Donnerstag, 20. August 2015

Buchreview "Das scharlachrote Evangelium" C. Barker

Clive Barker. Die letzten sechs Magier der Erde sind vor Angst erstarrt: Ein Priester aus dem Orden der Zenobiten tötet einen nach dem anderen von ihnen. Pinhead ist sein Name, und aus ihren Leichen stiehlt Pinhead alles Wissen, um seine eigenen dämonischen Kräfte zu stärken. Harry D'Amour ahnt  davon nichts, als er das Haus eines Verstorbenen betritt, um dessen ruheloser Seele Frieden zu geben. Doch dann öffnet sich durch die Magie eines dämonischen Würfels ein Riss zwischen dem Totenreich und der realen Welt und Harry erblickt Pinhead - und der kämpft gegen den Satan persönlich.

Sechs Magier treffen sich in einem Mausoleum, um über ihr Vorgehen zu beraten. Sie sind die Letzten ihrer Zunft und befürchten ebenfalls vom Zenobiten erledigt zu werden. Auf ihn brauchen sie nicht lange warten. Bald ist er mit ihnen fertig und hat nur einen am Leben gelassen, nachdem er die Kräfte der anderen übernommen hatte. Harry übernimmt einen Auftrag, der ihn nach New Orleans führt. Der Geist des Toten namens Goode bat darum, eine Wohnung dort aufzuräumen, um Spuren eines Doppellebens zu vernichten. Dort entdeckt Harry nicht nur, welches Leben sein auftraggeber dort geführt hatte, er foindet auch einen magischen Würfel und als er den in die Hand nimmt, öffnet sich ein Riss in der Welt und gibt den Blick auf den letzten der Magier frei - und auf Pinhead, den Zenobiten. Der will Harry davon überzeugen, seinen Weg zu dokumentieren. Doch der lehnt ab und kann gerade noch so dem Zorn des Pinhead entkommen. Und ab geht es zurück nach New York. Doch Ruhe findet er da nicht. Pinhead hat das Medium Norma, die seit Jahren mit Harry zusammenarbeitet, entführt, um den Detektiv des Übersinnlichen zu ihm zu locken und noch für seine Pläne zu gewinnen. Also bleibt Harry nichts anderes übrig, als sich wieder auf die Reise zu machen und Norma zu retten. 

Sollte meine Frau mal wieder von Appetitzüglern faseln, lass ich sie einfach den Prolog lesen und schon hat sich das Thema erledigt. Der Einstieg ins Mausoleum ist blutig und böse, bleibt nicht ohne gewisse Härten. Und für Leser, die bisher nicht viel über die beiden Hauptfiguren wussten, ist alles so geschildert, dass man die Vorkenntnisse nicht unbedingt benötigt. Selbstverständlich fällt dann aber auch ein Vergleich mit den früheren Werken um die beiden ins Wasser. Ich kenne nur die Filme - und die wurden von mit der Zeit auch immer schlechter. Das gewohnte Bild bei den Sequels heutzutage. Nur Harry erinnerte mich stellenweise fatal an Handyman Jack von F. Paul Wilson und seinen Kampf gegen die Andersheit. Clive Barker ließ es sich nicht nehmen, die Schilderungen der Hölle nicht an die von Kirche und Schule gelehrten Bilder über den Haufen zu werfen und einen völlig neuen Blickwinkel zu erzeugen. Und ein kleiner Seitenhieb Richtung Kirche durfte ebenfalls nicht fehlen. Aber mir kam die Handlung und auch die Figurenzeichnung nicht sonderlich herausragend vor, das waren Allerweltstypen, die coole Sprüche absonderten und sich dann in einem Höllenrausch der Dämonen um Luzifer und Pinhead wiederfinden. Nachdem Harry genötigt wurde, Norma zu suchen, dreht Barker kräftig an der Temposchraube und hält sich an kein Limit. Schauergestalten und Magie, Blut und (Dämonen-)Tod, Pinhead und Harry D'Amour tummeln sich in einem Roman, der sich gut konsumieren lässt, aber oftmals auch recht platt daherkommt. Dennoch ist es Kurzweil mit magischen Momenten, flüssig und deftig, wenn es zum Ende hin um den eigentlichen Wunsch des Pinhead geht, der doch recht simpel gestrickt erscheint. Könnte auch jeder Mafioso sein, der das Imperium seines Bosses übernehmen will. "Das scharlachrote Evangelium" ist okay, keine Frage. Es unterhält, doch leider kann es nicht mitreißen und richtige Spannung kam bei mir auch nicht auf. Trotz des finalen Kampfes auf Biegen und Brechen mit ordentlich drive, würde ich nur ein "gut" vergeben und nicht in Freudentränen ausbrechen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Klingt ja nicht allzu berauschend. Hatte mir mehr erhofft.

Kannst du mir vielleicht sagen, ob Barker tatsächlich bis in die Zeit von Jesus zurückgeht, um die Kirchengeschichte mit seinem Hellraiser-Mythos zu "mixen"?

Er deutete nämlich vor Jahren so etwas an. Aber da sprach er auch noch von einem Roman mit weit über 2000 Seiten. Würde mich mal interessieren, ob er selber gekürzt hat, oder gekürzt wurde. In Sachen Inhalt natürlich. Gewalt sollt heute kaum noch ein Problem darstellen.

Noch eine zweite Frag:
Bietet sich eine Verfilmung an? Oder ist der Stoff kaum verfilmbar?

LG
Doc Holliday

Shane Schofield hat gesagt…

In dieser Art fallen die meisten Kritiken zum Buch aus. Große Fans sind sogar eher enttäuscht. Na, ich bin gespannt.

Harry hat gesagt…

@Doc Holliday. Die Kirche hat keine große Beteiligung am Werk erhalten. Diverse Anspielungen, Vergleiche, aber nichts so, wie du es erwähnt hast. Was ne Verfilmung angeht, würde ich sagen, könnte man machen. Massenhaft CGI und im Kern recht banale Story. Das Buch ist jetzt nicht langweilig, aber auch nicht mitreißend. In der Höllenschlacht ist schon ordentlich Dampf drin, aber es hat mich nicht angefixt. Null. Nada. Niente.

Gruß
Harry