Donnerstag, 27. Juni 2019

Buchreview "Schneller als der Tod" J. Bazell

Josh Bazell. Pietro ist clever und smart und war Killer für die New Yorker Mafia. Er stieg aus und glaubt sich sicher - er ist erstens im Zeugenschutzprogramm und zweitens Arzt in einem Krankenhaus. Bis einer der alten Feinde eingeliefert wird. Diagnose: Krebs im Endstadium. Wenn er stirbt, ist Pietro geliefert. Die nächsten acht Stunden im Tollhaus der Klinik werden zum atemlosen Wettkampf um sein Leben. "Schneller als der Tod" ist ein adrenalingeladener Thriller mit Dialogen, so scharf geschliffen wie ein Skalpell. Josh Bazell schreibt extrem cool und schockierend unterhaltsam - so zynisch und komisch, als hätte Tarantino bei Dr. House Regie geführt.

Zweitlesung. Und hier nervt mich die Erwähnung von Quentin Tarantino noch mehr als damals. Konnte der Regisseur 2010 wenigstens noch mit Originalität protzen, so ist er danach nur zu einem sich wiederholenden Schwätzer geworden, der einfach seine alten Lieblingsfilme "plündert" und eine Dialogorgie darum strickt. 
Zum Buch selbst. Man hat ja schon viel über die Zustände in Krankenhäusern gehört. Selbst wenn du nur einen Hörsturz hast, musst du froh sein, wenn du da wieder lebend rauskommst und nicht gleich auf nem OP-Tisch landest. Seit der puren und überzogenen Kommerzialisierung des Gesundheitswesens durch die Entscheidungen der entsprechenden Lobbyisten äh Regierung, ich bitte um Verzeihung, ist der Patient nur noch ein Störfaktor. Jeder, der länger bleibt als 3 Tage, hat danach gefälligst zu sterben, um dem nächsten Platz zu machen. Dafür wird alles getan. Hygienemängel, Keime, überforderte Ärzte, unterbezahltes Personal, arbeiten nach Stoppuhr. Zu übel, um wahr zu sein? Nein, keinen Deut. Das ist die heutige Realität. Dass ganz nebenbei noch in vielen Klinken die Abrechnungen für den Kunden "frisiert" werden, ist fast so "mafiös" wie die hier geschilderte Romanhandlung. Eigentlich wäre Dr. Peter hier nicht im Zeugenschutzprogramm tätig, man könnte ihm doch einen Job als Aufenthaltsüberzieherbeseitiger geben. So ziemlich jedes deutsche Krankenhaus würde ihn mit Kusshand nehmen. Mit der Arbeit und Fußnoten, die kirre machen können, den Wahnsinn im Gesundheitswesen bloßstellen sollen oder einfach nur ganz vielleicht erfunden sind, wie der Autor anmerkt, entlarvt Josh Bazell Zustände, wie sie unmenschlicher nicht sein können. Krankenpflege ist mittlerweile nur schlechter Kundenservice und selbst ein Profikiller der Mafia im Zeugenschutz erkennt das auf den 300 Seiten, die zwischen zynisch, böse und blutig wandeln, hin und wieder für einige fiese Lacher sorgen und von der heile Welt Familienunterhaltung der "Schwatzwaldklinik äh Schwarzwaldklinik" so weit entfernt sind wie AfDler von einem zweistelligen IQ-Wert. Also gaaaanz weit. Böser Humor eingebettet in Wortwitz und eine Abrechnung mit allen Beteiligten an den Zuständen in der Welt, die für die Gesundheit der Menschen eintreten soll. Über die Personen, die auch einen Eid geschworen haben und den entweder nicht ernst nehmen, vergessen haben oder einfach daran gehindert werden, ihm nachzukommen. Bei denen sind es nicht nur welche in den Dritte-Welt-Ländern, die da eher einen Meineid geschworen haben. Zusätzlich bekommt man noch einen Thriller mit schrägen Figuren, einigen Kills und ganz ordentlich Blutfluss. Rabenschwarzer Krimi und wer den gelesen hat, bleibt lieber zu Hause, wenn er mal krank wird. Denn in Krankenhäuser gibt es weitaus mehr Profikiller, die nicht wegen der Mafia im Zeugenschutz sind. Die volle Punktzahl wie beim ersten Lesen vor Jahren kriegt er nicht mehr, aber 8/10 sind immer noch drin, auch weil sich hier zuviel Weitsicht darin befindet, die heute wirklich wahr geworden ist. Eine echte Schande.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo! Ich lese schon Jahrelang Deine Film Reviews und Kretiken,aber jetzt wirst Du politisch (AfDler).Sowas ist absolut Schei... das war der letzte Blick auf Deine Seite. Ps. Links angehaucht,Multikulti usw.

harry hat gesagt…

Kritik angekommen, hätte ich vielleicht bleiben lassen sollen, ABER wenn du regelmäßig liest, solltest du wissen, dass ich keine "Auswahl" treffe, irgend jemanden speziell aufs Korn zu nehmen. Labels, Parteien und wer auch immer kommt mal dran. Zudem treffe ich keine Aussagen, was oder wen ich politisch bevorzuge.

Von linker Seite wurde ich auch schon angewichst. Habs ebenso überlebt wie harsche Worte von anderen Seiten. Ich behandle alle gleich frech.

Gruß
Harry

Anonym hat gesagt…

Okay. Bleibe Deinen Blog treu. Gruß M.Hain

harry hat gesagt…

Fein, aber dennoch muss ich etwas korrigieren: das ist NICHT MEIN Blog, sondern der von Shane Schofield aka Shane Mulligan.
Und den einstelligen IQ-Wert hab ich mir auch schon selbst verpasst in irgendwelchen Rezis. Ich nehme mich selbst auch nicht zu ernst.

Gruß
Harry