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Montag, 5. November 2012

Bücherreport Oktober 2012

Jon Stock. Verrat in eigener Sache. Ex-MI6-Agent Daniel Marchant ist auf der Flucht. Er hält sich in Marrakesch versteckt und fahndet dort in eigener Sache nach dem gefährlichsten Terroristen der Welt, Salim Dhar. Der Zufall verhilft ihm zu einer heißen Spur: Denn wer hätte vermutet, dass sich Dhar einer alten Tradition seiner Landsmänner und nicht dem Hightech verschrieben hat? Um ihn zu stellen, muss Marchant jedoch einen hohen Preis zahlen: Er muss seinen Vater, dessentwegen er vom Dienst suspendiert wurde, verraten. 
War der Vorgänger "Der Marathon-Killer", der unter dem Originaltitel "Dead Spy Running" auch zur Verfilmung ansteht, noch ein eher mittelmäßiger Agententhriller, der zwar nicht in alle amerikanischen Jubelarien eingestimmt hat, aber leider an Vorhersehbarkeit und einigen Klischees krankte, so ist "Verrat in eigener Sache" eine immense Steigerung, die schon fast an klassische Spionagestories aus dem Kalten Krieg erinnert. Involviert sind die Russen, die Briten, die Amis und natürlich Terroristen. Wer mit wem gerade mauschelt und wer wen hintergeht wechselt ständig. Zwar werden auch hier diverse Klischees bedient, aber die Spannung bleibt hoch, die meisten Figuren undurchsichtig, der Schreibstil flüssig und mit einem recht zynischen Blick auf die Arbeit der verschiedenen Geheimdienste und Regierungen versehen. Keiner dieser amerikahörigen Romane wie man sie von Robinson oder Clancy kennt.

Tom Emerson. Tödliches Gold. Abenteurer Diego Camaro verdient sein Geld mit der Suche nach Artefakten. Die hochdotierte Reality-TV-Sendung kommt ihm da gerade recht: Begleitet von Fernsehkameras sollen Forscher und Glücksritter aller Nationen nach dem legendären Gold der Templer suchen, denn ein verschlüsselter Brief aus dem 16. Jahrhundert gibt neue Hinweise auf dessen Verbleib. Eine Jagd rund um den Globus beginnt, dem Gewinner winkt ein Finderlohn von 100 Millionen Euro. Aber je näher Diego dem Schatz kommt, desto gefährlicher wird es für ihn. Denn längst haben dunkle Mächte aus alten Zeiten die Spur des Schatzes aufgenommen.
Der deutsche Autor Tom Emerson mixt hier sämtliche populären Zutaten der heutigen Zeit wie Reality-TV, Dan Brown, Mystery und Action zu einem flachen Abenteuerroman ohne besonderen Nährwert zusammen. Sollte er beabsichtigt haben, ein Buch zu verfassen, bei dem man den Verstand ausschalten  kann und das man jederzeit zwecks Unterbrechung an die Seite legt, wenn sich was Besseres ergibt, so ist es ihm gelungen. Jedes Klischee wird bedient, aber immerhin wird seine TV-Show zumindest als Fake entlarvt. Kein bleibender Erinnerungsfaktor vorhanden. Muss man wirklich nicht unbedingt haben.

David Ellis. Im Namen der Lüge. Allison Pagone war eine erfolgreiche Autorin, jetzt ist sie tot. Wurde sie ermordet? Je tiefer das FBI in ihre Vergangenheit eintaucht, umso mehr Ungereimtheiten ergeben sich. Könnte ihr Liebhaber etwas mit dem brisanten Todesfall zu tun haben? Stück für Stück entfaltet sich ein Minenfeld aus Intrigen, Verrat und kaltblütiger Berechnung, das bis in die Spitzen des internationalen Terrorismus reicht. Justizthriller, Terrorismus, FBI, Bestechung, Mord und Schuld. Eine Menge Themen für einen Thriller, der noch dazu im Stil des Films "Memento" rückwärts erzählt wird. Und genau damit hatte ich lange Zeit ein Problem, da sich mir über etliche Seiten nicht erschließen wollte, wieso dieser Erzählstil gewählt wurde. Es ging nichts voran, hätte einfach ein normaler Fall sein können. Recht spät führt Ellis die Fäden dann zusammen, löst er den Fall auf. Manches scheint an den Haaren herbeigezogen und das Ende ist möglicherweise ein bisserl zu süß, aber wenn das Buch in die Gänge kommt, ist es dann doch richtig gut und so manche Wendung hat man nicht erwartet. Recht gelungen, wenn auch nicht der Überhammer, bei dem man sich vor Freude überschlägt.

Charles den Tex. Password. Der erfolgreiche Unternehmensberater Michael Bellicher ist ratlos: Seine Freundin, die Anwältin Guusje, verschwindet von einem Moment auf den anderen. Er lässt in der Firma alles stehen und liegen und verfolgt verbissen jeden Hinweis, der sich ihm bietet. Denn irgendwo muss Guusje Spuren hinterlassen haben, schließlich wird im Zeitalter von Überwachungskameras, Mobiltelefonen und Internet jede Bewegung registriert. Und tatsächlich: Bellicher entdeckt, dass sich Guusje in den Händen der osteuropäischen Mafia befindet. Diese kontrolliert ein internationales Netzwerk des Frauenhandels und agiert nicht gerade zimperlich, wenn man sich ihr in den Weg stellt. Im Gegensatz zu den Vorgängern "Die Macht des Mr. Miller" und "Die Zelle" ist "Password" äußerst klischeehaft und beschäftigt sich auch kaum noch mit den Gefahren der virtuellen Welt und der ständigen Überwachung, ob sie nun der Sicherheit oder dem Kommerz dienen soll. Herausgekommen ist nur ein routinierter, konventioneller Thriller, ohne die beängstigenden Szenarien von früher, dafür aber mit einer deftigen Vergewaltigung unter Männern angereichert. Vielleicht was fürs verregnete Wochenende, aber als Bellicher-Roman war das eher nix.

Kevin J. Anderson + Doug Beason. Trinity. Als sich die radikale Atomgegnerin Elizabeth Devane nach einem Sabotageversuch in der Wüste von New Mexico fünfzig Jahre in der Vergangenheit wiederfindet, sieht sie die Chance gekommen, die Zukunft zu verändern. Wenn es im Jahr 1943 gelingt, am Manhattan-Projekt mitzuwirken und die Entwicklung der Atombombe zu verhindern, werden 1945 Hiroshima und Nagsaki nicht zerstört und es wird 1979 nicht zu einem Zwischenfall in einem Kernkraftwerk in Harrsiburg kommen. Aber kann man den Verlauf der Geschichte ändern? Und was, wenn der Plan nicht so funktioniert wie gedacht und alles anders kommt?

Die Angst vor der Atomenergie, eine (mir zumindest) unsympathische Protagonistin und ein Zeitsprung dominieren den 1991 verfassten und beim Atlantis-Verlag erschienen Roman "Trinity". Wie bei dem meines Erachtens langatmigen Stephen King "Der Anschlag" erweist sich auch hier die Zeit als unerbittlicher Gegner. Statt etwas zu verändern, wie sie es sich vorstellte, arbeitet Devane nur tatkräftig an der von ihr verachteten Atombombe mit. Ihre kleinen Sabotageakte führen nur dazu, dass sich das Kriegsgeschehen wandelt, andere Vernichtungswaffen eingesetzt werden, auch ihr Heimatland nun betroffen ist. Trotzdem wird das Denken der naiven, selbstgerechten und rücksichtslosen Aktivistin nicht gewandelt. Am Ende meint sie nur, dass sie wieder so vorgehen wird, egal welche Opfer es fordert. Es war ja nicht sie, die zu den Opfern zählte. Spannung bezieht die Story hauptsächlich daraus, wie sich die Dame in der Vergangenheit zurechtfindet (stellenweise viel zu einfach) und wie die bösen Deutschen nun ins Kriegsgeschehen eingreifen und welche Veränderungen und Konsequenzen  sich aus den Taten der Lady ergeben. Ganz ordentlicher Alternative Reality-Roman, der am Ende noch mit zwei aktuellen Interviews mit den beiden Autoren.abgerundet wird.

Samstag, 29. September 2012

Bücherreport September 2012

Patrick Robinson. Lauschangriff. Die USA stehen vor ihrer größten Herausforderung: Die Geheimdienste wissen um die Aktivitäten der weltweit gefährlichsten Terroristen, die bereits bei der Planung eines schrecklichen Anschlags sind. Doch der National Security Agency sind die Hände gebunden, denn es gibt keine Beweise. Dem Geheimdienst bleibt nichts anderes übrig als eine Mission undercover zu starten. Und niemand anders als der Ex-NavySeal Mack Bedford erhält die Chance seines Lebens.

Patrick Robinson wieder als Verteidiger der freien Welt. Gegen ihn ist Clancy ein Weichei, wenn es um die Glorifizierung der USA und ihrer Truppen geht. Wie schon im Vorgänger ist er völlig außer Rand und Band, verunglimpft Andersdenkende, heroisiert Mord als akzeptable Lösung. Vier vermeintliche Terroristen werden von einem US-Bundesgericht freigesprochen und aus Guantanamo entlassen. Doch wen interessieren dort Gerichtsurteile oder Menschenrechte, wenn sie nicht im Sinne der USA oder Israels sind. Die Israelis bomben die Anwälte zu Klump, keinen kümmerts. Und die Geheimdienste erteilen Bedford den Mordauftrag, die Freigelassenen zu beseitigen - im Sinne der nationalen Sicherheit. Ansonsten sind die Bösen bitterböse und strunzeblöd und die Guten engelsgleich. Die  Liberalen und der derzeitige Präsident zu schwach (Obwohl er schon gelernt hat, wie man Opferzahlen von Drohenattacken schönt. Man bezeichnet per Gesetz  einfach jeden, der in den Angriffsbereich einer solchen Drohne gerät als feindlichen Kämpfer - egal, ob Frauen oder Kinder. Daher auch die publizierten und gefeierten geringen zivilen Todesfälle.), also müssen die Übermenschen der Dienste ran. Zudem ist das ganze Werk bis auf ein paar Actionsprenkel recht fade.

John Grisham. Verteidigung. Als Harvard-Absolvent David Zinc Partner bei einer der angesehensten Großkanzleien Chicagos wird, scheint seiner Karriere nichts mehr im Weg zu stehen. Doch der Job erweist sich als die Hölle. Fünf Jahre später zieht David die Reißleine und kündigt. Stattdessen hewuert er bei Finley & Figg an, einer auf Verkehrsunfälle spezialisierten Vorstadtkanzlei, deren chaotische Partner zunächst nicht wissen,was sie mit ihm anfangen sollen. Bis die Kanzlei ihren ersten großen Fall an Land zieht. Der Prozess könnte Millionen einspielen - die Feuertaufe für David.

Immerhin bezeichnet  man Grishams Romane mittlerweile nicht mehr als Thriller, denn davon ist er weit entfernt. Vorbei die Zeiten von "Die Firma" oder "Die Akte". Er widmet sich derzeit eher schmusigen kleinen Anwaltsgeschichtchen zur Unterhaltung ohne großen Nährwert. Eingestreut ein bisschen Humor, erweist sich "Verteidigung" doch als recht zähe Angelegenheit, die nur für Fans noch von Interesse ist. Sein Hauptaugenmerk liegt auf den kleinen Problemchen seiner Anwälte (nicht den beruflichen), statt einen spannenden Gerichtsthriller abzuliefern. Gerade gut genug, wenn man sich mit ein paar Seiten des Abends müde lesen will. Wer wirklich gute Justizthriller lesen will, sollte mal zu David Ellis oder John Lescroart greifen.

Jon Stock. Der Marathon-Killer. Der MI6-Agent Daniel Marchant läuft das Rennen seines Lebens: Denn wenn einer der Teilnehmer am London Marathon das Tempo verringert, wird eine Bombe hochgehen und mit ihr der US-Botschafter. Die atemberaubende Rettungsaktion gelingt und Marchant ist der Held des Tages - bis er der Mittäterschaft verdächtigt wird. Beim Versuch seinen Namen reinzuwaschen, muss er jedoch entdecken, dass die Folgen eines sehr persönlichen Verrats die Sicherheit der gesamten westlichen Hemisphäre gefährden könnten.

Obwohl "Dead Spy Running" (Originaltitel) zur Verfilmung ansteht, ist er kein wirklich herausragendes Werk im Meer der vielen Romane um Terrorismus. Gutes Mittelmaß mit etlichen Klischees und leicht vorhersehbar kann man ihm attestieren. Liest sich zwar recht flüssig, lässt aber Überraschungsmomente vermissen und da einige Fäden lose bleiben, folgt auch noch ein zweiter Teil mit dem Titel "Verrat in eigener Sache".

Howard Linskey. Crime Machine. David Blake hat eine weiße Weste. soweit man in Newcastle eine haben kann, wenn man als Berater für einen skrupellosen Gangsterboss arbeitet. Als zigtausend Pfund Schutzgeld verschwinden, kommt David jedenfalls reichlich ins Schwitzen. Er hat 72 stunden, das Geld wieder aufzutreiben, sonst ist er ein toter Mann.

Dieser Einkauf hat sich gelohnt. Brit-Noir vom Feinsten. Anhand des Klappentextes eher wenig originell, entwickelt sich die Story nach und nach zu einem echten Reißer und bekommt gegen Ende so richtig Fahrt. Die Suche nach dem Geld gestaltet sich nicht einfach und schon bald stellen sich erste Überraschungen ein. Dazu erlaubt sich David ein Verhältnis mit der Tochter vom Boss. Wäre eine böse Falle, wenn sich nicht kurz darauf die Ereignisse derart überschlagen würden, dass dies kein Thema mehr ist. Und wer hier einen heldenhaften, gesetzestreuen Protagonisten erwartet, ist schief gewickelt. Eigentlich ist David ein echter Unsympath, der die Freundin mit den Worten "Dich geliebt? Ich kann dich noch nicht mal leiden." abschiebt. Er macht zwar eine gewisse Wandlung durch, aber nicht wirklich zum Besseren. Ein deftiger Gangsterthriller mit Witz und Gewalt, dafür ohne Geschwafel.

Montag, 10. Oktober 2011

Bücherreport September 2011

Der August ist mangels Masse ja schon ausgefallen und der September wird auch nur in einer Kurzversion präsentiert. Doch nächsten Monat wird es wieder mehr, ganz sicher.
41. John Milius und Raymond Benson. "Homefront - Stimme der Freiheit". Game-Roman. Der abgehalfterte Reporter Ben Walker hätte nie damit gerechnet, dass sein Land - die glorreichen Vereinigten Staaten - einst so am Boden liegen würde. Die neue Supermacht des Vereinigten Korea nahm Nordamerika quasi im Handstreich. Einer massiven Cyber-Attacke folgte ein EMP, der die gesamte Technologie der USA lahmlegte - zivil und militärisch. Nun beginnt die eigentliche Invasion mit Truppen. Auf der Flucht vor den Koreanern stellt Walker fest, dass die Armee zwar schwer getroffen wurde, aber immer noch Kampfeswillen hat. Walker findet seine Bestimmung. Mit einem Piratensender versorgt er die US-Truppen mit Infos über den Feind. Immer verfolgt von den Koreanern.
Wie schon im Red Dawn-Remake traut sich die selbsternannte Weltpolizei und allmächtige Nation zur Verbreitung der Demokratie nach ihrem Gutdünken nicht, ihren größten Gläubiger China als Feindbild herzunehmen. Wenn sie das schon so in Buch und Film zum Anbiedern nutzen, sagt das einiges über die Führung, die Nation und ihren Schuldenstand aus. Für Feigheit vor dem Feind wird man doch noch füsiliert, oder? Naja, Herr Milius ist ja für seine Gesinnung bekannt und die gibt er auch hier zum Besten. Deutlich kann man seine Kritik an den Budgetkürzungen für die Waffengattungen und Geheimdienste vernehmen, man bekommt sie fast schon in die Fresse gehauen. Ginge es nach ihm, wäre hartes Durchgreifen und Interessendurchsetzung mit Gewalt an der Tagesordnung. Hurrapatriotismus allerfeinster Güte mit markigen Sprüchen (Für die Ehre, Killt die gelben Schweine) und gewohntes Schwarz-Weiß-Bild. Hier die heldenhaften und aufopferungsbereiten Verteidiger ihres Vaterlandes, dort die kleinen, miesen und hinterhältigen Drecksäcke, die die schöne, stolze Nation der Freien (wenig gebildeten und finanziell ruinierten) unterjochen wollen ohne Rücksicht auf Verluste und sich sogar Gas oder biologischer Waffen bedienen und die unschuldige Bevölkerung leiden lassen. Davon abgesehen eine unterhaltsame, actionreiche Mär, ein Guerilla-Stück amerikanischer Prägung, das keinen bleibenden Eindruck hinterlässt, aber für den Moment den Hunger stillt. 6/10.
42. Dirk van den Boom.Kaiserkrieger 1 + 2 - Die Ankunft 1 und Der Verrat 2. Zeitreiseabenteuer. Kurz vor Beginn der WK1 bricht der Kleine Kreuzer Saarbrücken auf, um seine letzte Fahrt anzutreten, bevor er außer Dienst gestellt wird. Doch auf der Höhe von Portugal gerät das Schiff in ein rätselhaftes Phänomen und man findet sich im Mittelmeerraum des Jahres 378 wieder.
Im Gegensatz zu Filmen wie "Der letzte Countdown", wo mehr über eine mögliche Veränderung der Zukunft durch ein Eingreifen in Kampfhandlungen diskutiert wurde und demzufolge vor lauter Reden und Vorhersagen nichts passierte, wird hier ordentlich in die Geschichtsschreibung reingepfuscht. Die Neuankömmlinge zeigen einer römischen Galeere gleich mal, was ne Harke ist und wenden sich dann den damaligen Herrschern zu, um über ihren Verbleib zu verhandeln. Mit ihren modernen Waffen sind sie den Römern natürlich willkommen und machen sich aufgrund ihrer Geschichtskenntnisse auch sogleich nützlich, indem sie von Angreifern wissen, die das Reich überfallen wollen und diese dementsprechend niedermachen. Da sie an Bord auch kanpp 200 Infanteristen unter Waffen sowie einen LKW haben, können sie sich auch gegen Feinde an Land durchsetzen. Ihnen ist aber auch klar, dass ihre Vorräte und Munition sowie die allgemeine Haltbarkeit ihrer Waffen oder des Schiffs nicht unbegrenzt von Dauer sind. So beginnen sie mit dem Anlernen von Arbeitskräften und dem Bau von Werften und Fabriken. Rom wird industrialisiert. Naja, und Bier und Schnaps brauen sie auch - Deutsche halt. Es wäre nicht der römische Kaiserhof, wenn es nicht Neider und Intriganten gäbe, die die Fremden lieber tot sähen. Dazu mauschelt die Kirche mit und der eine oder andere Verräter, der sich vom Kommandanten ungerecht behandelt fühlt, findet sich auch auf der Feindesliste. Überraschend gute Werke aus deutscher Feder, die mit Action, Intrigen und etwas Geschichte aufgepeppt wird. Und auch noch mit mindestens zwei Bänden weitergehen wird, bei denen sich die Deutschen dann drauf einstellen müssen, dass auch die Hunnen und andere Gegner lernfähig sind und der erste Eingriff in historische Abläufe weitere zur Folge haben wird - nicht nur von eigenen Seiten aus. 7/10
43. Anonymus. Das Buch ohne Gnade. Horror-Komödie. Ein Hotel irgendwo in der Wüste. Etwas Großes steht bevor. Abgehalfterte Musiker und eine Handoll Zombies machen sich auf den Weg zum Festival, das unter dem Motto "Back from the dead" steht. Die Teilnehmer sollen längst verstorbene Stars imitieren. Keiner von ihnen ahnt, dass sie dem Tod näher sind als ihnen lieb ist. Denn ein weiterer Gast steht auf der Liste: Ein schlecht gelaunter Killer namens The Bourbon Kid.
Was beim ersten Buch noch putzig und schön trashig daherkam, dass es eine Freude war, hat schon mit dem zweiten begonnen leicht zu loangweilen und Buch drei ist trotz der netten Idee, die daherkommt, wie eine dieser dämlichen Privat-TV-Casting-Shows, die Teilnehmer des Deppenwettbewerbs zu killen und von Zombies niedermachen zu lassen, wirkt das Ganze mittlerweile abgedroschen und nicht nur die Figuren tauchen immer wieder auf, sondern leider auch die Gags. Las sich wie ein schnell zusammengeschusterter Nachfolger, um die Kuh Kunde noch zu melken, solange dies möglich ist. Muss man nicht unbedingt lesen. 4/10.
44. Donald E. Westlake. Mafiatod. Krimi. Ray trifft nach Jahren in der Air Force seinen Vater in New York wieder. Als beide über den Highway fahren, taucht plötzlich ein Chrysler auf der Überholspur auf. Der Beifahrer dreht die Scheibe runter und beginnt sofort zu schießen. Einen Monat später erwacht Ray im Krankenhaus - ihm fehlt ein Auge und sein Vater ist tot. Ab jetzt gibt es für ihn nur noch Rache.
Ein typischer Vertreter der alten Hardboild-Schule. Keine gnade. Knochentrocken und humorlos geht die Story ihren Gang. Keine Fissimatenten, kein unnützes Drumherum.Der Protagonist geht stracks auf sein Ziel los und muss am Ende noch die eine oder andere Überraschung verdauen. Wer Sachen wie "Point blank" mit Lee Marvin zu schätzen wusste, dürfte hier voll zufriedengestellt werden. Kurz und knapp, ohne große Schnörkel auf den Punkt gebracht. 7/10.

Sonntag, 7. August 2011

Buchreview "Am Ende der Strasse" + Bücherreport Juli

Brian Keene. Wenn das Licht erlischt, gilt es, folgende Sicherheitsvorkehrungen zu treffen: Regel #1: Versorge Dich mit Lebensmitteln, solange Du noch kannst. Regel #2: Geh Deinen Nachbarn aus dem Weg, solange Du noch kannst. Regel #3: Geh niemals hinaus in die Dunkelheit.
Eigentlich sollte es ein gewöhnlicher Tag werden in Walden, Virginia. Doch als die bewohner der kelinen Stadt morgens erwachen, stellen sie fest, dass der Rest der Welt sich scheinbar in Luft aufgelöst hat: GANZ Walden ist in pechschwarze Dunkelheit gehüllt, die Telefonleitungen sind tot und das Wasser versiegt. Ein Rettungstrupp wird losgeschickt, um in der Nachbarstadt Hilfe zu holen - und verschwindet auf Nimmerwiedersehen in der Dunkelheit. Pizzalieferant Ribbie Higgins, der sich mit seiner Freundin und zwei weiteren Bewohnern des Hauses vorerst mal kiffend bei Laune hält, macht sich langsam aber dann doch Sorgen und möchte der vermeintlichen Bedrohung auf den Grund gehen. Neben der undurchdringlichen Schwärze, die den Ort umringt, der selbst eher von einer Art Abenddämmerung beherrscht wird, muss er sich aber auch der Tatsache stellen, dass die Bürger der 11.000-Seelen-Stadt, die noch im Ort sind, so nach und nach durchdrehen und die öffentliche Ordnung den Bach runtergeht. Mord, Totschlag und religiöser Fanatismus gewinnen die Überhand als sich die Erkenntnis durchsetzt, dass es wohl kein Entkommen gibt. Nur der Obdachlose Dez scheint Robbie mehr sagen zu können und zumindest eine Ahnung zu haben, was hinter den unheimlichen Vorkommnissen steckt, die ihre Nachbarn zu Bestien werden lassen.
Obwohl der Roman mit nur 350 Seiten bei recht großem Schriftbild und entsprechenden Zeilenabständen recht kurz ist, hat Keene es geschafft, hier so den einen oder anderen Punkt an Gesellschafts- bzw. USA-Kritik unterzubringen. Was denn alles passieren kann, wenn sich jeder Dödel bewaffnen darf und aus heiterem Himmel eine schier ausweglose Situation entsteht, wie sich Menschen mittlerweile in der als Informationszeitalter gehypten Gegenwart nicht mehr mit ihren direkten Nachbarn oder Kollegen unterhalten, kaum noch Beziehungen zu anderen haben, obwohl sie arbeitslos sind und lieber in der realen Welt Kontakte knüpfen sollten, um sich vielleicht wieder in Lohn und Brot zu bringen, stattdessen aber tagelang vorm PC hocken und unsinnige News konsumieren/verbreiten und dann mit ihrem "Wissen" prahlen oder sich über andere User anonym zu erheben und sich als Aufmerksamkeitsjunkie übelster Form zu erweisen, da sie ansonsten niemand mehr beachten würde. Da werden mit einem Nick versehene Kunstfiguren, die sie nie gesehen haben entweder als Freunde bezeichnet oder runtergemacht, anstatt sich erstmal der eigenen - mehr oder weniger intensiv vorhandenen - Mängel bewusst zu sein. Statt Information herrscht Entfremdung und viele dieser Klientel scheint dann außerhalb der virtuellen Welt kaum noch lebensfähig zu sein. Natürlich darf auch der religiöse Aspekt, den Keene in den meisten seiner Bücher bevorzugt, nicht fehlen und so tauchen in der Story schnell die ersten auf, die sich auf Gott oder andere höhere Mächte berufen. Das tiefste Mittelalter findet im 21. Jahrhundert in Walden schnell wieder eine Heimat. Und so liegt sein Fokus auch auf der Veränderung der Menschen in Walden während dieser Drucksituation. Sehr originell kommt seine Story aber nicht daher, denn Brian Keene hat munter bei Autorenkollegen gerippt, dass man sich schon in der schriftstellerischen Asylum-Falle wähnt. Ob nun "Der Nebel" und "Die Arena" (unter anderer Vorraussetzung) von Stephen King oder eigene Werke, alles wird munter gemixt und eine einigermaßen vorhersehbare Geschichte draus gestrickt. er spielt mit den Urinstinkten der Menschen in Extremsituationen, ihrer Angst vor der Dunkelheit, die schon seit Anbeginn ihr Denken beherrscht. Natürlich versucht der Verlag weiterhin mit den Aufklebern Keene zum neuen Laymon aufzubauen, doch hier kann man nur sagen, dass Keene zwar ohne die obligatorischen Längen von Laymon auskommt, aber einen zwar gut konsumierbaren doch auch sehr schlichten und wenig bemerkenswerten Stil an den Tag legt. Wirkliche Härten oder Splatter sind kaum vorhanden und das Ende ist..... Wer Keene kennt, ahnt es schon. Insgesamt ein Horrorgeschichtchen, das mehr ein Stückwerk anderer Autoren ist und nicht viel hermacht. Schnell zu lesen und schnell zu vergessen. Geht so. Brian Keene hat mit "Die Wurmgötter" oder "Das Reich der Siqqusim" und "Kill Whitey" schon weitaus bessere Bücher abgeliefert und wird mit fortlaufender Zeit immer schwächer und gehaltloser. Vielleicht liegt es aber auch an mir, da ich nicht nur die Autoren an ihrer bisherigen Bestleistung messe, sondern so nach und nach, wenn ich mehrere Bücher desselben Verfassers konsumiert habe, immer kritischer werde und es passieren kann, dass er mich zu langweilen beginnt, wenn er nicht zwischendurch mal wieder einen richtigen Kracher abliefert, der vom gewohnten Schema abweicht (oder der vielleicht auch nicht schon vor Erscheinen in deutschen Buchregalen vom Verlag gekürzt wurde). Richard Laymon ist hier ein Paradebeispiel, den lese ich fast nur noch aus Gewohnheit oder in der Hoffnung, dass noch mal was Besonderes aus seiner Feder veröffentlicht wird. Hier könnte der Aufkleber vom Verlag auch passen. Keene ist mein neuer Laymon. Ich warte auf Besserung.
Bücherreport Juli 2011:
32. Christopher Reich. Geblendet. Thriller. Eine Lawine in den Schweizer Bergen reißt Jonathan Ransom in die Tiefe. Er überlebt, seine Frau wird für tot erklärt. Später erhält er im Hotel einen Brief, der an seine Gattin gerichtet ist. Ein schließfachschlüssel bringt ihn in den Besitz brisanter Dokumente. Ein hervorragender Thriller, der seinen Protagonisten vor schier unüberwindliche Herausforderungen stellt und ihn mit Polizei, CIA, Israelis sowie etlichen undurchsichtigen Figuren konfrontiert. ein nahezu perfektes Buch mit dem bekannten "Wem kannst Du trauen?"-Muster, aber so spannend, verwinkelt, voller Wendungen und auch Action, dass er mich sehr positiv überrascht hat. 8/10.
33. Christopher Reich. Getäuscht. Thriller. Als der Arzt Jonathan Ransom in London in ein Attentat auf den russischen Außenminister platzt, zerbricht sein Leben in Scherben, wie er es sich nach den Ereignissen in der Schweiz nicht vorstellen konnte. Die Polizei verdächtigt ihn, mit den Drahtziehern in Verbindung zu stehen. Aber er ist unschuldig und flieht. Unterdessen haben die wahren Attentäter schon ein neues Ziel ausgemacht, das Tausenden das Leben kosten würde. Wie schon der Vorgänger "Geblendet" und auch der Erstling "Das Nummernkonto" aus den späten Neunzigern hat das Buch alles, was ein wirklich ordentlicher Thriller braucht, um den Leser zu begeistern und sich zu einem wahren Kracher zu entwickeln. Reich hat gut recherchiert und ist narrativ etlichen seiner Kollegen überlegen. Trotz des einen oder anderen kleinen Mangels auch hier wieder (mit nem kleinen Bonus für die Vorgänger) eine 8/10.
34. Stephen Frey. Das Delphi-Projekt. Thriller. Connor Ashbys Leben gerät von einem moment auf den anderen aus den Fugen. Der junge Investmentbänker erhält eine geheimnisvolle E-Mail, die auf illegale Finanzgeschäfte hinweist. Kurz darauf wird seine Freundin ermordet, seine Wohnung verwüstet. Seine Nachforschungen stoßen ihn auf eine geheime Gruppe, die in Machenschaften unerhörten Ausmaßes verwickelt ist. Und er selbst ist nur eine Bauernfigur in deren Finanzschach. Irgendwie erschrecken aktuell ist dieser 2004 geschriebene Thriller, wenn man an die Finanzkrise, deren Jongleure und die Politiker denkt, die alle weitermachen als wäre nichts gewesen und stattdessen mit Steuergeldern marode Unternehmen, Staaten und unersättliche Gierhälse (auch sich selbst?) finanzieren. Komplexer, spannender Thriller, der zwar nicht ohne Kilschees auskommt und auch einen oder zwei markante Schwachpunkte aufbieten kann, aber dies durch wirklich gute Unterhaltung mit einigen Wendungen ausgleichen kann. 6/10.
35. Timothy Zahn. Black Collar-Trilogie. Military-SciFi. Sie sind die einstige Elitetruppe des menschlichen Imperiums: Die Black Collars. Doch die ehemaligen Soldaten sind müde geworden und in alle Himmelsrichtugen zerstreut. Doch dann dringt eine technisch hochgerüstete Kriegerzivilisation weit in den Herrschaftsbereich der Menschheit ein und besetzt Planet um Planet. Das Imperium steht vor dem Fall. Doch die Black Collars kehren zurück und stellen sich dem Kampf. Vom Feind besetzte Terra-Planeten, Untergrundbewegungen, Spionageaktivitäten, chemische Mittelchen gegen den Alterungsprozess oder zur Kraft- und Kampfeswillensteigerung bilden den Rahmen im 25. Jahrhundert. Einen Mangel an Action kann man dem Dreiteiler nicht unbedingt vorwerfen, aber es mangelt an Spannung und Abwechslung. Der Roman könnte auch im WKII in Frankreich spielen und Untergrundbewegungen gegen die Nazis als Hauptfiguren haben. Trotz der durchaus vorhandenen Action mit der Zeit (1100 Seiten) etwas ermüdend. Hat mich also nicht wirklich gepackt. 5/10.
36. Graham Brown. Black Sun. Thriller. Nachden Abenteuern im brasilianischen Urwald, die in der Entdeckung eines mysteriösen, Energie abstrahlenden Artefakts mündeten, finden Danielle Laidlaw und ihr Team heraus, dass auf der Welt drei weitere dieser unheimlichen Gerätschaften verborgen sind und sie müssen sie bis zum 21.12.2012 gefunden haben, da sonst das Schicksal der Menschheit besiegelt ist. Fortsetzung zu "Black Rain" mit dem derzeit unvermeidbaren Thema des Maya-Kalenders und der Vorhersage des Weltuntergangs. Schlagworte wie "der neue Michael Crichton" oder "rasante Non-Stop-Action" lassen wir mal lieber außen vor. Zu dick aufgetragene Verkaufsförderung. Im Ergebnis in schlichter Sprache simpel gestricktes Abenteuer mit einem relativ normalen Actionanteil, das sich zügig und ohne Überbeanspruchung der Hirnfunktion konsumieren lässt. Nette, unterhaltsame Fast-Food-Unterhaltung für den gedankenlosen Leseabend. Mehr nicht. Irgendwie alles schon mla dagewesen und oft auch besser. Geht so. 5/10.
37. Joseph Garber. Milliardenpoker. Wirtschaftsthriller. Scott Thatcher ist Chef von PegaSys, einem der größten Computerunternehmen der Welt. Aus heiterem Himmel erreicht ihn die Nachricht, dass PegaSys von einem weitaus kleineren Unternehmen geschluckt werden soll. Was sich zunächst wie ein Witz anhört, entpuppt sich alsbald als ernstzunehmende Drohung. 1989 verfasst und daher nicht mehr topaktuell, wie man allein an den für heutige Verhältnisse niedrigen Managergehältern ersehen kann, ist die Story aber gespickt mit humorigen Anmerkungen und subtilem Witz. Flüssig, spannend, interessant in den Winkelzügen hinter den Kulissen (Finanzierung des Deals) und somit guter Lesestoff, der ohne Krawallaction auskommt (und mir trotzdem gefallen hat). Netter Hieb gegen die Formen des westlichen, amerikanisch geprägten Kapitalismus. 7/10.
38. Steve Jackson. Der Anschlag. Thriller. In ganz London herrscht Fassungslosigkeit und Entsetzen. Zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit wurde die Stadt von Attentätern heimgesucht, und zahlreiche Menschen sind bei den Bombenanschlägen ums Leben gekommen. Paul Aston, ein junger MI6-Agent heftet sich den Tätern an die Fersen. Hat nicht viel Rasanz zu bieten und das Wort fesselnd wäre hier noch geprahlt. Ein Allerweltsdoppelspiel, das kaum Überraschungen oder Wendungen zu bieten hat. Nach rund 50 Seiten ist alles klar, selbst für einen Leser, der sich nicht oft mit dem Genre befasst. Hatte zuvor noch nie von dem Autor gehört und werde mich nach diesem Werk auch nicht weiter drum bemühen. 4/10 sind noch gut gemeint.
39. R. Scott Reiss. Todesspiel. Thriller.Der brasiliansiche Leibwächter Rubens kann den tödlichen Anschlag auf seinen Arbeitgeber, den Provinzgouverneur, nicht verhindern. Als dann auch noch seine Frau ermordet wird, weiß er, dass er im Visier der Täter ist. Gemeinsam mit seiner Tochter begibt er sich auf eine halsbrecherische Flucht und sinnt auf Rache. Da meine Erwartungen an seinen Erstling "Black Monday" weit unterschritten wurden, habe ich ebendiese beim neuen Werk von R. Scott Reiss um einiges zurückgeschraubt und musste feststellen, dass dies mehr als nur gerechtfertigt war. Die erwähnte "halsbrecherische Flucht" wird schnell abgehakt und dann sein Leben im neuen Domizil geschildert, bevor es etwas temporeicher wird. Das gewählte Thema über den Schindluder mit Geld- und Sachspenden durch Regierungen und/oder Privatpersonen an Krisennationen und der Missbrauch dieser Gelder ist eigentlich sehr selten in der Spannungsliteratur und hätte einen besseren Roman verdient als das Gebotene. Heraus kam nur Massenware, die die Problematik nur anreißt und ansonsten in einen konventionellen Thriller mündet, der nebenbei die Subkultur der illegalen Einwanderer in New York beleuchtet (ziemlich klischeehaft übrigens). Konnte wie der Vorgänger nicht überzeugen. Gelesen, abgehakt - gutmütige 5/10.
40. Joseph Garber. Im Auge des Wolfs. Thriller. Jack Taft, Manager in einem großen amerikanischen Unternehmen, ist einfach ein friedfertiger Mensch. Geschäftlich in Singapur gerät er völlig ahnungslos zwischen die Fronten von Polizei und Unterwelt. Es entspinnt sich ein Kampf auf Leben und Tod. Nicht immer logisch, aber dafür ordentlich fetzig. Nicht brutal, aber dramatisch-temporeich. Vollgepackt mit rasanter Action mutiert der eigentlich zurückhaltende Managertyp mit dem äußeren eines typischen Bürohengstes stellenweise zum Rambo. Hinterlistige Intrigen und hemmungslos gierige Zeitgenossen in einem Staat, dessen Gesetze mit dem Wort rigoros noch unzureichend beschrieben sind, hetzen den armen Kerl durch die Stadt und die angrenzenden Sümpfe des eher diktatorisch geführten Landes, zu dem es sich nach dem Abzug der Briten entwickelt hat. Das Buch hätte man durchaus auch "Ein Mann wird zum Zerfetzer" nennen können. Klasse Manhuntthriller von Joseph Garber. 7/10.

Samstag, 2. Juli 2011

Bücherreport Juni 2011

Da in letzter Zeit einiges den Weg in meine Sammlung fand und eine jeweilige umfangreiche Besprechung den hiesigen Rahmen sprengen würde, hab ich den Bücherreport mal wieder belebt. Wie gewohnt halten sich in der Masse Highlights sowie echte Gurken auf.
20. Patrick Robinson. Mission auf Leben und Tod. Thriller. Das Schlimmste kommt zu Anfang. Dieses Werk ist einseitig, menschenvera
chtend, mit übelsten Verunglimpfungen versehen und zudem noch zum großen Teil todlangweilig. Aus den 500 Seiten hätte man gut und gerne 150 machen können und es hätte auch gereicht. Da wird eine fragwürdige Botschaft rübergebracht (Seal killt im Irak Unbewaffnete Gegner, die sich ergeben wollen, wird vom - eigenen - Kriegsgericht unter ganz spezieller Auslegung nationaler und internationaler Gesetze so gut wie freigesprochen, aber auch freigestellt, kommt in die Heimatstadt, wo eine Magnat die arbeitgebende Werft sein eigen nennt, die nun am Abgrund steht, weil ein französischer Präsidentschaftskandidat keine Kriegsschiffe mehr dort bauen lassen will und so kommt man zum schluss, dass man ihn halt einfach umlegt. Also hat der Seal wieder eine Aufgabe. All das wird gerechtfertigt mit den Umständen, dass der supertapfere Seal, der in allem der Beste, Schönste, Klügste und Härteste ist, auch ncoh einen kranken Sohn zu versorgen hat - Tränendrüse hoch drei - und eine Operation in der Schweiz ne lockere Million kostet und der Werftbesitzer ja nur Gutes für seine Heimatstadt und die von ihm so geliebten Arbeiter will.), mit sanktioniertem Mord an einem ausländischen Präsidentschaftskandidaten, der nicht im Sinne von US-Unternehmer handelt. Aber da die Europäer eh nur widerspenstige Ausländer sind und die Kriegsgegner nur Pack, stört da ja gar nicht. Dass der Franzose Waffenproduzent und -lieferant ist, weiß vorerst nur der Leser, nicht die Protagonisten. Wird eh nur als Alibi für den Kill herangezogen. Kommt vielleicht in den USA an, ist einseitiger und so weit rechts angesiedelt als ein Clancy je war und mit dem gedehnten und tränenseligen Mittelteil auch noch fad. 2/10
21. Jack Ketchum. Die Schwestern. Horror-Western. Eine knapp 70-seitige Novelle, die im Bereich des Western um 1848 angesiedelt ist und zum Teil auch wirklich wie ein normaler Western daherkommt. Doch nachdem sich die Protagonsiten gefunden haben und zur Tat schreiten, entwickelt sich eine brutale Befreiungsaktion, die es in sich hat. Drei Männer - darunter der Erzähler Marion T. Bell - begegnen Elena, deren Schwester von einer grausamen Bande im Grenzgebiet zu Mexiko gefangen gehalten wird und als Sexsklavin angeboten wird. Als sie auf die feindliche Truppe stoßen wird es blutig. Coole Typen im Eastwood-Stil, trockene Dialoge und markige Sprüche umrahmen Schießereien und Folter. Es fließt wieder Blut im Westen. Wer die bisherigen in Deutschland erschienen Bücher von Ketchum gelesen hat, muss aber umdenken. "Die Schwestern" ist nicht die gewohnte Kost. Ebenfalls von Nachteil ist der doch recht happige Preis für die geringe Seitenzahl. Hat mir trotzdem gefallen, daher 7/10.
22. Ronald Malfi. Snow-Die Kälte. Horror. Und hier eine der positiven Überraschungen.
Amerikas mittlerer Westen schneit zu, und alle Flüge werden gestrichen. Für Todd Curry, einen geschiedenen Vater auf dem Weg zu seinem Sohn, ist das schlimm genug. Kurz entschlossen macht er sich mit drei anderen "Gestrandeten" im Auto auf den Weg durch die Kälte. Doch als sie einen zerlumpten und verletzten Anhalter mitnehmen, der sie schließlich in ein eingeschneites Städtchen führt, beginnt für ihn eine Odyssee des Grauens. Denn draußen im Schnee lauern SIE, und SIE haben immer Hunger. Guter, alter Horror, der nie langweilt und an die guten Darbietungen eines Stephen King erinnert. Einfach, aber gekonnt entwickelt Malfi eine Story, die spannend ist, da auch der Leser nie weiß, was da imSschnee umgeht oder die Protagonisten noch erwartet. Hin und wieder kommen mal kurz Erinnerungen an "Die Körperfresser kommen" auf, doch auch andere Elemente halten Einzug in die Geschichte. Da werden tatsächlich Körper gefressen, aber eher in Zombie-Manier. Da wird gehetzt, gekämpft und geblutet und ein allzu zuckersüßes Happy-End gibt es auch nicht. Vielleicht nicht die innovativste Story des Jahres, aber dafür eine äußerst gelungene. Hoffentlich kommt von Malfi noch mehr. (Hier gibt es später noch "Tod in Neverland"). 8/10
23. Taavi Soininvaara. Der Finne. Thriller. Ein Professor wird von seinem Vater mit WKII-Vergangenheit auf eine Schnitzeljagd nach einem Dokument geschickt, die sich als nicht ungefährlich erweist, da verschiedene andere Gruppierungen ebenfalls hinter dem Papier her sind. Der Ermittler Ratamo wird von seinem Ziehvater während seines Urlaubs gebeten, dem Prof und einer Führerin bei der Suche zur Seite zu stehen. Was sie nicht ahnen ist, dass das Dokument das gesamte Weltbild durcheinander und die Russen schwer in Verlegenheit bringen könnte. Also versuchen diese mit Gewalt die Veröffentlichung zu verhindern. Ein sehr spannender Thriller um die Befindlichkeiten des Nordstaates mit seinem übermächtigen Nachbarn. Wendungen, Allianzen, Erpressung und eine Art Dan Brown in Finnland machen das Buch aus. Von einem Ort zum anderen, von einer Falle in die nächste hetzen die drei Finnen und weder sie noch der Leser wissen, was wirklich hinter der ganzen Sache steckt. Eingebettet in etliche Informationen zu Finnland und dessen Nachbarn Russland entwickelt sich eine spannende Story, die typisch Soininvaara ist. Guter Skandi-Thriller. 6/10.
24. James Rollins. Das Flammenzeichen. Thriller. Drei Morde, jeder auf einem anderen Kontinent, erregen die Aufmerksamkeit von Painter Crowe, Agent der Sigma-Force. Bald findet er heraus, dass Ivar Karlsen – Vorstandsvorsitzender eines der größten Konzerne der Welt – darin verwickelt ist. Crowe reist nach Norwegen, um dem mächtigen Wirtschaftsboss auf den Zahn zu fühlen. Doch auch Karlsen ist lediglich ein Strohmann für noch Mächtigere. Die mysteriöse Gilde – eine verbrecherische Söldnerorganisation, die mit Hightech und uraltem Geheimwissen nach Macht und Einfluss strebt – hat mit Karlsens Hilfe ein Mittel gefunden, jeder Regierung der Erde ihren Willen aufzuzwingen. Nur Painter Crowe und die Sigma-Force wissen von dem schrecklichen Plan. Aber um ihn zu verhindern, müssen sie zunächst den brutalen Angriff der Gilde überleben. Wissenschaft und Action paart Rollins auch in seinem neuesten Abenteuer der Sigma-Force. Sprachlich schlicht, aber dafür äußerst unterhaltsam mit einer Menge rasanter Ereignisse und etlichen Konfrontationen geht die Story stellenweise in einem Höllentempo voran, lässt den Leser auch ein ein paar Logiklöchern teilhaben und hat sich an den Kapitelenden öfters des Stilmittels Cliffhanger bedient und hält den geneigten Käufer so bei der Stange. Ende übrigens wieder offen, der - wenn auch dünne - rote Faden der vorherigen Bücher wird fortgeführt. Man bezeichnet ja hin und wieder Rollins als legitimen Anwärter auf den Actionthron, doch a) hat er da noch Konkurrenz wie Jeremy Robinson, Andy McDermott, Patrick Lee ("Die Pforte") oder auch Jack DuBrul (Soloroman "Havoc-Die Verwüstung"), der ja in unseren Breitengraden hauptsächlich als Co-Autor (und da der bis jetzt beste) von Clive "ich werd wie Clancy" Cussler bekannt ist und b) kommt Matthew Reilly mit Shane Schofield, um dem Gebrabbel um eine Ablösung der Herren der Action ein Ende zu bereiten. Aber 7/10 ist er schon wert.
25. Rob Scott. 15 Meilen. Horror (?). Samuel Doyle, gerade erst ins Morddezernat versetzt, wird zu seinem ersten Fall gerufen, und der hat es in sich: Auf einer gottverlassenen Farm im ländlichen Virginia wurden die Leichen des Ex-Marines Carl Bruckner und seiner Frau gefunden. Womit Doyle jedoch nicht gerechnet hat: Die Rache des verstorbenen Marines kennt keine Grenzen – nicht einmal den Tod. Hätte man dieses Buch als düsteren Thriller mit Drama-Elementen angepriesen, wäre man ihm a) eher gerecht geworden und b) hätte ich ihn dann möglicherweise liegen lassen. So erwartete ich wie auf dem Klappentext versprochen, einen starken Roman vom neuen Stern am Horrorhimmel. Ja, am Arsch. Das ist bestenfalls ein verglimmendes Lichtlein wenn es um Horror geht. Der Protagonist ist ein Tablettensüchtiger im Drogenwahn, kämpft mit den Geistern seiner Vergangenheit und muss sich mit dem Fall des Marines beschäftigen. Erzählen kann der Autor ja, aber zustande gebracht hat er leider nur eine überlange Folge CSI mit einem vielleicht mystischen Moment auf der Schlangenfarm. Und sonst? Nix Horror. Durch die falsche Herangehensweise des Verlages beim Klappentext und die Erwartungshaltung bezüglich Horror eine Enttäuschung. Sagen wir Horror 3/10 (also wird mir ein weiterer Rob Scott nicht in die Finger kommen), als düsterer Thriller mit dezenten Mystery-Elementen und viel gutem Willen 5/10.
26. Jack Coughlin + Donald A. Davis. Kill Zone. Actionthriller. Der Scharfschütze Kyle Swanson ist in heikler Mission unterwegs. Vor wenigen Tagen ist ein hochrangiger US-General von Terroristen entführt worden. Sie drohen mit seiner Exekution. Swanson und seine Männer müssen den General befreien.Als sie in einen Hinterhalt geraten, kann nur Swanson entkommen. Er ist auf sich alleine gestellt und begibt sich in das dunkle Herz der Wüste. Dort stößt er auf einen Feind, der mächtiger ist als er: Die vermeintlichen Terroristen sind Amerikaner mit Kontakten in höchte Regierungskreise in Washington. Der Tod des Generals ist für sie nur der erste Stein in einem tödlichen Spiel, das bald die gesamte Welt bedroht. Hier wird gehalten, was der Verlag auf seinem Werbeplatz verspricht. Action im Stile eines Chris Ryan ("Strike Back" - auch gelungen verfilmt) oder Andy McNab. Neu ist das Ganze Szenario ja nun wirklich nicht, aber dafür unterhaltsam und flott. Ein paar Plattheiten sind verziehen, literarische Feinkost wurde hier nicht gefordert oder vom Rezensenten erwartet. Hat insgesamt einen recht guten Eindruck hinterlassen und von dem Duo darf ruhig mehr kommen. Ach ja, mittlerweile versucht man ja anscheindend jeden Autor, der etwas Action in seine Bücher bringt, mit Matthew Reilly gleichzustellen. Vergesst es, auch der hier kommt da nicht ran. Die erwähnten Chris Ryan und Andy McNab und vielleicht noch Vince Flynn passen da zum Vergleich besser, wobei besonders letzterer doch noch einen guten Vorsprung hat. 6/10.
27. John Lescroart. Schattenkampf. Thriller. Evan Scholler wird verdächtigt, den ehemaligen Elitesoldaten Ron Nolan ermordet zu haben. Der Konflikt zwischen den beiden früheren Irakkämpfern wurde dadurch verschärft, dass Nolan ein Verhältnis mit Schollers Geliebter gehabt haben soll. Doch als der Anwalt Dismas Hardy zu ermitteln beginnt, entdeckt er ein viel tiefer liegendes Geheimnis, das die beiden Männer verband. Hardy taucht nur zu Beginn im Prolog mal auf, um dann für längere Zeit ebenso wie sein Kumpel Abe Glitzky von der Bildfläche zu verschwinden, um der Vorgeschichte Platz zu machen. Erst im letzten Viertel der rund 600 Seiten haben die beiden Kumpel ihren großen Auftritt. Bis dahin wird in einer komplexen Geschichte von Krieg, Politk, Liebe und Justiz erzählt. Kein Wunder, dass es da irgendwann tote gibt. Gute Charakterzeichnung und eine spannende Erzählweise, die weit über dem Niveau des weitaus bekannteren Justizthrillerautoren John Grisham ist, machen das Buch wieder zu einem gelungenen Output aus dem Hause Lescroart. Zugegebenermaßen aber nicht sein bestes Werk, doch selbst ein absolut schwacher Lescroart ist noch um Längen besser als die Grisham-Vehikel der letzten Jahre. 6/10.
28. Seth Graham-Smith. Abraham Lincoln - Vampirjäger. Abraham Lincoln war der 16. Präsident der Vereinigten Staaten, Befreier der Sklaven, Wiedervereiniger der Union und Amerikas größter Held. Doch Lincolns dunkelstes Geheimnis blieb seit über einhundert Jahren verborgen, hätte es doch die Geschichte der USA in ihren Fundamenten erschüttert. Denn seinen wichtigsten und tödlichsten Kampf führte Lincoln im Dunkel der Nacht – gegen blutrünstige Vampire. Diesmal hat sich Graham-Smith nicht an einer Vorlage vergriffen, sondern eine reale (mittlerweile verstorbene?) Person der Öffentlichkeit als Grundlage für ein eigenes Werk genommen. Lassen wir die historischen Fakten außer Acht und den Fakt, dass man jetzt nicht gerade von Überraschungen erschlagen wird, hat sich der Autor eine ätzend-amüsante Story erdacht, die wenig blutrünstige Einzelheiten, also nix für die Speisekartemit Geschnetzeltem und Splatter als Beilage, dafür aber nette Anekdoten aus der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts anbietet. Spaß macht er hauptsächlich wegen dem Mix aus Historie und Erfindung, Vampirgegner statt realer Kontrahenten. Tim Burton nimmt sich schon der Verfilmung an. Zudem hat sich der Verlag ein Beispiel an Tarantino/Rodriguez genommen und statt Fake-Trailern eben gefakte Buchvorschauen hinangestellt. Schade, dass es das eine oder andere Werk nicht geben wird. "Guttenberg-Zombiegraphie" hätte mich schon mal gereizt. 5/10
29. Ronald Malfi. Tod in Neverland. Mystery. Kelly Rich, die sich vor langer Zeit von ihrer Familie abgewandt hat, ist gezwungen, nach Hause zurückzukehren, als ihre Schwester in einen mysteriösen Unfall verwickelt wird. Nachdem sie jahrelang die Ereignisse unterdrückt hat, die sie zur Flucht bewogen, muss sie das Geheimnis ihrer Vergangenheit lüften, um ihre Schwester zu retten. Aber in der unheimlichen Ortschaft Spires, ihrer einstigen Heimat, in der kalte Herzen herrschen und im Wald tödliche Geheimnisse lauern, ist nichts, wie es scheint. Kelly wird in die Traumwelt ihrer Kindheit gestürzt und muss sich ihrer Rolle in den Tragödien stellen, die ihre Familie heimsuchen. Mystery-Horror mit Märchenelementen und wenig Gewalt, dafür aber Erinnerungen an Dean Koontz, die Gebrüder Grimm und den Film Poltergeist. Die Story wird langsam aber stetig entwickelt, ist narrativ schon fast vom Feinsten und hat mich trotz der Blutarmut gepackt. Subtiler, feinsinniger Horror mit seelischen Abgründen, düsterem Ambiente eines Märchenwaldes und völlig anders als "Snow", aber dennoch empfehlenswert. 7/10.
30. Brett McBean. Die Mutter. Psychothriller. Sie steht seit vielen Monaten am Rande des dröhnenden Highways und fährt per Anhalter. Sie steigt nur bei Männern ein. Längst hat sie vergessen, wer sie ist, woher sie kam, denn sie lebt nur noch, um den Mörder ihrer Tochter Rebecca zu finden. Per Handy konnte Rebecca ihr noch einen einzigen Hinweis geben: Auf dem linken Arm trägt der Mann ein Tattoo, auf dem STIRB MUTTER steht. Jeder Fahrer der anhält könnte der Killer sein oder jemand noch viel Schlimmeres. Die Mutter trifft auf ihrer Reise in verschiedenen Kapitel auf die unterschiedlichsten Menschen. Die Storys sind nicht vorhersehbar und bieten immer Abwechslung. Manche sind schlicht traurig oder nur eine kurze Begegnung, andere hingegen knüppelhart und grausam. Intensives Leseerlebnis mit ultrabrutalen Szenen und ruhigen Passagen, das auf mehr von Brett McBean hoffen lässt. Der FESTA-Verlag hat auch schon für demnächst (August) "Die Bestien" sowie voraussichtlich im Dezember 2012 (ja, wirklich erst 2012) "Das Motel" von McBean angekündigt. Pflichteinkäufe. Und wer sich an den Büchern des Herren Laymon mittlerweile satt gelesen hat und deren etwas überdrüssig ist - hier gibt es neues Futter, Leute. 8/10.
31. J. L. Bourne. Tagebuch der Apokalypse 1+2. Tipp von Shane. Konnte ja eigentlich nix schiefgehen, außerdem hat Cheffe immer Recht!! Willkommen in der Welt nach der Apokalypse! Dies ist das Tagebuch des unbekannten Soldaten, und es schildert auf eindringliche Weise den Untergang der menschlichen Zivilisation durch eine Plage, mit der keiner gerechnet hatte: Die Toten sind aus den Gräbern zurückgekehrt, und sie machen vor nichts halt. Denn im Angesicht des Todes kämpft jeder für sich allein. Old School Zombies unterwegs. Keine neuartigen Varianten, einfach nur tot und hungrig. In Tagebuchform geschildert; mit einfachen Worten und manchmal herrlichen Stilblüten ("ich flutschte durch ihre Reihen wie die Nadel durch's Öhr"), ohne überflüssiges Lamentieren und langatmige Satzgestelle. Natürlich keine Literaturansprüche. Wer sich dieses Buch zulegt und dann nölt, dass es eher was für's tote Hirn wäre, hätte seines besser vor dem Kauf wiederbelebt. Was erwartet denn diese Klientel von einem Zombieroman in Tagebuchschilderung? Mann, Brecht oder Dostojewski? Haltet mal den Ball flach. Hier will man Action und die kriegt man. Ne Splatterorgie ist es nicht, aber ne Ballerballade, Patronenhülsenzählen unmöglich. Zudem wird das Ganze noch etwas atomar angereichert. Kurzweil ist angesagt. Auch im zweiten Buch, das direkt an Teil 1 anschließt, geht des ordentlich zur Sache, ja wird sogar noch übertrumpft. Es wird militärischer, die Untoten werden ein bisserl schlauer, und man wird mit einem fetten Cliffhanger gegen Ende von Teil 2 bedient, der so richtig neugierig auf Nummer drei macht, der uns im März nächsten Jahres kredenzt wird und schon vorbestellt ist. Seichte, anspruchslose Kost für zwischendurch, die richtig Laune macht. Wer Literaturnobelpreisverdächtiges lesen will, sollte sich anderweitig orientieren, wobei ich dem einen oder anderen, der sich die Ausbreitung einer Seuche über Kontinente nicht vorstellen kann, empfehlen würde, bei seiner Lektüre der Tageszeitung mit den berühmten vier Buchstaben zu bleiben. Das dürfte dann seiner Vorstellungskraft zumindest halbwegs gerecht werden. Für Zombie- und Actionfans auf jeden Fall ein Lesetipp. Hirn aus und durch. 8/10. Danke Cheffe.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Buchreport November

Da Shane ja nun ein paar bewegte Bilder zwischen den vielen Text gelegt hat, kann ich ja meinen Novemberreport anbieten. Zur (möglichen) Freude von Doc Holliday ist er recht kurz ausgefallen, also wenig Text. Danach gehe ich erst einmal wie angekündigt in Winterschlaf.
20. Guilliermo del Toro / Chuck Hogan "Das Blut". Horror. Die Seuche, welche in "Die Saat" über die Stadt New York hereingebrochen ist, entpuppt sich als Vampirvirus, der sich die Welt untertan machen will. Ephraim Goodweather versucht dagegen anzukämpfen und ein Gegenmittel zu finden. Doch der Gegner ist ein mächtiger Obervampir, der sich auch nicht scheut, seine anderen Vampirclans, die ein Leben im Hintergrund vorziehen, zu vernichten. Wie schon in dem nur mittelmäßigen "Die Saat" erwartet, wird hier der Kampf unter den Clans geschildert sowie die Bemühungen des lieben Doktors außer dem Virus auch seine familiären und amourösen Probleme unter Kontrolle zu halten. Nichts Neues, nichts Aufregendes und schon gar nichts sonderlich gut Formuliertes bietet das Duo. Eine biedere, klischeehafte Angelegenheit, die als einzige positive Erscheinung die Latino-Vampirjäger-Gruppe zu bieten hat, die noch ein bisserl Fun in die Geschichte bringt. Ich hatte mir von dem Namen Del Toro wohl zu viel versprochen. Der Schluß des Buches macht noch ein wenig neugierig auf Teil 3, aber den hole ich mir nur noch der Vollständigkeit halber, nicht aufgrund von Qualität. Merh als 5/10 ist da nicht drin.
21-23. Marc Cerasini und John Whitman "24-Operation Höllentor", "24-Vetorecht" und "24-Das trojanische Pferd". Thriller. Hier wird versucht den Flair der TV-Serie auf das Medium Buch zu übertragen. Was meines Erachtens schon beim TV-Film Redemption nicht gelungen ist, geht hier vollständig in die Hose. Die Aufgaben von Jack Bauer spielen einige Jahre vor Beginn der Serie und auch wenn man auf für TV-Konsumenten schon bekannte Namen stößt, kann man als Neueinsteiger ohne TV-Kenntnisse die Bücher angehen. Bauer lebt noch nicht getrennt und hat keine Affäre mit Nina, die hier auch noch nicht auf die dunkle Seite gewechselt ist. Im Gegensatz zu den Serienfolgen geht hier schon recht flott die Spannung flöten, da die Kontrahenten klar gekennzeichnet sind, gut und böse fein getrennt. Verräter werden dem Leser sofort zur Kenntnis gebracht, während Bauer noch ermitteln muss. so bleiben jegliche Überraschungen und unerwartete Wendungen aus. Geschrieben sind sie in einem wirklich biederen und schlichten Stil, der fast jede Dynamik vermissen lässt. 08/15 Ware für den Wühltisch, sonst nichts. Gehirn-Fast-Food. Taugt gerade mal für nebenbei und ist auf Groschenromanniveau. Für alle drei zusammen eine 3/10.
24. R. J. Ellory "Vergib uns unsere Sünden". Thriller. Die Titelauswahl für die deutsche Ausgabe ist mal wieder schrecklich und irreführend. Da kommen einem sofort die britischen Drama-Krimi-Frauen-Klitschen in den Sinn und damit hat das Buch nun wirklich nichts zu tun. Mitten im Wahlkampf werden in Washington 4 Frauen ermordet. Das Thema wurde unter der Decke gehalten, da sowas ja nur die politischen Vorgänge stören würde. Doch als letztendlich etwas an die Presse durchsickert, wird der von privaten Schicksalsschlägen emotional gebeutelte Detective Robert Miller auf die Fälle angesetzt. Schwierig wird es, als er feststellen muss, dass die Frauen in keiner Datenbank zu finden sind und anscheinend gar nicht existiert haben. Ebenso problematisch gestaltet sich der Hinweis, dass bei Frau Nummer Vier möglicherweise ein Trittbrettfahrer als Täter in Frage kommt. Hinderlich und erschwerend kommt hinzu, dass die CIA, FBI und die Justiz irgendwie in die Fälle verwickelt sind. Komplikationen und Wendungen also nicht ausgechlossen. Narrativ gelungen, spannend und mit einigen Actionsprenkeln versehen führt Ellory den Leser zum Ziel. Insgesamt ein bißchen zu lang, was manchmal den Lesefluss hemmt. Einige zu ausführliche Beschreibungen und somit Seiten weniger hätten dem Werk gut getan. Trotzdem eine gute 6/10. Und ganz nebenbei ist das zumindest in Teilen auch noch eine nette Ergänzung zu Don Winslows "Tage der Toten", was die US-Präsenz in Mittelamerika in den 80-ern angeht.
25. David Moody "Todeshunger". Horror. Ein unbekannter Virus hat die Menschheit schon im ersten Teil "Im Wahn" entzweit. Es gibt nur noch die Unveränderten und die Hasser, welche ohne jeglichen Grund auf ihre Mitmenschen losgegangen sind und sie brutal getötet haben. Jetzt kämpfen beide Seiten um die Vorherrschaft, während der infizierte Danny McCoyne auf der Suche nach seiner Tochter Ellis ist. Die Unveränderten locken die Hater in eine Falle, bei der diese dann zu Hunderten niedergemäht werden, Danny wird gefangen und man versucht ihn umzupolen. Zudem wird auch Kritik an der Menschheit geäußert, die anscheinend nichts gelernt hat und wieder mit Todeslagern arbeitet, Egoismus zeigt und ganz klar das Fremde bekämpft. Wer nicht ist wie wir, muss weg. Bei den Hassern scheint das wahre Wesen des Menschen zum Vorschein zu kommen bzw. die Haltung ist nicht mehr gekünstelt oder verlogen. Auf der anderen Seite arbeiten die Unveränderten mit jahrhundertelang erprobten Täuschungen, Egoismen, Lügen und Intrigen. Vielleicht auch eine Anspielung auf das, was sich Menschen genötigt sehen einander im Sinne von Religion, Patriotismus oder Lebensanschauung anzutun. Insgesamt eine harte, brutal-blutige Lektüre, die nur im Mittelteil bei der Gefangenschaft von Danny einen Hänger hat und diesem zum Schluss noch eine unliebsame Überraschung bietet. Teil 3 kann kommen. 7/10 .

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Bücherreport Oktober

Da der Monat eh schon so gut wie um ist und auch nix mehr dazu kommt, hier also meine gesammelten Erfahrungen mit Lesestoff aus Oktober.
8. Kathy Reichs. "Blut vergisst nicht". Krimi. Weiberkram, ich geb's zu. Meiner werten Gattin zwecks Abwechslung zu meinen üblichen Horror- oder Terrorismusstorys stibitzt. Hätte schlimmer kommen können. Hedwig Courths- Mahler oder so. Eine Leiche wird gefunden, vor wenigen Tagen verstorben. Doch laut Unterlagen eigentlich schon 1968 abgenippelt - in Vietnam. Die Spur führt nach Hawaii. Zwar locker geschrieben und leicht zu lesen, aber trotz diverser Fährten und auch noch einer Einmischung des Drogenmilieus kotzlangweilig. Es passiert einfach nichts. Da ist die Rentnerbravo (uns Älteren noch als Apothekenumschau bekannt) spannender. "Blut vergisst nicht" - aber ich, und zwar dieses Buch. 3/10
9. Brett Battles. "Todesjagd". Thriller. Nach "Der Profi" nun der zweite Thriller um den Cleaner Jonathan Quinn. Als der Leichenbeseitiger von Geheimdienstaktionen seinen neuesten Auftrag erhält, muss er feststellen, dass der Tote ein Kumpel von ihm ist, der ihm einst das Leben rettete. Entgegen seiner üblichen Gepflogenheiten absolut anonym zu agieren und die Auftraggebert nicht persönlich zu kennen, beginnt er jetzt zu ermitteln. Sein Weg führt ihn dabei zu fernen und exotischen Gestaden, ist mit Überraschungen und Wendungen gepflastert. Sein stivh ins Wespennest sorgt schnell dafür, dass er selbst ebenfalls die Abschussliste ziert. Spannung, Tricks, Spionagetechniken und punktgenau gesetzte Actionsequenzen sorgen für ein interessantes Lesevergnügen aus der Agentenwelt einmal ohne Terroristen aus dem Nahen Osten. 7/10
10. Simon Kernick. "Todesangst". Thriller. Dan Taylor schlägt die Augen auf und ist entsetzt. In einem fremden Hotelzimmer, das Bett voller Blut, liegt neben ihm die Leiche von Leah. Das Telefon klingelt und eine unbekannte Stimme befiehlt ihm, den DVD-Player anzuschalten und sich via TV die Disc anzuschauen. Er muss miterleben, wie er Leah tötet. Dann erhält er Anweisungen, einen bestimmten Auftrag auszuführen, der natürlich nicht ohne Probleme abläuft und es bleiben einige Leichen zurück. Jetzt läuft ihm die Zeit davon, um zu beweisen, dass er weder mit dem Tod von Leah noch mit der Aktion bei der Übergabe eines Koffers etwas zu tun hat. Temporeich, blutig und stellenweise etwas brutal kommt die neue Story von Kernick nach "Gnadenlos" und "Deadline" daher. Hin und wieder etwas unlogisch oder an den Haaaen herbeigezogen, liest man sich doch zügig durch die Geschichte und wird mit der einen oder anderen unerwarteten Wendung belohnt. Kein Oberreißer, aber immerhin noch 6/10 wert.
11. Christopher Cook. "Robbers". Thriller. Zwei arbeitslose Streuner mit krimineller Vergangenheit machen die Gegend von Texas unsicher. Eddy knallt an einer Tanke den Verkäufer ab, weil der ihm die Zigaretten nicht verkauft, da ihm ein Cent fehlt. Sein Kumpel Ray Bob ist aber eindeutig der wahre Psycho in ihrer Zweckgemeinschaft, dem macht das Killen Spaß. Der braucht den Nervenkitzel des Tötens und schon bald haben die beiden Jungs verschiedene Jäger mit unterschiedlichen Motiven auf den Fersen. Und neben der Hatz auf die zwei Stromer beschreibt Cook das Land in all seinen Facetten, all seinem Flair. Mangrovensümpfe, Wüsten, Bohrtürme, Städte, Käffer. Reichtum, Armut, Texas Ranger, Red Necks, Rassismus. Alles da. Wir sind in Texas. Seine Protagonisten sind alle irgendwie vom Leben gebeutelt und mehr oder weniger gesetzestreu, teilweise ungebildet, naiv oder schlicht inzestuös verblödet. Teilweise ist das Buch recht dialoglastig, entwickelt aber eine dichte Atmosphäre, die einen in ihren Bann ziehen kann. Narrativ stellenweise so trocken wie das Land, blutig wie ein Porterhouse-Steak und absolut ein Gewinn für die Belletristik. Es ist unmöglich, von vornherein das Ende dieser Verfolgungsjagd zu bestimmen und daher bleibt die Sache auch spannend. 7/10
12. Tom Piccirilli. "Killzone". Thriller. Ein Serienkiller entführt und tötet Kinder. Auch die Tochter von Eddie. Nach 5 Jahren ein neues Szenario. Der Typ nimmt misshandelte Kinder ihren Eltern ab und gibt sie den Paaren, deren Kind er einst tötete. Keiner kann ihn identifizieren. Oder wollen die Eltern es nicht? Ist es nun Reue, die ihn treibt, so zu handeln? Was versucht er zu erreichen? Für Eddie Whitt spielt das keine Rolle, er will ihn unbedingt zur Strecke bringen und kommt dabei an die Grenzen seiner psychischen Belastbarkeit. Ein erschreckender, verstörender und dunkler Blick in die Abgründe der menschlichen Seele, aber trotz der nicht übermäßig hohen -Seitenzahl von 350 stellenweise etwas, zäh, den Faden verlierend und im Tempo gehemmt. Trotz des originellen Themas nicht ganz mein Fall. 5/10.
13. Simon Kernick. "Verdächtig". Thriller. Wieder tappt ein armer Tropf in eine Falle. Rob landet mit der Ex-Freundin eines Kumpels sturzbesoffen in deren Appartment. Sie werden von zwei Typen überfallen und Jenny wird von ihnen entführt. Stracks zur Polizei gesprintet erlebt er eine Überraschung. Des Mädels fürsorglicher Papa meint, sie sei in Urlaub und als er mit der Polizei die Wohnung aufsucht, ist diese blitzesauber und ordentlich. Seine Glaubwürdigkeit erst einmal dahin. Also macht er sich selbst auf die Suche und gerät natürlich zügig ins Fadenkreuz. Gewohnte, schnelle Actionkost mit einigen Brutalitäten garniert von Simon Kernick. Ein feiner Zeitvertreib, der nicht anstrengend ist, aber es auch schafft, die Motivation hinter den Geschehnissen lange zu verbergen. Ungewöhlich bei den Romanen von Kernick ist auch, dass sein Serienfigur - der Polizist Mike Bolt - eher an den Rand gedrängt agiert und nur selten in Erscheinung tritt. 7/10
14. Tom Cain. "Assassin". Thriller. In seinem dritten Abenteuer bekommt es Samuel Carver mit Menschenhändlern zu tun. Der Präsident versucht rigoros die Machenschaften auszumerzen, die von südlich der US-Grenze ausgehen und gerät damit ins Visier seiner Kontrahenten. Nur ein Mann kann ihn beschützen. Sein bester - Sam Carver, ein Held alter Schule. Skrupellos, nur seinem Auftrag verpflichtet übersteht er natürlich jede brenzlige Situation und räumt unter den Feinden seines Oberbefehlshabers rücksichtslos auf. Wie schon in den Vorgängern "Target" und "Survivor" setzt Cain bedingungslos auf Action und Thrill - und zwar von Beginn an. Undercoveraktionen und diverse Plottwists runden das Gesamtbild ab. Nachdem V
ince Flynn zuletzt leicht und Kyle Mills aber ganz schwer geschwächelt hatten, stößt Cain zumindest einigermaßen in die vorhandene Lücke hinein und etabliert sich als Gewinn unter den neuen Thrillerautoren. 7/10
15. Duane Louis. "Schnelle Beute". Thriller. Lennon, als Fluchtwagenfahrer beschäftigt, bleibt stumm als ein Van die Karre rammt, die ihn und seine Kumpels vom Tatort wegbringen soll. Ebenso stumm bei jeder weiteren Gelegenheit, bei der man versucht, ihn zu beseitigen. Er wird auch stumm bleiben, wenn er sich an den Schreien seiner Feinde ergötzt, sobald die Zeit der Rache gekommen ist. Kurz, knackig, schnell - Duane Louis in seinem Element. Ein Wortverschwender oder Zeilenschinder war er ja bisher nie. Blutig, lakonisch, gnadenlos. Seine Figur Lennon kommt ohne viel Dialoge aus und handelt lieber. Die eine oder andere fiese Überraschung und einige coole Sprüche sowie ein böser Schluß. Klasse. Und damit nicht genug. Als Bonus gibt es die Fortsetzung zu "Bondes Gift" mit dem Titel "Rotschopf". Starke, temporeiche Lektüre. Für den Thrillerfan nur zu enpfehlen. 7/10.
16. Alex Berenson. "Stille des Todes". Thriller. Islamistischen Terroristen gelingt es, aus einem abgelegenen russischen Depot zwei Atombomben zu klauen. Sie wollen sie in die USA schaffen, um den Präsidenten zu eliminieren. Klar, dass John Wells das zu verhindern sucht. Mal wieder ein Buch mit dem Lieblingsthema der US-Militärs - Kampf dem Bösen aus dem Nahen Osten. Berenson versucht durch die Hintergrundgeschichte seines Protagonisten John Wells die Sache zumindest oberflächlich etwas differenzierter darzustellen und lässt John Wells die Feinde aus beiden Religionslagern bekämpfen. Sieht man von ein paar Hängern ab, die politischen Diskursen geschuldet sind, geht es eigentlich recht schnörkellos voran. Spannung und Thrill sind garantiert, wenn sich Wells mit Egomanen aus den eigenen Reihen auseinandersetzen muss und politische Ränkeschmiede seine Arbeit behindern. Berenson hetzt seinen Helden von Schauplatz zu Schauplatz und lässt leichte Erinnerungen an Tom Clancy wach werden, auch wenn man ihn natürlich nicht erreicht. und vor allen Dingen eigenständig bleibt und nicht bloß den Meister kopiert. Gelungen. 7/10.
17. Richard Laymon. "Das Grab". Horror. "Sperma ist der beste Klebstoff. Oder hat schon mal jemand ein Baby auseinanderfallen sehen?". Dies ist wohl das Grundmotiv, mit dem Laymon seine Werke unterlegt. Ohne Erotik und Fleischbeschau geht es bei ihm nunmal nicht. Die zweite Zutat ist blutige Gewalt (auch wenn ich wieder einmal eine "Anpassung" an den Markt vermute oder schlicht nach den bisherigen Erfahrungen mit den Kürzungen zu misstrauisch bin) und das zusammen ergibt einen Roman, der im bekannten, eher einfältigen, aber leicht zu konsumierenden Laymon-Stil verfasst ist. Er liest sich flüssig und es geht durchaus voran und vor allen Dingen - es passiert auch was. Im Gegensatz zu "Der Ripper" oder "Der Pfahl" ist fast ständig was los und bei so einigen seiner eingestreuten Sprüche musste ich tatsächlich grinsen. Diese Serienkiller/Frankenstein/Zombie-Mixtur wird nie langweilig und Melvin, der junge Frankenstein, hält seine Gemeinde mit seinen Kreaturen, die erst tötete, um sie dann wieder zum Leben zu erwecken, ganz schön auf Trab. Nur dass seine lebenden Toten so etwas wie einen eigenen Willen entwickeln, reden können und - hey, wir sind bei Laymon - natürlich Sex haben wollen. Auch das Ende - obwohl irgendwie mal wieder etwas abrupt, was die eine oder andere Figur betrifft - macht nochmal Laune, trotzdem reicht es nur für 6/10.
18. Anonymus. "Das Buch ohne Staben". Mystery. Hier kann ich mich kurz fassen. Es ist wie bei Filmen, bei denen man ein Erfolgsrezept wieder und wieder kopiert. Das Buch ist wirklich nur ein Rehash von "Das Buch ohne Namen" und der Bourbon Kid taucht - abgesehen von einer Rückblende, wie er zum Bourbon Kid wurde - erst Mitte des buches auf. Die Gags, das Flair aus dem ersten Buch werden einfach wiederholt. Keine Überraschung mehr, nichts Neues. Blut, Kämpfe und Gewalt sind vorhanden, aber das reißt die ganze Chose auch nicht raus.Enttäuschend 4/10
19. Victor Gischler. "Vampire a GoGo". Mystery. Da wird der Student Allan von seinem Professor nach Prag mitgenommen, um dort mit ihm nach dem berühmten Stein der Weisen zu suchen. Nach dem ersten Kater aufgrund überhöhten Alkoholgenusses gerät Allan schon in die Bredouille, denn er bekommt es mit Hexen, Geistern, Zombies und Vampiren zu tun. Zu allem Überfluss stellt sich seine Freundin auch noch als Werwolf heraus. Putzig, aber nicht bemerkenswert. Amüsant, aber kein Brüller. Garniert mit einigen blutigen Ereignissen (hier und da geht mal ein Kopf flöten) liest sich das Buch flüssig, ist aber von stilistischen Feinheiten weit entfernt und hat eigentlich keinen bleibenden Erinnerungswert. Es ist eher ein wildes Gemenge für das Kind im Manne. 5/10 .

Montag, 4. Oktober 2010

Bücherreport September

So, hier also mein erster Bücherreport mit Kurzreviews zu verwerteten Schriften mehr oder weniger talentierter Autoren. Ist noch ein bisserl klein ausgefallen, da die Idee erst im Laufe des Monats ersonnen wurde. Hier im Report werde ich die Werke auch mit dem bekannten Punktsystem bewerten. Natürlich nur meiner subjektiven Meinung nach.
1. Rick Mofina. "Countdown". Thriller. Ein vielversprechender Klappentext, in welchem verschiedene Ereignisse zu einem Gesamtkonstrukt verwoben werden. Im Irak rettet eine Krankenschwester einen LKW-Fahrer aus den USA. In Kalifornien sucht eine Mutter ihren verschwundenen Sohn. In den kanadischen Rocky Mountains rettet ein Polizist auf "Zwangsurlaub" ein Mädchen aus einem reißenden Fluß. Ihre letzten Worte nötigen seinen Polizisteninstinkt die Ermittlungen aufzunehmen. Ohne große Unterstützung seiner Vorgesetzten führen ihn Spuren in die USA und zu einem Komplott immensen Ausmaßes. Ein erschütterndes Attentat ist geplant. Allein sein Stil reißt nicht mit, die Story wird zu schnell vorhersehbar. Überzeugend ist was anderes. Leider hat sich der Autor entschlossen, seine Leser nicht allzu sehr mit Substanz zu belästigen und den eindimensionalen Charakteren kein bißchen Flair zugestanden. Schwarz-Weiß-Denken sowie etliche Klischees runden das Ganze ab. Und die meisten Leser kommen schon nach ca. 100 Seiten nicht nur auf die Hintergründe, sondern können auch das Ende ohne zu viel Gedankenspiele vorausahnen. Geht in der Masse der Veröffentlichungen unter und wird in allen Punkten der Belanglosigkeit schuldig gesprochen. 3/10
2. Michael Connelly. "So wahr uns Gott helfe". Thriller. Connelly, der vor kurzem noch an der -Seite des am 30.9. verstorbenen Seriencreators Stephen J. Cannell eine kleinere Rolle in der TV-Serie "Castle" hatte, ist im Thrillerbereich eigentlich eine sichere Bank. Sein neustes Buch führt den Anwalt Michael Heller dazu, dass er den Mord an einem Kollegen aufklären muss, der ihm seine Fälle und die Kanzlei vermacht hat, was nun zu einer Bedrohung wird. Welcher Klient hat etwas zu verbergen? In einer größeren Nebenrolle taucht auch sein Serienheld Harry Bosch als Ermittler auf, der Heller später unterstützt. Falsche Fährten, juristische Tricks und körperliche Gewalt halten Einzug ins das bisher beschauliche Leben des Anwalts. Insgesamt ein gut recherchierter Justizthriller, der mehr Substanz hat, als mehrere Bücher zusammen aus der Feder bestimmter Erfolgsautoren. Zudem wird auch vor den Fehlern des amerikanischen Rechtssystems nicht halt gemacht und die Methoden und Abläufe vor Gericht angeprangert. Mehr Show als sein, mehr gewinnen als Gerechtigkeit üben. Tricks und Lügen, um alle zu täuschen. Jeder ist ein Lügner. Ein paar kleinere Mängel wie z.B. die überflüssige Enthüllung am Ende, die nichts mit dem Fall zu tun hat, schmälern die Punktzahl auf 7/10.
3. Daniel Silva. "Das Terrornetz". Thriller. Eine weitere Aufgabe für den Kunstrestaurator Gabriel Allom, der hinter dieser Fassade eigentlich als Killer im Dienste des israelischen Geheimdienstes steht. Natürlich geht es gegen die bösen Terroristen aus dem Umfeld Israels. eigentlich ist das schon eher ein Gewohnheitskauf, da ich die Serie nunmal begonnen habe und sie mir anfangs auch ziemlich zusagte, nur mittlerweile ist das Thema abgedroschen. Statt den heldenhaften Kämpfern gegen den Terror aus den USA sind nun die Israelis die Protagonisten unterstützt von ihren Verbündeten USA und Großbritannien und Seitenhiebe gegen die deutsche Vergangenheit gehören zum guten Ton, auch wenn Deutschland in den Storys keine Rolle spielt. Diesmal geht es gegen einen saudischen Milliardär, der die Terrororganisationen im Nahen Osten mit seinen Geldern finanziert. Um ihn auszuschalten, versucht man mit Hilfe seiner Leidenschaft für Kunst an ihn heranzukommen. Nach einem verheerenden Attentat auf den Vatikan macht sich Allom daran, ein bekanntes und beühmtes Bild für den Milliardär aufzubereiten, um sich undercover in die Organisation einzuschleichen und sie zu vernichten. Planen, ausführen, verschwinden. Spannung ist leidlich vorhanden, Action zu Beginn und gegen Ende satt, dazwischen viel Dialog und Planspiele. Vergleiche mit John Le Carre sind zu hoch gegriffen, aber erzählerisch und sprachlich ist Silva einigen seiner Kollegen doch weit voraus. Sein Kniff mit dem Kunstgewerbe dem Ganzen einen intellektuelleren Anstrich zu geben, ist lobenswert (außer dass das Thema Kunst bei mir Perlen vor die Säue ist) und nicht zu verachten, aber über gutes Mittelmaß kommt er hier nicht hinaus. 6/10
4. Daniel Silva. "Das Moskaukomplott". Thriller. Gleich der nächste Silva. Diesmal werden die neuen Reichen in Russland ins Visier genommen. Ein Waffenhändler gerät ins Fadenkreuz von Gabriel Allom und seinen Leuten. Ein Freihändler, der an jeden alles verkauft, was dieser Kunde zu bezahlen bereit ist. Israels Angst vor Atomwaffen in den Händen ihrer unfreundlich gesinnten Nachbarn treibt sie also dazu, diesen Typen auszuschalten. Mal abgesehen davon, dass die neue Bedrohung nicht von einem Araber ausgeht, läuft die Story nach genau dem gleichen Schema ab wie die des Vorgängers. Mit einem restaurierten Bild in die Falle gelockt und die Pläne vereitelt, aber unerwarteterweise schafft es der Waffenhändler seinen Häschern zu entkommen, was auf eine Fortsetzung schließen lässt. Wieder ein völlig einseitiges Buch, in dem Israel als einzige Nation (neben den USA) mit einer Berechtigung zum Töten seiner Feinde mit allen Mitteln und außer acht lassen jeglichen internationalen Rechts ausgestattet wird. Differenzierte Geschichten sehen anders aus. Sprachlich und stilistisch hat isch natürlich auch nichts geändert und sein Erfolg gibt Silva recht, doch wenn man zwei seiner Bücher in direkter Folge liest, fallen die Parallelen deutlich ins Auge und man langweilt sich denn doch. Daher auch nur 6/10.
5. Douglas Preston/Lincoln Child. "Cult". Thriller. Eigentlich ist der Begriff Thriller für die Pendergast-Romane nicht wirklich zutreffend, da sie genreübergreifend verfasst und nicht in eine bestimmte Kategorie einzuordnen sind. Wissenschaft, Geschichte, Horror, Fantasy, Thriller, Computertechnik - all diese Elemente finden in der Reihe um Special-Agent Pendergast Eingang. In "Cult" widmet sich das Autoren-Duo dem Zombie-Thema. Aber nicht so wie dereinst George A. Romero, sondern mehr auf den karibischen Voodoo-Kult bezogen. Ein Freund von Pendergast wird in New York getötet, obwohl der Mörder nachweislich schon Tage vorher das Zeitliche gesegnet hatte. Die Presse speilt den Fall hoch, schnell ist eine verdächtige Gruppe von Außenseitern gefunden, die man als Schuldige präsentieren kann. Natürlich ein Trugschluss. So einfach sind die Pendergastfälle nun doch nicht gestrickt. Manche Szenerie erinnert an vergangene Romane wie "Das Relikt", aber das Gespür für Atmoshäre hat die Autoren nicht verlassen. Okkultes, düstere Gewölbe, falsche Fährten, überraschende Wendungen - alles vorhanden. Routiniert geschrieben, durchaus spannend, stellenweise etwas härter als die Vorgänger, aber auch wieder mehr auf dem Boden der Tatsachen. Für die Fans der Reihe sicher ein Muss, für mich mittlerweile nur reine Vervollständigung. Es wird Zeit für etwas Neues. Eine neue Reihe oder wieder einige Einzelabenteuer. Gönnt Pendergast ne Pause. 6/10
6. Jean-Christophe Grange. "Choral des Todes". Thriller. Frankreichs Vorzeigeautor mit der außergewöhnlichen Themenwahl ist wieder aktiv. In einer Kirche geschieht ein Mord. Den Fall übernimmt der pensionierte Kommissar Kasdan mit einem vom Drogenentzug gebeutelten, rekonvaleszenten Kollegen namens Volokine. Die beiden ungewöhnlichen Protagonisten werden durch weitere Morde auf eine ungewöhnliche Methode aufmerksam, die zu beweisen wirklich schwer fällt. Außerdem ist es nicht leicht, die Hintergründe aufzudecken, die bis in die tiefste Vergangenheit zurückführen und mit Chile, Nazideutschland, Sekten und einem Staat im Staate zu tun haben. Zeugen sterben, Spuren werden vernichtet. Grange verbindet die nationalsozialistische Idee mit deren Faible für klassische Musik und komponiert selbst ein wirklich gelungenes Stück Literatur mit historischem Hintergrund. Detailliert und vielschichtig seine Protagonisten, spannend und teilweise brutal seine Story, die den Leser wirklich in ihren Bann ziehen kann. Ein wieder einmal düster gestricktes Werk, das die Abgründe und Boshaftigkeit der menschlichen Seele zum thematisiert. Hier findet man keine strahlenden Helden ohne Makel. Ein erzählerischer Ästhet mit Hang zu außergewöhnlichen Stoffen und thematisch ein Abweichler vom üblichen Einheitsbrei. Wer "Die purpurnen Flüsse" mochte und düstere, abgründige Geschichten mag, ist hier goldrichtig. 8/10 (Hätte eigentlich eine umfangreichere Besprechung verdient, aber der Zeitmangel hat es verhindert).
7. Patrick Robinson. "Bis zum bitteren Tod". Thriller. Und weiter geht die Privatfehde zwischen Admirla Morgan auf US-Seite und dem zu den Palästinensern übergelaufenen englischen Major Kerman. Ein missglückter Anschlag auf den Flughafen Boston, die Festnahme der Beteiligten und ein absolut rechtsfreies Bombenattentat in Damaskus auf Kerman, für das Morgan die Israelis eingespannt hat, bilden den Beginn des Katz-und Mausspiels der beiden Kontrahenten. Danach beherrschen Kermans Planung zum Beseitigen des Admirals sowie der grobe Klotz Morgan die Szenerie. Und ab hier wird das Buch so richtig mies. Rechtslastig ist schon zu vornehm ausgedrückt. Die Verunglimpfung von Rassen, Hautfarben und einzelnen Personen anderer Herkunft oder Denkweise durch den Protagonisten ist schlicht ätzend. Ich mache mir nun wirklich bei den Thrillern oder Actionromanen mit terroristischem Hintergrund keine übermäßigen Gedanken über die einseitige Darstellung der Parteien, aber was hier abgeliefert wurde, stößt selbst mir übel auf. Dazu die Art des Admirals, der nicht nur rechthaberisch und selbstherrllich daherkommt, sondern auch seinem Präsidenten und allen in seinem Umfeld Befehle erteilt, alles inklusive Prässident kuscht und spielt die Marionette des durchgeknallten Rechtsauslegers. Es gibt kein Rechtsempfinden. Wer nicht spurt, gehört weggesperrt - wenn er Glück hat. Nationen, die nicht mit der USA - heißt hier Morgan - einer Meinung sind, müssen auf Kurs gebracht werden. Gitmo, Folter, Gefängnisse in Übersee - alles noch zu milde in den Augen des Admirals. Glücklicherweise ist dies der letzte Roman um die Hauptfigur des Admiral Morgan und ich hoffe, dass Patrick Robinson wieder zu alter Klasse zurückfindet und sich auch einer etwas gemäßigteren Ansicht zu seinen Themen befleißigt, denn was er hier abgeliefert hat, war schlicht unsäglich. Normalerweise sollte man ja mit den Hauptfiguren mitfiebern, aber hier war das nicht möglich. Hätte dies ein Deutscher verfasst, er wäre weltweit geächtet worden und hierzulande sicher auf dem Index gelandet. Nur für die Action zu Beginn und am Ende gibt es 2/10.