses Buch zulege. Reviews gelesen, die mal so und mal so ausgefallen sind und daher leider auch keine große Entscheidungshilfe waren, bis ich mich dann entschlossen habe, an meinem Glauben an die kleineren Verlage (hier Voodoo-Press) festzuhalten und mir die Lektüre zu kaufen. Für mich zwar eine recht lange währende, aber keine Fehlentscheidung. Der Autor mit dem für deutsche Hinterlandzungen so schwer auszusprechenden Namen hat hier ein Buch vorgelegt, das von Beginn an Spannung aufbaut. Erst mit weniger spektakulären Ereignissen, um dann aber in recht zackigem Tempo immer mehr und immer grausiger werdende Geschehnisse folgen zu lassen. Das Wiedersehen der Freunde wird zwar thematisiert, aber zum Zelebrieren lässt Walter Diociaiuti seinen Helden keine Zeit. Lange rätselt man als Leser mit herum, was hier überhaupt geschieht und als man dann erste erschreckende Bestätigungen hat, dass hier ein uralter Fluch am Werke ist, nimmt das Tempo noch einmal einen richtigen Tacken zu. Im tiefen Dunkel wird ein kleiner Ort von Wesen überfallen, denen man sich nur mit einer riesigen Feuersbrunst erwehren kann und dennoch feststellen muss, dass man wohl nur die aggressive Vorhut erwischt hat. Die dunkle und unwirkliche Atmosphäre wird in einer faszinierenden Art und Weise dem Leser nahegebracht, das Grauen fast spürbar und wer vor irgendwelchen Viechern, der Dunkelheit oder Höhen einen gewissen "Respekt" hat, kann sich wahrhaft wohlig gruseln. Splatterig-blutig, eklig, stinkig, brutal und spannend - und mit gepflegtem Hard Rock (z. B. die frühen Scorpions mit ihrem Kracher "Speedy's coming") als "Schutzpatron" und Retter in der Not vor hypnothisierendem Gedudel. Mal etwas andere Herangehensweise als dieses Musikgenre ständig zu verteufeln. Nette Idee, die mir gefiel. Sagen, Legenden, europäisches Setting, Rasanz, etwas Gekröse und ein wenig Sex, ganz viel Spannung und totale Unterhaltung auf 224 Seiten, die keinen Hänger aufzuweisen haben. Sollte ein Leser doch einen festgestellt haben wollen, muss er vielleicht mal an sich selber suchen, gg. Würde ich durchaus für den Abend am Kamin in ansonsten dunkler Nacht empfehlen. Und wer Bammel bekommt - Heavy Metal hilft. Tolle Veröffentlichung von Voodoo-Press.

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