Donnerstag, 17. Dezember 2015

Buchreview "Manipuliert" K. Thomson

Keith Thomson. Der Reporter Russ Thornton ist in Washington für seine großen Enthüllungen gefürchtet. Als ihm seine frühere Geliebte, die Regierungsangestellte Catherine Peretti, Geheimunterlagen übergeben will, ist Thornton sehr überrascht, wittert aber die große Story. Doch bei der Übergabe wird Catherine vor seinen Augen ermordet. Thornton weiß, dass er nun auch in Lebensgefahr ist. Und die Killer beginnen eine gnadenlose Jagd auf ihn. Sein wahrer Feind sitzt jedoch in seinem Kopf – denn ihm wurde ein Abhörgerät implantiert.

Über den Vereinigten Staaten geht eine Passagiermaschine mit 230 Menschen an Bord unfreiwillig auf Konfrontationskurs mit der Erdoberfläche. Es gibt keine Überlebenden. Schuld ist ein Test einer E-Bombe, die zwei russische Wissenschaftler, die in den USA leben bzw. dort aufgenommen wurden, eigentlich in kleinerem Rahmen ausführen wollten. Diese Errungenschaft ruft ganz schnell Kräfte auf den Plan, die sich diese zu eigen machen wollen, um sie meistbietend zu verkaufen. Potenzielle Kunden gibt es dafür ja genug. Einer davon macht sich auf recht innovative Art an den Professor selbst ran, versaut den Vorgang aber trotzdem. So bleibt ihm nichts anderes übrig als den Mann via Kugel - und zwar der alten Stalinvariante - zum Schweigen zu bringen. Dennoch schöpft der Blogger, Ex-Geheimdienstler und Reporter Russ Thornton Verdacht. Dieser bestätigt sich, als seine Ex, die Regierungsangestellte Peretti, ihm Geheimunterlagen übergeben will, aber vorher aus dem weg geräumt wird. Er selbst gerät mitten in eine Operation, an der Verschwörer und Geheimdienste aller Art und Herkunft beteiligt sind. Und er bemerkt auch recht schnell, dass etwas gar nicht stimmen kann. Mithilfe eines Freundes entdeckt er eine kleine Sonde, die ihm hinters Ohr gepflanzt wurde, nachdem man ihn betäubt hatte, ohne dass er etwas bemerkte. So kann man ihn nicht nur orten, sondern auch alle seine Gespräche mithören. Bei einer TV-Debatte sieht er, dass die unterlegene Senatorin vermutlich ähnlich manipuliert wurde und informiert sie über die Vorgänge. Gemeinsam treten sie nun gegen die Feinde der USA an - auch aus Eigennutz, denn mittlerweile wissen sie zuviel und sollen endgültig aus dem Weg geräumt werden. Und vertrauen können sie anscheinend niemandem mehr.

Pech hat "Manipuliert" in dem Sinne, dass es bei mir als direkter Lesenachfolger gegen "The Gray Man" von Mark Greaney antreten musste. Eigentlich ist das Buch eine recht flotte, wenn auch simpel in Stil und Sprache formulierte Story, auch wenn sie als auf der Buchrückseite propagierter "Leckerbissen für alle Fans von Die Bourne-Identität" ebenfalls nicht wirklich dienen kann. Dazu fehlt dem Buch dann jegliche Tiefe, die neuen Methoden der Geheimdienste sind dann doch teilweise etwas zu sehr Science Fiction, die gegnerischen Parteien viel zu deutlich voneinander getrennt. Um die Sache etwas verzwickter für den Leser zu gestalten, werden zwar neben dem ganzen Buchstabensalat der US-Dienste noch einige Feinde hinzugefügt, ein bisschen auf den alten Stalin verwiesen (Im Original schon im Titel sehr deutlich) und diverse exotische Locations genutzt. Tempo hat das Ganze auf jeden Fall, aber es wirkt auch sehr konstruiert und auf Massenkompatibilität ausgelegt. Zudem sind die beiden Protagonisten zumindest in meinen Augen als Sympathieträger zum Mitfiebern nicht sonderlich geeignet. Mir waren der Superbloggerjournalist mit Geheimdienstverbindungen und die superschnuckelige, superreiche, superclevere und superpatriotische Senatorin ohne Fehl und Tadel eigentlich ziemlich egal. Und wer meinte, dass Court Gentry aus "The Gray Man" ein Übermensch wäre, der sich Wunden noch während er am Steuer eines Wagens sitzt und diesen auch fährt, nähen lässt, der sieht, dass es noch dicker aufgetragen werden kann. Gefoltert, tagelang ohne Wasser und Nahrung im Kerker, verwundet und halluzinierend, macht Thornton noch zwei Gangster platt, holt nen Heli vom Himmel und legt die Senatorin noch flach, bevor die Fieslinge Verstärkung kriegen. Den Teil mit dem Flachlegen hat noch nicht einmal der harte Typ Gentry geschafft. Aber hey, die Masse braucht ja auch was zum Schmachten. Also alles oberflächlich, wenn auch mit recht hohem Actionanteil, der dennoch eher in einen Heftroman gehört hätte, und den üblichen Klischees derartiger Literatur. Sicher geeignet für Ablenkung vom Alltag ohne sich allzu sehr darauf einlassen zu müssen. Also nirgends derart gestaltet, dass man das Buch vor lauter Spannung, Action und Cliffhangern nicht mehr aus der Hand legen kann. Dazu noch den alten deutschen Vornamen Ferdinand verbraten, den es zumindest in unserer Umgebung sicher seit den frühen 80-er oder gar 70-er Jahren nicht mehr gibt. Hier heißt nun echt keiner mehr Ferdinand. Naja, eh nur eine kleine Randgeschichte. Kein Highlight. Entspannt lesen - und dann verdrängen oder auch vergessen. Da helfen die ganzen Zutaten aus den verschiedensten Thrillerrezepten auch nicht. Keine Pflichtanschaffung, aber für Freunde leichterer Actionkost auch kein völliger Fehleinkauf.

Kommentare:

Shane Schofield hat gesagt…

Ferdinand...muahahah

Succubus hat gesagt…

Hallo Harry.

Früher hast du viel mehr Horror-Bücher besprochen die ich mir meist danach zugelegt habe. Hast du am Genre das interesse verloren, oder gibt es momentan kein guten Titel?

LG

Succubus

harry hat gesagt…

@Shane. Was gibt es da zu lachen? Das IST ein schöner Name - für Leute nahe der 90 oder so. Und der Name wurde im Buch genutzt - zwar für einen der Ureinwohner der Bahamas, aber immer hin.

@Succubus. Keine Sorge, es gibt genug Material, das auch vorliegt (Festa, Voodoo-Press, Luzifer) sorgen da schon für, ABER solche Crime-Titel von Festa wie der "The Gray Man" sind meine absoluten Favoriten und der zweite Grund ist, dass da einem Forumler bei Festa die Bude abgefackelt ist (belegbar) und er von der "Familie" keine Geldspenden will, sondern Lesestoff egal, was. Da ich die fetzigen Crime-Titel nicht rausgebe und die Horrorsachen im Prinzip alle eh schon versprochen sind, lese ich erst einmal etwas "TRahmenprogramm". Es geht bald weiter mit den Horrortiteln, sobald ich dem Burschen ein kleines Packerl hab zukommen lassen.

Gruß
Harry